Wohnhaus in Mexiko
Minimalistisches Haus in Mexiko-Stadt von Taller Aragonés
Wer in Bosques de las Lomas lebt, gehört wahrscheinlich zu den Besserverdienenden von Mexiko-Stadt. Der Distrikt im Westen der Millionenmetropole liegt relativ zentral und ist doch ungewöhnlich grün. Hier plante Architekt Miguel Angel Aragonés von Taller Aragonés ein Wohnhaus, das zwar typischen Vorstellungen von wohlständischem Wohnen entspricht. Sein wahrer Luxus aber liegt im Detail – und in der Dunkelheit. Denn bei Nacht verwandelt sich das minimalistische Gebäude in eine Leinwand aus Licht und Farbe.
Los Rombos, auf deutsch „Die Rhomben“, sind ein Projekt mit vier Gebäuden auf einem weitläufigen Grundstück. Das zweite der von dem Architekten Miguel Angel Aragonés erbauten Häuser wurde vor kurzem erweitert und umgestaltet. Er schuf eine Architektur, die mit der Natur interagiert und für die die üppige Vegetation des Anwesens optimale Bedingungen bot. „Wir entschieden uns dazu, den gesamten Baumbestand zu erhalten, denn die Bäume fungieren als grüne Wand“, sagt der Planer. So werden die Innenräume gleichsam von der starken mexikanischen Sonne wie vor den Blicken von außen geschützt, was eine weitestgehend transparente Gestaltung des Hauses ermöglichte.
In neuem Licht
Den Hauptraum legte Aragonés ebenerdig, hob ihn aber auf eine dreifache Deckenhöhe an und verglaste die gesamte terrassenseitige Fassade. Hinzu kamen zwei verglaste Quader auf der ersten und zweiten Ebene des viergeschossigen Baus, die sich zum Wohn- und Außenraum hin orientieren. Ihre durchsichtigen Wände sorgen für eine optische Erweiterung des Wohnbereichs. Außerdem lockern sie das Raumgefüge auf und verleihen der gesamten Architektur den Eindruck schwebender Leichtigkeit. Ähnlich wirken die Treppen zwischen den Geschossen, die der Architekt als offenliegende Struktur anlegte und lediglich mit dünnen, fast unsichtbaren Metalldrähten umsäumte.
Doch nicht nur die architektonische Hülle des Wohnbaus ist auf das Wesentliche reduziert. Das Interior wird von einem konsequent reduzierten Farb- und Formkonzept durchzogen. Bis auf wenige Ausnahmen in Creme oder Schwarz, sind alle Wände, Decken, Böden sowie das Mobiliar in Weiß gehalten. Bei einfallendem Licht wirken sie in ihrer Gesamtheit und vor der Glasfassade fast gleißend. Effektvoll sind Aragonés’ Spiel mit Elementen. Er pflanzte einen Baum in den Innenraum. Hinzu kommen Wasserbassins in Patios und Durchgängen. Sie zitieren die umgebende Natur und stellen tagsüber eine mit dem Steinboden harmonierende Oberfläche dar. Nachts werden sie durch Licht in Szene gesetzt und somit Teil eines Kunstspektakels. Dann offenbart die minimalistische Struktur ihr volles Potenzial.
Spektakel aus Licht und Farbe
Im gesamten Gebäude platzierte der Architekt Beleuchtungselemente, die für farbiges Licht sorgen. Sie sind Teil eines allumfassenden Lichtkonzeptes, das die Innenräume bei Dunkelheit in eine brillante Leinwand verwandeln. Dann reflektieren ihre weißen Oberflächen das ganze Spektrum des Regenbogens und sorgen mit Verläufen von Gelb zu Pink zu Blau für eine facettenreiche Abgrenzung unterschiedlicher Zonen des sonst farblich und formell einheitlichen Interieurs. Ein überraschender, magischer Effekt, der zeigt, dass reduzierte Räume mit den Einflüssen von Farbe, Licht und Natur in ganz neuem Licht erscheinen können.
FOTOGRAFIE Joe Fletcher
Joe Fletcher
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