Flexibel mit System
Der neue Firmensitz von laflor Schokolade in Zürich
Was haben Schokolade und ein modularer Designklassiker gemeinsam? Sie kommen aus der Schweiz und sind seit Kurzem unter dem Dach der ehemaligen SBB-Werkstätten in Zürich vereint. An ihrem neuen Standort verbindet die Schokoladenmanufaktur laflor Schauproduktion und Shop mit dem Möbelsystem USM Haller.
Die Schweiz hat die Schokolade zwar nicht erfunden, doch neben Käse und Taschenmessern ist sie längst zu einem ihrer bekanntesten Markenzeichen und zu einem festen Bestandteil ihrer nationalen Identität geworden. An diese lange Tradition knüpfen auch junge Unternehmen an, wie die 2017 gegründete Schokoladenmanufaktur laflor. Sie hat sich auf sogenannte Single-Origin- und Farm-Origin-Schokoladen spezialisiert, deren Kakaobohnen aus einer bestimmten Anbauregion oder sogar von einer einzigen Plantage stammen.
Zuvor produzierten die vier Gründer*innen ihre Schokolade gemeinsam mit anderen Lebensmittelherstellern im DasProvisorium im Zürcher Stadtteil Binz. Doch die 80 Quadratmeter waren zuletzt viel zu klein geworden. Mit dem Umzug wollte laflor nicht nur die Produktion erweitern, sondern auch Platz für ein angeschlossenes Ladenlokal, Labor und Lager sowie Veranstaltungen und Fabrikbesuche schaffen. Fündig wurde das Unternehmen in den SBB-Werkstätten, einem historischen Industrie- und Bahnareal der Schweizerischen Bundesbahnen, das derzeit schrittweise in ein lebendiges, gemischt genutztes Stadtquartier namens Werkstadt Zürich verwandelt wird.
Beständig im Wandel
Ein Ort also, der selbst im Wandel begriffen ist und damit gut zu einem jungen Unternehmen passt, das sich Raum für weiteres Wachstum schaffen möchte. Wie schnell sich Anforderungen verändern können, hat laflor in den ersten Betriebsjahren selbst erfahren. Entsprechend anpassungsfähig und zugleich ästhetisch und zeitlos sollte auch die Einrichtung des neuen Standorts sein. Die Wahl fiel auf einen weiteren Schweizer Klassiker, das modulare Möbelsystem USM Haller. Entworfen wurde es Mitte der Sechzigerjahre vom Architekten Fritz Haller und dem Ingenieur und Firmeninhaber Paul Schärer, ursprünglich für die Büros des eigenen Unternehmens.
Aus verchromten Stahlrohren, kugelförmigen Verbindungselementen und farbigen Metallpaneelen entstand ein ebenso einfaches wie vielseitiges System, dessen grundlegendes Konstruktionsprinzip bis heute unverändert geblieben ist. Die einzelnen Module lassen sich immer wieder neu kombinieren, ergänzen und unterschiedlichen Nutzungen anpassen. Im Ladenlokal wird das System zur eleganten Präsentationsfläche, in den Büros zum funktionalen Stauraum und rund um die Produktion zum robusten Arbeitsmöbel.
Transparente Manufaktur
Rund 500 Quadratmeter stehen laflor zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und Zürich-Altstetten zur Verfügung. Allerdings war der Umbau durchaus anspruchsvoll: Der historische Gebäudebestand steht unter Denkmalschutz, außerdem mussten die hohen Hygienestandards einer Produktion erfüllt werden, die teilweise rund um die Uhr läuft. Gleichzeitig sollte die Herstellung im wahrsten Sinne des Wortes transparent sein: Kund*innen und Besucher*innen können durch Glaswände den Produktionsprozess verfolgen. Es ist eine Schauproduktion, wie man sie sonst von Craftbeer-Brauereien kennt. Statt Braukesseln sind es hier rotierende Trommeln, in denen die Kakaomasse rund 36 Stunden lang conchiert wird. Durch intensives Rühren, Kneten und Erwärmen wird sie geschmeidig. Unerwünschte Säuren und Bitterstoffe werden reduziert und die Aromen verfeinert. Ein Verfahren übrigens, das 1879 vom Schokoladenpionier Rodolphe Lindt entwickelt wurde und maßgeblich zum Weltruhm der zart schmelzenden Schweizer Schokolade beitrug.
Waldgrün und Kakaobraun
Gleich neben der Produktionsanlage liegt der Shop von laflor, der neben den Schokoladentafeln auch heiße Schokolade zum Mitnehmen anbietet. Laura Schälchli, Mitgründerin und CEO von laflor, hat sich bei den USM Möbeln durchgängig für ein dunkles Grün entschieden, das an die Wälder erinnern soll, in denen die Kakaobohnen wachsen. Der Farbton verleiht der nüchternen Industrieästhetik eine wohnliche Note, während die verchromten Stahlrohre der Möbel die Materialität der offen geführten Gebäudetechnik aufgreifen. Aus den modularen Elementen entstanden ein großer Verkaufskorpus mit Tresen und Präsentationsflächen, ein Sideboard mit Rückwand, auf dem die verschiedenen Schokoladenprodukte ausliegen, sowie ein Servierwagen, der auf Rollen zwischen den Funktionsbereichen wechseln kann. Schälchli schätzt vor allem, dass sich die Ladengestaltung parallel zu laflor jederzeit verändern und erweitern lässt: „Am idealen Layout arbeiten wir noch. Das darf sich noch entwickeln“, sagt sie.
FOTOGRAFIE usm.com
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