Beton und Blaue Berge
Recycling in Reykjavik: Dieses Wohnhaus von Studio Granda ruht auf den steinernen Resten seines Vorgängers.
Ein gezacktes Dach, das zu jeder Seite ein anderes Bild abgibt und darunter eine expressive Betonskulptur, die aussieht, als wäre sie aus dem steinernen Boden Islands herausgewachsen. Das Wohnhaus am Ende einer Sackgasse und am Rande eines Feldes aus Lavagestein könnte den rauen Charakter der Insel nicht besser auf den Punkt bringen – dabei warten in seinem Inneren eine wohlig-warme Atmosphäre mit viel Holz und Tageslicht.
Die Bauherrn bewohnten bereits das Vorgängerhaus, das für den Neubau abgerissen wurde. Doch die Überreste des demolierten Hauses wurden nicht einfach entsorgt: Der Beton wurde zerkleinert und dient nun als Fundament von Bakkaflöt 14. Und auch die restlichen Materialien wurden sorgfältig sortiert und recycelt.
Raues Aussehen
Das Haus steht abgeschieden in einer Siedlung am Rande Reykjaviks, am Ende einer ruhigen Sackgasse. Nach Süden wird das trapezförmige Grundstück von einem abfallenden Feld aus Lavagestein begrenzt: Dadurch genießen die Bewohner einen freien Blick auf das Bláfjöll-Gebirge, die „Blauen Berge“ im Südwesten Islands. Die zwei Hauptmaterialien, die beim Bau verwendet wurden, sind Sichtbeton und Kampala-Holz: Sie verleihen dem Haus seinen brutalistisch-ehrlichen Charakter und das damit einhergehende raue Aussehen. Sein Erscheinungsbild fügt den Bau perfekt in seinen natürlichen Kontext ein. Dazu trägt auch die expressive Ausformung des Daches, das mit wildem Gras und Heidekraut bepflanzt wurde, bei, in dessen Gestalt sich Ansätze von Le Corbusiers Architektursprache wiederfinden. Auch die wie ausgestanzt wirkenden Fenster in verschiedenen Größen und Formen erinnern an die Werke des berühmten Baukünstlers.
Gute Ausrichtung
Das isländische Architekturbüro Studio Granda nutzte die Ausrichtung und Form des Geländes und passte die Raumaufteilung geschickt an die Gegebenheiten an. Schlaf- und Badezimmer sowie die Garage und Lobby liegen unter hochaufsteigenden Spitzdächern in Richtung Norden, die Wohn- und Arbeitsräume orientieren sich unter einem flach geschwungenen Dach nach Süden. Im Herzen des 500 Quadratmeter großen Neubaus liegen die Küche und der Essbereich, die sich zur Raumlandschaft hin öffnen. Der ehrliche Umgang mit Materialien und die Ablesbarkeit der Konstruktion setzen sich auch im Inneren des Hauses fort: Die hohen Räume mit der offenen Holzbalkendecke übertragen die architektonische Vision ins Innere, ohne dabei den Wohlfühlaspekt aus den Augen zu verlieren. Der Boden ist mit Kampala-Dielen versehen, und viele der Einbauten wurden ebenfalls aus dem dunklen Holz gefertigt, dass den Räumen einen rustikalen Charme verleiht.
Viel Moos
Bei der Planung des Bakkaflöt 14 getauften Neubaus setzten die Architekten und Bauherrn nicht nur die Wiederverwertung abgetragener Baumaterialien – auch im Garten versuchten sie, so viele Pflanzen wie möglich zu erhalten oder auf dem Grundstück umzusiedeln. Die Bodenplatten von Gehweg und Terrasse wurden so angeordnet, dass zwischen ihnen genug Platz für das Heranwachsen von Moosen und Flechten bleibt. Ein weiteres Zugeständnis an die Natur der Insel und ihre bedeutende Rolle in der Geschichte und Gegenwart Islands.
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FOTOGRAFIE Sigurgeir Sigurjónsson
Sigurgeir Sigurjónsson
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