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Kajüte im Kapitel

Betten in der Bücherwand: das Book and Bed Hostel im turbulenten Tokioter Stadtteil Ikebukuro.

von Tim Berge, 30.11.2015

Bei manchen geht es schneller, bei anderen dauert es länger. Aber in der Regel funktioniert es immer: Wer abends zum Buch greift, dem fallen mit Sicherheit irgendwann die Augen zu, egal wie spannend die Lektüre auch sein mag. Das Book and Bed Hostel in Tokio macht sich diesen Effekt zunutze und bietet seinen Gästen nicht nur genügend Lesestoff, sondern auch gleich die passenden Schlafkammern. Konsequenterweise verstecken sie sich in einer Wand voller Bücher. 

Das kürzlich eröffnete Hostel im turbulenten Tokioter Stadtteil Ikebukuro befindet sich in einem gewöhnlichen Gewerbebau. Hier, im siebten Stock hinter einer verschlossen wirkenden Fassade, haben der Buchladen Shibuya Publishing & Booksellers und das Architekturbüro Suppose Design Office einen Rückzugsort für Buchliebhaber geschaffen.

Das Leben ein Traum
Direkt aus dem Fahrstuhl tritt der Gast in den schlauchartigen Innenraum des Hostels. Die Großstadt scheint jetzt schon fern und vergessen: Gedimmtes Licht, eine hölzerne Bibliothek und die gegenüberliegende, meterlange Sitzlandschaft bilden das räumliche Empfangskomitee und kreieren eine Atmosphäre wie im Traum. „Normalerweise würde man als Architekt bei der Gestaltung eines Hotelzimmers an große und gemütliche Betten denken“, beginnen die Architekten die Erklärung ihres Entwurfsansatzes. „Aber uns ging es darum, welches die beste Art ist einzuschlafen. Und wie erzeugt man eine Form von Ruhe, die man sonst nicht mit Gruppenschlafzimmern assoziiert?“ Und obwohl die Lösung so selbstverständlich wirkt, wurde sie in dieser Form noch nie umgesetzt. Suppose Design Office übertrugen die Architektur einer Bibliothek, „in der jeder unterbewusst etwas leiser ist“, auf die eines Schlafsaals.

Kein eigenes Zimmer
30 Schlafplätze verstecken sich hinter einer Bücherwand, die zwar aus einfachen Tischlerplatten gefertigt wurde, aber dennoch einer klassischen Ästhetik folgt: Rundbögen, Reliefs und kleine Wandlichter erinnern an die Gemütlichkeit alter Universitätsbibliotheken und Zauberwelten à la Harry Potter. Über Leitern klettern die Gäste in ihre minimalistisch gestalteten Einzelzellen, die nur mit Matratze und Leuchte ausgestattet und nach außen offen sind. „Uns ging es nicht darum, unseren Gästen einen komfortablen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen“, erklären auch die Betreiber. „Was wir anbieten, ist eine besondere Leseerfahrung.“ Die Schlafplätze können tagsüber auch als einfache Rast- und Lesenischen genutzt werden. Und die mit samtblauen Polstern und Kissen ausgestattete Sitzlandschaft gegenüber der Bibliothek bietet einen zusätzlichen Ort zum Schmökern. Ein Gemeinschaftsbadezimmer gibt es übrigens auch – nur geduscht wird alleine.

Mitternachtskinder
Für die Auswahl der mehr als 1.700 Werke und den Betrieb des Hostels ist der angesagte Tokioter Buchladen und Verlag Shibuya Publishing & Booksellers verantwortlich. Verkauft wird die Lektüre aber nicht im Book and Bed – sie dient, wie in einer guten Bibliothek, rein dem Lesevergnügen der Gäste. Neben Romanen stehen auch Zeitschriften, Magazine und Comicbücher – in japanischer und englischer Sprache – in den Regalen, die allerdings fast alle einem thematischen Schwerpunkt folgen: Leben mit Büchern. Schlafen soll hier – im besten Fall – niemand.

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Links

Projektarchitekten

Suppose Design Office

www.suppose.jp

Book and Bed Tokyo

www.bookandbedtokyo.com

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