Best-of Leuchten 2026
Neue Formen, besondere Materialien, raffiniertes Licht
Wohl nichts anderes verändert die Stimmung eines Raums so sehr wie das Licht. Wenn die Tage kürzer werden, rückt die künstliche Beleuchtung stärker in den Mittelpunkt – und mit ihr neue Entwürfe, die Innenräume durch ihre Form, Materialien und Lichtwirkung prägen.
Auch in diesem Jahr waren auf Möbelmessen und Designveranstaltungen interessante neue Leuchten zu entdecken – darunter Exemplare von Lichtspezialisten wie Davide Groppi, Brokis und DCW Éditions, aber auch Modelle von Herstellern wie Established & Sons und Carl Hansen & Søn, die vor allem für ihre Möbel bekannt sind. Die Entwürfe zeigen wieder einmal, wie unterschiedlich Leuchten auf einen Raum wirken können: Manche treten optisch zurück und lassen das Licht für sich sprechen, andere werden durch ihre Form zum Blickfang.
Formen schaffen Räume
Dabei bewegt sich das Leuchtendesign weiterhin zwischen zwei gestalterischen Polen. Auf der einen Seite stehen die minimalistischen Entwürfe, die sich mühelos in verschiedenste Interiors einfügen – wie etwa In Fine von DCW Éditions oder Hono von Luceplan mit ihren schlanken Lichtröhren. In diese Kategorie reiht sich auch The Original Maya Collection von Luiza Guidi ein. Die akkubetriebenen Wandleuchten für Established & Sons wirken wie grafische Kunstwerke: Die flachen Metallrahmen lassen sich wie ein Fensterflügel aufklappen. Je nach Winkel werfen sie scharf konturierte Lichtsilhouetten an die Wand, die an natürliches Sonnenlicht erinnern.
Neben solch linearen, architektonischen Formen tragen insbesondere große, ausladende Leuchten dazu bei, Räume zu strukturieren und visuelle Akzente zu setzen. Dazu zählen seit jeher vor allem Kronleuchter, von denen der tschechische Hersteller Bomma ein zeitgenössisches Exemplar lanciert hat, das eine bestehende Kollektion von Boris Klimek ergänzt. Dew Drops Circle ist eine Hängeleuchte, die dazu gedacht ist, über einem Esstisch oder einer Kücheninsel platziert zu werden. Dabei ist ein Metallring beidseitig mit handgefertigten gläsernen Leuchtkörpern bestückt, die abstrahiert an Morgentau erinnern.
Klassiker im neuen Licht
Ebenfalls eine aus Glas gefertigte Leuchte zeigte Established & Sons auf dem diesjährigen Salone del Mobile: Medusa von Carlo Nason aus den Siebzigerjahren. Ihre mehrschichtigen, mundgeblasenen Opalglasschirme erinnern an die geschwungene Form einer Qualle und bringen einen handwerklich und formal extravaganten Touch ins Interior. In ihre Archive eingetaucht sind auch andere Hersteller: Während die metallene Tischleuchte Pallino von Martinelli Luce aus den Siebzigerjahren mit ihrem drehbaren Kopf gestalterisch verspielt wirkt, stellte FontanaArte in Mailand den strengen Entwurf Sillaba von Piero Castiglioni aus den Achtzigerjahren erstmals als kabellose Tischleuchte vor, die vor allem als Akzentbeleuchtung dient. Aus demselben Jahrzehnt stammt Hera, die Ettore Sottsass 1982 für Artemide entwarf. Sie interpretiert die klassische Ministerialleuchte mit massiven Formen und kräftigen Farbakzenten neu.
Material matters
Gerade bei hochwertigen Leuchten ist handgefertigtes Glas nach wie vor das Material der Wahl. Vor allem in Ländern, wo das Glashandwerk historisch eine große Bedeutung hat: in Italien und Tschechien beispielsweise. So stellte Lodes während der Milan Design Week eine von Carolina Martinelli und Vittorio Venezia entworfene, skulptural wirkende Tischleuchte namens Aurea vor. Bestehend aus transparentem Glas, ruht der Körper auf einem schwarzen Sockel, der einen im ausgeschalteten Zustand nahezu unsichtbaren Glasdiffuser trägt. Bomma indes setzt bei seiner neuen kabellosen Tischleuchte Ollo auf eine Materialkombination: Ein Metallkörper, den es in drei verschiedenen Oberflächenausführungen gibt, trifft auf einen scheibenförmigen Leuchtkörper aus Glas mit eingeschlossenen Luftbläschen.
Während Glas und Porzellan wie bei der Hängeleuchte Porcelight von Carl Hansen & Søn – einem Entwurf von Erik Magnussen aus den Achtzigerjahren – eine sehr elegante Anmutung besitzen, wirkt Steingut naturgemäß eher rustikal. Harna von Serax ist dafür ein gutes Beispiel. Mit der Form ihrer Tischleuchte nimmt die ukrainische Künstlerin Kseniya Kravtsova Elemente aus der Volkskunst ihres Heimatlands auf. Die geometrisch angeordneten „Blüten“ werden im Dunkeln hinterleuchtet, was sehr anheimelnd wirkt.
Lichttechnik und optische Effekte
Technisch komplex ist die kabellose Glasleuchte Era von Occhio, die aus einem einzigen Block gearbeitet ist. Das integrierte Leuchtmittel strahlt über einen satinierten Reflektorschirm blendfreies, weiches Licht in den Raum. Das Ergebnis ist eine hohe Lichtqualität mit einer flexibel anpassbaren Farbtemperatur, die sich über eine intuitive Geste oder per App verändern lässt.
Die in Mailand vorgestellte Tischleuchte Vera von Davide Groppi vereint, was selten gelingt: ausgefeiltes Handwerk, minimalistisches Design und raffinierte Lichttechnik. Dabei ruht ein Kegel aus Borosilikatglas auf einer zylindrischen Basis aus Aluminium. Der italienische Designer spielt bei seinem Entwurf mit Wahrnehmung und optischer Täuschung: Im eingeschalteten Zustand scheint ein abstrahiertes leuchtendes Herz schwerelos im Raum zu schweben. Ist die Leuchte jedoch ausgeschaltet, bleibt lediglich ein transparentes Glasobjekt zurück. Im Inneren der Leuchte befindet sich ein komplexes optisches System, das mittels Lichtbrechung arbeitet und gleichzeitig direktes, indirektes und diffuses Licht erzeugt. Der Reflektor, der im oberen Teil verspiegelt und im unteren Teil aus mattweißem Polycarbonat gefertigt ist, liefert ein präzises Licht, das selbst zum Teil der Gestaltung wird.
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