Projekte

Do Look up!

James Turrell eröffnet monumentalen Skyspace im ARoS Aarhus Kunstmuseum

Der amerikanische Lichtkünstler James Turrell eröffnet im Juni 2026 einen monumentalen Skyspace im ARoS Aarhus Kunstmuseum. Die Lichtinstallation „As Seen Below – The Dome“ bildet den Höhepunkt der Museumserweiterung „The Next Level“ von Schmidt Hammer Lassen.

von Stephan Redeker, 18.03.2026

Der Blick in den Himmel gehört zu den ältesten Motiven der Kunst. Seit Jahrhunderten dient er als Projektionsfläche für religiöse Vorstellungen, kosmische Ordnungen oder atmosphärische Stimmungen in Malerei und Fotografie. Seit den 1970er-Jahren lässt uns der Amerikaner James Turrell an seinem Blick nach oben teilhaben. Er zählt zu den bedeutendsten Lichtkünstlern der Gegenwart und ist für Installationen bekannt, die die Wahrnehmung von Licht und Raum erforschen. Dazu gehören auch seine sogenannten Skyspaces, von denen weltweit mehr als achtzig Ausführungen existieren.

Dabei handelt es sich um Räume mit einer präzise geschnittenen Öffnung in der Decke, die den Himmel wie einen Bildausschnitt rahmt. Anders als in der Malerei oder Fotografie wird der Himmel hier nicht abgebildet, sondern unmittelbar erfahrbar gemacht. Mit As Seen Below – The Dome realisiert der Lichtkünstler seinen derzeit spektakulärsten Skyspace für das ARoS Aarhus Kunstmuseum. Die Installation bildet den Höhepunkt der Museumserweiterung The Next Level, entworfen vom dänischen Architekturbüro Schmidt Hammer Lassen Architects.

Architektur als Vorbereitung des Blicks
Das ARoS Aarhus Kunstmuseum organisiert seine Ausstellungen bisher vertikal in einem Kubus aus dem Jahr 2004. Mit der Museumserweiterung The Next Level setzt sich das Konzept weitgehend unter der Erde fort. Es führt Besucher*innen durch eine Reihe von Übergängen aus dem Museumswürfel hinaus unter den benachbarten Park.

Herzstück dieser Erweiterung wird die Salling Gallery sein, eine rund 1.000 Quadratmeter große unterirdische Ausstellungshalle für ortsspezifische Installationen. Von dort aus setzt sich der Weg fort, bis schließlich eine halb eingegrabene, monumentale Kuppel erreicht wird, die Turrells Skyspace aufnimmt. Im Musikhusparken neben dem Museum erscheint der Baukörper lediglich als begrünter Hügel.

Ein Raum für den Himmel
Der Kuppelraum misst rund 40 Meter im Durchmesser und erreicht eine Höhe von etwa 16 Metern. Am Scheitelpunkt befindet sich eine Öffnung zum Himmel: Wie im Pantheon in Rom ist das Oculus offen. Sitzbänke entlang der Wände bilden eine kreisförmige Zuschauertribüne, von der aus das „Himmelsgemälde“ betrachtet werden kann. Turrell interessiert sich jedoch weniger für das Motiv selbst als für die Wahrnehmung, die es hervorruft.

Die geradezu hypnotische Wirkung für Besuchende entsteht durch das Zusammenspiel von natürlichem und künstlichem Licht. In die Architektur integrierte LED-Systeme tauchen den Raum in langsam wechselnde Farbfelder, die die Wahrnehmung des Himmels verändern. Zugleich löst sich die Raumbegrenzung scheinbar in Farbe auf, denn kein Gesims, kein Rahmen oder sonstiger Abschluss markiert den Übergang vom Kuppeldach zum Himmelsloch. Dort treffen künstliches und natürliches Licht scharf aufeinander – und die Tiefe des Himmels verändert sich ständig.

