Projekte

Das Geschick des Giebels: Neue Wohnhäuser in Kopenhagen

Materialität, Höhe und Form: In Kopenhagen wurden drei Wohnhäuser unter Mitwirkung der Anwohner gestaltet. 

von Tim Berge, 17.01.2017

Wie ein steinernes Gebirge türmen sich die drei Häuser unmittelbar an der Hafenkante im historischen Zentrum Kopenhagens auf. Die Typologie, Materialität und architektonische Schwere wirken bekannt, doch ein Blick auf die Details sorgt für Staunen. Hier, zwischen 300 Jahre alten Lagerhäusern, hat sich ein Ensemble aus Wohn- und Geschäftshäusern eingeschlichen, das den Drahtseilakt zwischen alt und neu geschickt meistert. 

Die Debatte um die Bebauung einer der letzten Lücken im alten Hafen Kopenhagens währte zehn Jahre. Erst nach einem Verfahren, das die Anwohner in die Planung mit einbezog, konnte die Entwicklung des Geländes abgeschlossen werden.

Partizipation für Plads
Es ist ein prominenter Standort: Gegenüber dem Königlichen Schauspielhaus und inmitten des denkmalgeschützten, historischen Hafens liegt das Krøyers Plads getaufte Areal. Alte Lagerhallen, Speicher und Handelsdependancen, die mit ihren roten Ziegeldächern das Stadtbild seit Jahrhunderten prägen, bilden eine Nachbarschaft. Nach langjähriger Debatte konnte ein demokratischer Prozess ins Leben gerufen werden, der die Kopenhagener aufforderte, an der Gestaltung des Geländes mitzuwirken. „Die Anwohner wurden eingeladen, die Höhe der Gebäude und ihre Materialität zu definieren,“ erklärt Dan Stubbergaard vom beteiligten Architekturbüro COBE die Vorgehensweise. „Anstatt an dem Standort eine neue Typologie zu integrieren, wurde Krøyers Plads eine Neuerfindung dessen, was bereits an Ort und Stelle existierte: der Lagerhäuser.“

Klinker und Blech
Die finale Gestaltung der drei Wohnbauten reflektiert den partzipativen Entwicklungsprozess: Die fünfgeschossigen Gebäude vermitteln mit ihrer abstrahierten Dachsilhouette aus ineinander übergehenden Giebeln, ihrer schweren Materialität und ihrer Höhe zwischen alt und neu. Eine zeitgemäße Neuinterpretation des maritimen Lagerhauses. Die beiden beteiligten Architekturbüros Vilhelm Lauritzen und COBE teilten die drei Häuser mit ihren 105 Eigentumswohnungen untereinander auf: Während zwei aus roten Klinkern errichtete Bauten der quer zum Hafenbecken verlaufenden Reihung alter Lagerhäuser folgen, wurde ein drittes, mit schwarzen Blechpaneelen verkleidetes Volumen im Inneren des Areals platziert. Das gesamte Erdgeschoss wurde Restaurants, Cafés und kleinen Geschäften zugesprochen, um Krøyers Plads für ganz Kopenhagen zu einem lohnenswerten Ziel zu machen – und auch die umlaufende holzbedeckte Promenade dient nicht nur den unmittelbaren Anwohnern als Sonnendeck an der Hafenkante.

Gewinn für alle
Den demokratischen Gedanken – COBE sprechen sogar von einem „hyper-democratic approach“ – übertrugen die Planer auch auf die Nachhaltigkeit der Architektur: „Von Anfang an waren wir dazu entschlossen, die ersten Wohnbauten zu bauen, die den skandinavischen Ökologiestandards entsprechen,“ erklärt Thomas Scheel vom Architekturbüro Vilhelm Lauritzen den Anspruch des Projekts. Dafür mussten die Gebäude 25 Prozent energieeffizienter sein als die Durchschnittswerte eines Neubaus: Am Ende wurden es 40 Prozent. Kein Wunder, dass sämtliche Wohnungen bereits vor Baubeginn verkauft waren und sich Krøyers Plads seit seiner Fertigstellung vor Auszeichnungen kaum retten kann: Eine Bestätigung für alle Beteiligten und den partizipativen Entscheidungsprozess, den sie einschlugen. 

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Links

Projektarchitekten

COBE Architects

www.cobe.dk

Projektarchitekten

Vilhem Lauritzen Arkitekter

www.vla.dk

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