Zu Hause bei einer Bühnenbildnerin
Umbau von Mistovia Studio in Krakau
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Von dieser Weisheit sprach bereits Johann Wolfgang von Goethe, aber auch die Gestalter*innen des polnischen Mistovia Studios fanden Gefallen an dieser Idee. Für die Innenarchitektur der Wohnung einer Bühnenbildnerin diente ihnen die prägnante Außenfassade des Häuserblocks als naheliegende stilistische Inspirationsquelle.
Als die junge Bühnenbildnerin ihr neues Zuhause erwarb, war die 57 Quadratmeter-Wohnung in zwei kleinere Räume aufgeteilt: ein Wohnzimmer mit Küchenzeile und ein Schlafzimmer. Dieser Grundriss bot in den Augen der gastfreundlichen Neueigentümerin jedoch nicht genug Platz für gesellige Zusammentreffen in größerer Runde. Abhilfe schaffen sollten die Gestalter*innen von Mistovia, die zunächst die Trennwand zwischen beiden Zimmern entfernten, um sie zu einem einzigen Raum zusammenzuführen. Um ihrer Auftraggeberin in dieser offenen Raumstruktur aber auch Intimität und persönlichen Komfort zu ermöglichen, „versteckten“ die Planer*innen hinter einer abgerundeten Wand ein minimalistisches Schlafzimmer, das direkten Zugang zu einem Ankleide- und Badezimmer bietet.
Der neue Grundriss schafft nicht nur Platz für mehr Gastlichkeit, sondern schmeichelt auch einer ungewöhnlichen Eigenschaft der Wohnung, die sich aus dem Umstand ergibt, dass sie in einer Gebäudeecke liegt: In ihrem ursprünglichen Zustand verfügte sie nämlich über einen Flur von sagenhaften 9,5 Metern Länge. Durch den Einbau des neuen Schlafzimmerkomplexes wurde dieser nun verkürzt, ohne seine Funktion als großzügiger Stauraum zu verlieren.
Herausfordernde Nasszelle und visuelle Dynamik
Eine architektonische Herausforderung wartete dagegen im Badezimmer: Dort wünschte sich die Auftraggeberin eine Dusche und eine Badewanne, obwohl dafür nur 5 Quadratmeter zur Verfügung standen. Erfüllt wurde der ambitionierte Wunsch, indem Mistovia das Waschbecken in eine vom Grundriss vorgegebene Nische einbaute und dadurch wertvoller Platz gespart werden konnte. Doch auch optisch sticht das Badezimmer durch das Zusammenspiel der Badkeramiken mit großformatigen Fliesen in Onyx-Optik hervor.
Ausdrucksstark setzte das Studio Mistovia auch den Wohnbereich in Szene, wo die unterschiedlichsten Materialien und Formen munter miteinander kombiniert wurden. Dort platzierten die Planer*innen Holzmöbel auf Mikrozementböden, ließen schwarze, blockartige Küchenmöbel auf Marmorfliesen stoßen und stellten eckige Formen den Rundungen von Tisch und Stühlen gegenüber.
Modulare Möbel und eine farbliche Hommage
Das Herzstück des Projekts bildet ein modulares Sofa in Kombination mit einer Schrankwand aus amerikanischem Nussbaumfurnier, die das Team von Mistovia exklusiv für seine Auftraggeberin entwarf. Je nach Aktivität und Anzahl der Gäste kann sie ihre Sitzgruppe nun ganz individuell anordnen, während ein gewölbtes Element an der Decke eine Projektionsleinwand für lange Filmabende beherbergt und die Paneele hinter dem Fernseher die Technik verstecken.
Mit anderen auffälligen Maßanfertigungen und Accessoires, wie beispielsweise einer runden Wandleuchte aus Glas, gelackten Steckdosen und einem bordeauxroten Bücherregal aus Stahl, würdigt Mistovia die Außenfassade des Gebäudes, in dem sich die Wohnung befindet. Es ist eine farbliche Hommage: Das Apartmenthaus im Krakauer Stadtteil Podgórze ist schon von Weitem an seiner auffallend rötlichen Fassade, den dunkelroten Fensterrahmen und Balkongeländern zu erkennen.
FOTOGRAFIE ONI Studio ONI Studio
| Projektname | Nadwislanska |
| Projektart | Umbau |
| Auftraggeber | Privat |
| Entwurf | Mistovia |
| Fläche | 57 Quadratmeter |
| Ort | Krakau, Polen |
| Fertigstellung | 2022 |
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