Lichtprogramme für Aarhus
Die Installation ist bereits weitgehend fertiggestellt (siehe Abbildungen). Insgesamt werden die Vorbereitungen fast ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Der Grund liegt in der aufwendigen Abstimmung der Lichtprogramme: Da James Turrells Werke den realen Himmel einbeziehen, müssen die Sequenzen über längere Zeit hinweg getestet und an die jahreszeitlichen Veränderungen von Licht, Dämmerung und Wetter angepasst werden. Für Aarhus wurden mehrere Lichtprogramme entwickelt, darunter spezielle Sunrise- und Sunset-Sessions, die auf die astronomischen und atmosphärischen Bedingungen der Stadt abgestimmt sind.

Nach der Eröffnung plant das Museum tägliche Programme zum Sonnenuntergang sowie Sunrise-Sessions an Wochenenden. Zusätzlich hat Turrell eine kürzere Lichtsequenz entwickelt, die unabhängig vom Tageslicht aktiviert werden kann. Möglich wird dies durch einen beweglichen Deckel über der Himmelsöffnung, der erst in einer späten Bauphase installiert wurde. Ist er geschlossen, verwandelt sich der Skyspace in eine vollständig kontrollierte Lichtinstallation.

Turrells bislang ambitioniertester Skyspace
As Seen Below gilt als größter Skyspace im Museumskontext. Zum Vergleich: Die Installation im amerikanischen Kunstzentrum MASS MoCA ist etwa dreimal kleiner. Turrell bezeichnet das Projekt deshalb selbst als sein bislang ambitioniertestes – nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen der komplexen Lichtprogrammierung und der zusätzlichen Möglichkeiten, die der bewegliche Deckel bietet.

Mit The Next Level erweitert ARoS seine Ausstellungsflächen um rund 4.000 Quadratmeter. Neben der unterirdischen Galerie und dem Skyspace entstehen auch neue öffentliche Bereiche im Park. Die Turrell-Installation bildet den Höhepunkt dieser Erweiterung. Sie knüpft zugleich an eine Tradition des Hauses an: Bereits seit 2011 prägt Olafur Eliassons Dachinstallation Your rainbow panorama die Silhouette des Museums. Der 150 Meter lange Rundgang aus farbigem Glas legt sich wie ein Ring über das Gebäude und taucht den Blick auf die Stadt in die Farben des Spektrums. Nun kommt eine zweite, ebenso spektakuläre Rauminstallation hinzu, die mit der Wahrnehmung von Farbe, Licht und Himmel spielt.

Die Eröffnung von As Seen Below – The Dome im ARoS Aarhus Kunstmuseum ist für den 19. Juni 2026 geplant.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Entwurf

