Architektur fürs Auge
Optikergeschäft AUGA von Znamy się in Breslau
Als eine begehbare Biologiestunde hat das Architekturbüro Znamy się den Optikerladen AUGA in Breslau gestaltet. Das durchdachte Interiordesign zeigt anhand einer strahlenförmigen Lichtskulptur die komplexe Funktionsweise des menschlichen Auges.
Farben und Formen, Helles und Dunkles präzise unterscheiden zu können, ist eine Fähigkeit, die viele Menschen als gegeben hinnehmen. Welche komplexen Vorgänge dabei im Auge ablaufen, wird einem erst dann bewusst, wenn die eigene Sehkraft nachlässt und ein Besuch beim Augenarzt oder Optiker ansteht. Das polnische Architekturbüro Znamy się, zu Deutsch „Kennen wir uns?“, hat die Funktionsweise des Auges auf subtile Weise zum Leitmotiv der Innenraumgestaltung für das Optikergeschäft AUGA in Breslau gemacht.
Licht aus der Linse
Dass sich ein Besuch in dem Brillengeschäft mit angeschlossenen Untersuchungsräumen dennoch nicht wie das Durchwandeln eines anatomischen Modells anfühlt, ist der ästhetischen Abstraktion zu verdanken, mit der die Architekt*innen vorgingen. Als markanter Hingucker dient ein rechteckiges Glasobjekt mit einer geriffelten, bikonvexen Struktur, die der Augenlinse ähnelt. Sie bricht und verzerrt das Sonnenlicht, das durch die Fenster in den Raum fällt, ganz so wie die Augenlinse das Licht beugt und auf die Netzhaut fokussiert, um scharfes Sehen zu ermöglichen. Das Tageslicht, das durch die halbtransparenten Vorhänge dringt, erhellt außerdem die Regale mit Brillengestellen.
Skulptur im Zentrum
Im Zentrum des Verkaufsraums steht der runde Tresen. Er ist in zwei Ebenen mit Wurzelholz unterschiedlicher Größe verkleidet und bildet einen massiven Kontrast zur darüber schwebenden Lichtskulptur aus strahlenförmigen LED-Röhren. Das Team von Znamy się hat die Theke als architektonische Metapher für die Makula entworfen, also den Bereich des Auges, der für das zentrale Sehen und das Farbsehen zuständig ist. „So wie die Zapfen in der Makula es uns ermöglichen, einen bestimmten Punkt scharf zu sehen, fungiert die Theke als zentrales Blickpunktelement des Innenraums“, beschreibt der Architekt Wojtek Nowak seine Idee.
Leitende Leuchten
Die zentrale Skulptur fügt sich in ein durchdachtes Beleuchtungskonzept ein, das die Kundschaft durch die Räume leitet. Drei parallel verlaufende Lichtbänder führen in den angeschlossenen Verkaufsraum. Sie sollen an Nervenbahnen erinnern, die das Auge mit dem Gehirn verbinden. Wandregale werden von raumhohen Pfosten getragen und sind indirekt beleuchtet. Auf dem Weg in die Untersuchungsräume nähern sich die Lichtbänder an und entfalten so eine Dynamik, die dazu einlädt, den Linien zu folgen. Verstärkt wird dieser Impuls durch den blauen, immer dunkler werdenden Farbverlauf. Im Untersuchungszimmer kumuliert das Farbspiel in einer dunkelblauen Decke. Sie erinnert an den Purkinje-Effekt. Er beschreibt das Phänomen, dass blaue Objekte im Dämmerlicht heller erscheinen als rote.
Mit dem Auge und dem Sehprozess als Leitmotiv haben die Architekt*innen von Znamy się besondere Räume für AUGA geschaffen. Das Beleuchtungskonzept berücksichtigt künstliche und natürliche Lichtquellen gleichermaßen. Trotz zahlreicher architektonischer Metaphern wirkt das Projekt nicht überladen. Die Funktionalität blieb bei der Planung stets im Fokus: Brillen werden ins rechte Licht gerückt, die Untersuchungsräume wirken hell und einladend.
FOTOGRAFIE Migdal Studio
Migdal Studio
| Projektname | AUGA |
| Entwurf | Znamy się |
| Team | Wojtek Nowak, Bogna Kawa-Nowak, Monika Jokiel, Ula Dachnij-Seredyńska, Anna Petryszyn |
| Ort | Breslau |
| Fläche | 191 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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