Abstrakt und wohnlich
Umbau eines Wohnhauses in Melbourne von Kart Projects
Mit „House K“ gelingt dem australischen Büro Kart Projects eine flächeneffiziente und zugleich detailverliebte Erweiterung eines traditionellen Terrace House. Das Besondere: Architektur, Innenraum- und Landschaftsgestaltung stammen aus einer Hand.
Architekt*innen bekommen selten die Gelegenheit, ein Projekt vollumfänglich zu entwerfen: Baukörper, Innenraum und Außenbereich, von der ersten Skizze bis zum Detail. Beim Umbau eines eingeschossigen Wohnhauses in Fairfield, einem Vorort von Melbourne, hatte das Büro Kart Projects diese Möglichkeit – und hat sie wirkungsvoll genutzt. Innen wie außen wurden durch Farb- und Materialwahl einzelne Volumen definiert, die den Bestandsbau, den neuen Anbau und den Garten gliedern.
Teilabriss und Erweiterung
Für die vierköpfige Bewohnerfamilie war das Raumangebot des bestehenden Gebäudes zu klein. Doch vor der Erweiterung kam der Abriss: Der alte Gartenschuppen, ein bestehender Anbau und einige Innenwände wurden entfernt, um Platz für eine neue Raumaufteilung und einen 30 Quadratmeter großen kubischen Baukörper auf der Gebäuderückseite zu schaffen. Der neue Anbau nimmt nahezu die gesamte Grundstücksbreite ein und bildet die Gartenfassade. Nur zur nördlichen Grundstücksgrenze, in Australien die sonnenreiche Himmelsrichtung, ist der Bau etwas abgerückt, um den Lichteinfall in den Garten nicht zu beeinträchtigen.
Durchlässige Raumgrenzen
Die Architekt*innen arbeiteten bei dem Projekt mit der Durchlässigkeit und Doppeldeutigkeit von Raumgrenzen. „Anstatt Räume durch Wände zu unterteilen, zeichnet sich die Raumaufteilung in der Decke ab“, erklärt Martin Musiatowicz von Kart Projects. Mehrere Balken bilden eine Art Kassettenstruktur, die im Anbau unterschiedliche Bereiche für Küche, Essen und Wohnen definiert. Dennoch überlappen sich diese Bereiche und gehen fließend ineinander über. Die Schwelle zwischen Alt und Neu bildet ein zentral angeordnetes Einbaumöbel mit Stauraum und Daybed. Weitere Volumen – wie die Küchenmöbel oder der erhöhte Pool und die Feuerstelle im Garten – wirken ebenso raumbildend. Auch Lichteinfall wird für die Raumbildung genutzt: Ein übergroßes Oberlicht in der Küche durchzieht den Raum wie eine breite Fuge, in der die Dunstabzugshaube als eigenständiges Volumen eingefügt ist, und legt den Fokus auf das gemeinschaftliche Zentrum des Hauses.
Color-Blocking und Materialmix
Das Konzept der unterschiedlichen Bereiche und klar abgegrenzten Volumen wird durch die kontrastreiche Gegenüberstellung von Farben und Materialien unterstrichen: Dunkle Holzdielen im Altbau treffen auf hellen Terrazzo im Anbau, schwarze Küchenfronten kontrastieren Einbauten aus Birkensperrholz. Auch an der Fassade setzt sich das Color-Blocking fort: Die neue Gartenansicht des Wohnhauses zeigt eine Kombination aus einem Brettschichtholzrahmen in kräftigem Rotton mit tiefen Einbuchtungen und darüber eine flächenbündige Verkleidung aus dunkelgrau gestrichenen Faserzementplatten.
Die bestehende Straßenfassade mit Holzschalung, Fensterrahmen und Eingangstür ist monochrom in Dunkelgrau gehalten. Dahinter verbergen sich der Flur und das Elternschlafzimmer. Der vorgerückte Bauteil des Kinderzimmers, ebenfalls mit Holzschalung und einem kleinem Giebel versehen, ist dagegen in gebrochenem Weiß gehalten. Wie eine abstrakte Skulptur wirkt der knallrote Gartenzaun, der sich vom Hell-Dunkel-Kontrast der Fassade abhebt und die roten Brettschichtrahmen der Gartenseite zitiert.
Mit House K gelingt Kart Projects ein konzeptionell starker und bis ins Detail überzeugender Umbau. Aus einem einfachen, schlecht belichteten Wohnhaus wurde ein großzügiges Domizil für eine Familie, das künstlerisch-abstrakt und zugleich wohnlich anmutet.
FOTOGRAFIE Rory Gardiner Rory Gardiner
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