James Turrell

jamesturrell.com

Ausführung

Schmidt Hammer Lassen

shl.dk

Mehr Projekte

Discofeeling im Fußballstadion

Lichtkonzept für den Club78 in Köln von jack be nimble

Lichtkonzept für den Club78 in Köln von jack be nimble

Roter Riese

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

Ein mexikanisches Esszimmer

Atelier Raumfragen gestaltet das Restaurant Comedor in Berlin

Atelier Raumfragen gestaltet das Restaurant Comedor in Berlin

Spotlight im Rekordtempo

Beleuchtungssanierung an Oberhausens Musicalbühne

Beleuchtungssanierung an Oberhausens Musicalbühne

Mehr Stimmung als Stromverbrauch

Innovative Beleuchtung von Fagerhult im Bol-Headquarter

Innovative Beleuchtung von Fagerhult im Bol-Headquarter

Nachhaltig auf allen Ebenen

Intelligente Lichtlösungen für den Bürokomplex Tripolis-Park in Amsterdam

Intelligente Lichtlösungen für den Bürokomplex Tripolis-Park in Amsterdam

Neues Licht fürs Quartier

TRILUX inszeniert den Potsdamer Platz in Berlin mit Manufakturleuchten

TRILUX inszeniert den Potsdamer Platz in Berlin mit Manufakturleuchten

Rückzugsort für Macher

Lichtinszenierungen im Coreum Hotel von Studio De Schutter

Lichtinszenierungen im Coreum Hotel von Studio De Schutter

Licht als Szenografie

Artemide illuminiert den neuen BMW Showroom in München

Artemide illuminiert den neuen BMW Showroom in München

Licht für die Stille

Neue Beleuchtung für die Meereskapelle Upinniemi in Finnland

Neue Beleuchtung für die Meereskapelle Upinniemi in Finnland

Wohnliche Aussichtstürme

Elva Hotel in Norwegen von Mange Bekker Arkitektur

Elva Hotel in Norwegen von Mange Bekker Arkitektur

Filmreife Kulisse

Ein Arbeitsplatz in Berlin-Kreuzberg als cineastische Hommage von RHO

Ein Arbeitsplatz in Berlin-Kreuzberg als cineastische Hommage von RHO

Tanzen mit OMA

Nachtclub Klymax auf Bali in Kooperation mit DJ Harvey

Nachtclub Klymax auf Bali in Kooperation mit DJ Harvey

Disko unterm Fresko

Umbau einer Villa am Comer See durch J. Mayer H.

Umbau einer Villa am Comer See durch J. Mayer H.

Licht verbindet

Umbau und Erweiterung der alten Buntweberei in Eislingen

Umbau und Erweiterung der alten Buntweberei in Eislingen

Duale Spirale

Neuer Bershka-Shop von OMA in Mailand

Neuer Bershka-Shop von OMA in Mailand

Effizienter Holzbaukasten

Büroneubau in Oslo mit durchdachter Lichtplanung

Büroneubau in Oslo mit durchdachter Lichtplanung

Nachhaltig, individuell, vernetzt

Die neuen Lichtlösungen für moderne Arbeitswelten von TRILUX

Die neuen Lichtlösungen für moderne Arbeitswelten von TRILUX

Kulturelle Schnittstelle

Neue Showrooms von JUNG in Europa und Asien

Neue Showrooms von JUNG in Europa und Asien

Schaufenster fürs Licht

Neues Studio der Lichtmanufaktur PSLab in Berlin

Neues Studio der Lichtmanufaktur PSLab in Berlin

Licht im Gewölbe

Apartmentumbau in Valencia von Balzar Arquitectos

Apartmentumbau in Valencia von Balzar Arquitectos

Atmosphärisch und funktional

Lichtkonzept für das Berliner Spore Haus von Licht Kunst Licht

Lichtkonzept für das Berliner Spore Haus von Licht Kunst Licht

Leuchtende Architektur

RHO gestaltet einen flexiblen Eventspace in Berlin

RHO gestaltet einen flexiblen Eventspace in Berlin

Sprechende Wände

Paul Smith blickt auf das Werk von Pablo Picasso

Paul Smith blickt auf das Werk von Pablo Picasso

Belebter Backstein

Mehrfamilienhaus in ehemaliger Textilfabrik in Melbourne

Mehrfamilienhaus in ehemaliger Textilfabrik in Melbourne

Baumhaus am Hang

Balmy Palmy House von CplusC Architectural Workshop in Australien

Balmy Palmy House von CplusC Architectural Workshop in Australien

Der Periskop-Effekt

Hausumbau von Architecture Architecture in Melbourne

Hausumbau von Architecture Architecture in Melbourne

Shoppen im Wattebausch

Neue Jacquemus-Boutiquen von AMO in Paris und London

Neue Jacquemus-Boutiquen von AMO in Paris und London

Tanz in der Luft

Café Constance in Montreal von Atelier Zébulon Perron

Café Constance in Montreal von Atelier Zébulon Perron

Heim aus Holz

Neubau eines Wohnhauses von Russell Jones in London

Neubau eines Wohnhauses von Russell Jones in London