Platz da!
Falunroter Sportkosmos in Montreal von Ivy Studio
In Montreal verwandelte Ivy Studio eine alte Fabrikhalle in einen monochrom ziegelroten Court-Kosmos namens Kopa. Lobby, Padel-Plätze, Lounge und ein gläserner Raumkokon schaffen einen Ort, der nicht nur dem Padel-Sport gewidmet ist, sondern auch die Gemeinschaft fördert.
Was viele nicht über den derzeitig angesagten Court-Sport Padel wissen: Es gibt ihn schon seit über einem halben Jahrhundert. Der mexikanische Geschäftsmann Enrique Corcuera wollte 1969 auf seinem Grundstück in Acapulco einen Tennisplatz bauen. Da die Fläche nicht ausreichte, erfand er kurzerhand einen neuen Sport mit kleineren Platzmaßen, anderen Regeln und einer umlaufenden Mauer.
In den letzten fünf Jahren ist Padel international rasant gewachsen, auch in Deutschland und Kanada. Im ehemaligen Industrieviertel Pointe-Saint-Charles in Montreal hat das Designstudio Ivy eine historische Fabrikhalle zu einer Padel-Sporthalle umgebaut. Dabei wurden die roten Backsteine der Fassade als Thema und Farbcode auf das Interieur übertragen, wodurch ein falunrotes Sportuniversum für Rückschlagsportarten entstand, das mit elfenbeinfarbenem Stahl und schwarzen Tartanflächen kombiniert wurde.
Monochrom backsteinrot
Das Gebäude des Kopa ist gestuft aufgebaut und besteht aus einem niedrigeren Teil mit einer Höhe von 3,70 Metern sowie einem daran anschließenden Block mit einer Deckenhöhe von 7,60 Metern. Die Sportler*innen werden im niedrigeren Bereich empfangen, der monochrom ziegelrot gehalten ist und von kubischen Volumen sowie einer streng linearen, aber warmweißen Lichtinszenierung bestimmt wird.Der Raum besitzt die repräsentative Monumentalität eines luxuriösen Flagship-Stores und den reduzierten Pathos eines japanischen Tempels. Hinter dem Check-in-Tresen erhebt sich ein wandfüllendes Regal mit streng orthogonalem Raster. In diesem sind die Schläger unter Spotbeleuchtung wie wertvolle Exponate ausgestellt. Von dem Foyer mit Shop und Ausleihstation aus geht es weiter zu den Umkleiden und den Schließfächern. Man passiert einen Sanitärkern mit Duschen und eine Lounge, bevor man die Plätze und Trainingsflächen erreicht.
Court und Cocktails
Das Herzstück der Lounge ist ein zentraler Barblock, der den Stil und die Farbpalette des Eingangsbereichs aufgreift. Zusätzliche Spiegelelemente an den Decken, gepolsterte Barhocker mit chromglänzenden Standrohren und mit Holzpaneelen verkleidete Wände erzeugen eine Clubatmosphäre. Die Hochtische, Sitznischen und umlaufenden Tresenflächen sind als Orte für Verschnaufpausen gedacht. Von dort aus hat man aber auch die beste Sicht auf die Spielflächen.
In die Wände der Stirnseiten wurden Bildschirme eingelassen, auf denen bei Turnieren die Spiele übertragen werden. Da in der Halle regelmäßig Wettbewerbe stattfinden, war die direkte Sichtbeziehung für möglichst viele Zuschauer*innen auch eine Maßgabe für das Interieur. Die Einbaumöbel sind bewusst niedrig gehalten, während rund um den zentralen Padel-Platz massive Sitzblöcke positioniert wurden, die sowohl als Bänke, als auch als zweistufige Tribüne funktionieren.
Ruhe auf den Plätzen
Ein Padel-Court bildet das Herz der insgesamt 1.860 Quadratmeter großen Halle. Um ihn gruppieren sich drei weitere Courts, ein Pickleball-Platz sowie ein Pilates- und Yoga-Studio. Damit die unterschiedlichen Sportarten akustisch harmonisch nebeneinander stattfinden können, ist der Trainingsbereich für das Mattenprogramm vollständig verglast. Über den Schlägersportplätzen sorgt eine schallabsorbierende Beschichtung der offenen Decke dafür, die hohe Lärmbelastung wirksam zu reduzieren.
Bei Bedarf verwandelt sich das Sportstudio in einen auch visuell abgeschirmten Kokon. Ein schwerer Vorhang mit tiefem, voluminösem Faltenwurf lässt sich vor die bodentiefen Fenster ziehen, sodass der Raum vollständig verhüllt zu einer temporären, ablenkungsfreien Höhle wird. Dass sie trotzdem Teil des konsequenten Kopa-Stilkosmos ist, zeigt sich, wenn das Licht angeht: Eine indirekte, rote Beleuchtung tönt den vanillegelben Raum farbschlüssig zu Bar und Empfang.
Spiel, Satz, Wellness
Das Kopa ist mehr als nur eine Sportstätte. Es versteht sich nicht als reiner Funktionsraum, sondern als ganzheitlicher Ort für Sport, Wellness und Gemeinschaft. „Wenn ich früher Padel gespielt habe, lautete die erste Frage nach dem Sport immer: Okay, wo essen wir jetzt?“, erinnert sich Giacomo Makhlouf, der Gründer von Kopa. Er wollte mehr als nur die reine Infrastruktur, nämlich eine Sporthalle mit der Bedeutung eines dritten Orts, die Aufenthaltsqualität, Wärme und Gemütlichkeit bietet. Architektur und Design sind dabei weit mehr als bloße Kulisse. Gute Materialien, stimmungsvolles Licht und ein konsequent durchdachter Stilkosmos schaffen eine Atmosphäre, die dazu beiträgt, dass Besucher*innen nicht allein des Sports wegen kommen und auch nach dem Sport noch bleiben.
FOTOGRAFIE Alex Lesage Alex Lesage
| Projektname | Kopa |
| Entwurf | Ivy Studio |
| Gebäudetyp | Sporteinrichtung |
| Fläche | 1.860 Quadratmeter |
| Ort | Montreal, Kanada |
| Fertigstellung | 2026 |
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