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Diese Textilien können mehr als nur gut aussehen

Diese Textilien können mehr als nur gut aussehen: Sie dämpfen Schall und Licht, weisen Bakterien ab oder sind schwer entflammbar – einige sogar alles auf einmal. Mithilfe neuer Gewebearten und Verarbeitungstechniken vereinen sie häufig unterschiedliche Funktionen.

von Judith Jenner, 21.05.2021

Seit Jahrtausenden stehen geknüpfte oder gewebte Stoffe für Wohlbefinden. Sie kleiden nicht nur Menschen, sondern auch Räume ein und schaffen als Bezüge von Sitzgelegenheiten, als Wandschmuck oder Bodenbelag eine angenehme Atmosphäre. Doch durch die Weiterentwicklung ihrer natürlichen Eigenschaften können viele Textilien heute mehr als das.

Licht und Schatten
Direkte Sonneneinstrahlung und Bildschirmarbeit vertragen sich nicht gut miteinander. Zugleich werden immer mehr Büros, aber auch Wohnhäuser mit bodentiefen Fenstern gebaut. Um die Balance zwischen Ausblick und Privatheit, zwischen Licht und Verschattung zu wahren, müssen gute Lösungen her. In der Kollektion des schwedischen Familienunternehmens Ann Idstein nehmen textile Rollläden seit der Gründung in den Fünfzigerjahren eine wichtige Rolle ein. Sie werden auf Wunsch nach den Vorstellungen der Kunden maßgefertigt. Als spannender Kontrast zur textilen Fläche können Holzlamellen aus der Jalousie-Kollektion den Abschluss an der Unterseite des Stoffes bilden. Neue Prints und zarte Muster sorgen für eine große Auswahl.

Metallisierte Oberflächen
Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten bietet auch das Verschattungssystem Kvadrat Shade. Ronan und Erwan Bouroullec betreuen als Artdirektoren die Kooperation zwischen Kvadrat und dem Fensterdekorationsanbieter Coulisse sowie dem relativ neu zur Kvadrat-Gruppe hinzugestoßenen französischen Unternehmen Verosol. Es ist auf metallisierte Sonnenschutztextilien zur Wärme- und Tageslichtkontrolle spezialisiert. Die metallisierte Oberfläche der Textilien reflektiert das Sonnenlicht und verhindert, dass sich der Raum aufheizt. Somit lässt sich mit den Rollos auch Energie für die Kühlung einsparen. Stoffe wie Niesen von Alfredo Häberli sind zudem schwer entflammbar.

Vielseitiger Filz
Mit seinem textilen Rollladen Oslo hat Kadeco eine Jalousie aus Lamellen in Filzoptik auf den Markt gebracht. Diese vermittelt eine wohnliche Atmosphäre und ist in vier verschiedenen Naturtönen verfügbar. Zudem dämmt das Polyestervlies den Schall und lässt sich durch Absaugen leicht reinigen. Die schalldämpfenden Eigenschaften von Filz macht sich auch das niederländische Start-up Féline Fabrics bei seinen akustischen Wandverkleidungen zunutze. Sie können direkt auf der Wand oder auf Paneelen befestigt werden. Das Besondere: Der Wollfilz wird ohne schädliche Chemikalien hergestellt. Darüber hinaus stellt Féline Fabrics auch einen Filz aus hundert Prozent recyceltem PET her.

Schallschluckender Wandbehang
Um im kleinen Rahmen eine angenehme Akustik zu erzeugen, sind auch Wandteppiche eine lohnende Investition. An japanischen Steingärten orientierte sich die slowenisch-britische Designerin Lara Bohinc, als sie für Kasthall die Kollektion From The Sun to The Moon entwarf, die Teppiche für den Boden und für die Wand umfasst. Das Berliner Label Reuber Henning steuerte kürzlich Wandteppiche für die Eröffnung des Münchner Hotels Haus im Tal bei: Die Kelims, entworfen von der französischen Gestalterin Julie Richoz, setzen einen traditionellen Kontrapunkt zur minimalistischen Einrichtung.

Stark gegen Bakterien
Dort wo Menschen gepflegt werden, gelten besondere Ansprüche an Textilien: Sie müssen sich gut reinigen lassen und dürfen Bakterien keinen Boden bieten, sich zu vermehren. Gleichzeitig sollen sie im Sinne einer Healing Architecture eine angenehme Atmosphäre schaffen, in der Menschen sich wohlfühlen, um schnell gesund zu werden. Textilien lenken von Medizintechnik ab und schaffen Privatheit. Hersteller wie das Schweizer Unternehmen Création Baumann arbeiten mit antimikrobiellen Beschichtungen. In den Fasern eingebundene Silberionen stören die Zellteilung von Mikroorganismen und lassen sie absterben. Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie hat auch das spanische Teppichlabel Nanimarquina eine neue mikrotechnologische Behandlung seiner Teppiche auf den Markt gebracht. Sie soll die Verbreitung von Viren und Bakterien über Teppiche verhindern und damit für Sicherheit in privaten wie öffentlichen Bereichen sorgen. Verfügbar ist sie für alle Teppiche von Nanimarquina und hält mindestens zwei Jahre.

Nachhaltig gegen Feuer
Feuerfeste Textilien bestanden in der Vergangenheit überwiegend aus Kunstfasern. Einen anderen Weg geht der Hersteller Maasberg mit seiner Marke Feischee-cotton. Er hat sich ein Verfahren patentieren lassen, bei dem eine chemische Reaktion auf die molekulare Zusammensetzung von Naturfasern wie Baumwolle, Flachs, Hanf und Jute einwirkt. Diese Materialien sind besonders hautverträglich und sogar kompostierbar. Einsatzgebiete sieht der Hersteller in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dort übernehmen mit Sensoren ausgestattete Textilien bereits weitere Funktionen, indem sie beispielsweise per Sensortechnologie Stürze melden. Die smarten Stoffe können in solchen Fällen sogar Leben retten.

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