Vor grüner Kulisse: Ferienhaus in Vorarlberg
Material total! Dieser Neubau von Bernardo Bader wurde in traditioneller Bauweise realisiert.
Dieses Haus ist der Vorarlberger Landschaft gewidmet: Form, Materialität und Ausblick orientieren sich an den lokalen Bautraditionen und inszenieren gekonnt ihr natürliches Umfeld. Seinen temporären Bewohnern bietet der Ferienhausneubau von Bernado Bader aber nicht nur einen unverbauten Blick auf das üppige Grün der Bergregion – die Innenräume sind teils spektakulär und huldigen den Sonnenverlauf.
Das Haus am Stürcherwald liegt auf einem Grundstück, das eigentlich als unbebaubar galt: zu schmal und zu steil war das Areal, das von einer engen Serpentine umwunden wird. Um den Eingriff auf das Gelände so gering wie möglich zu halten und die Grundlage für einen Neubau zu schaffen, errichtete der österreichische Architekt Bernardo Bader einen Betonsockel. Er bildet die konstruktive Basis für das Wohnhaus. Das Volumen wirkt langgezogen und orientiert sich zum steil abfallenden Hang – und damit in südliche Himmelsrichtung. Das Haus, das als reiner Holzbau mit Satteldach gebaut wurde, ist eine Reminiszenz an die traditionellen Bautypologien des Lang- und Walserhauses. Dennoch macht der Bau deutlich, dass er nicht nur ein Rückblick sein möchte, sondern aus dem Hier und Jetzt stammt: Zu schlicht und fein detailliert ist das Fassadenbild des Hauses, dessen Optik durch helles, sägeraues Lärchenholz und großflächige Fensteröffnungen bestimmt wird.
In alle Himmelsrichtungen
Den Baukörper gliederte der Architekt horizontal, wobei Erd- und Obergeschoss an zwei Stellen über doppelgeschossige Räume miteinander verbunden sind. Alle Wohnräume und die Essbereiche befinden sich auf der unteren Ebene, darüber ordnete Bernardo Bader fünf unterschiedlich große Schlafräume an. Das Besondere bei der Raumabfolge im Erdgeschoss ist die Betonung der einzelnen Himmelsrichtungen: Eine Morgenloggia liegt am östlichen Ende des Hauses und eine Abendloggia, von der aus die Bewohner den Sonnenuntergang mitverfolgen können, platzierte Bader im Westen. Der große Wohnraum orientiert sich nach Süden und offeriert einen atemberaubenden Ausblick auf die Vorarlberger Berglandschaft. Im Obergeschoss ist die Anzahl und Größe der Fenster dagegen auf ein Minimum reduziert und betont den intimen Charakter der Schlafbereiche.
Höhlenartige Räume
Im Erdgeschoss verwendete Bader ebenfalls das in der Region gewonnene Lärchenholz. Da er das Material einer anderen Oberflächenbehandlung unterzogen hatte, konnte eine feine Differenzierung zur Außenhaut entstehen. Das gehobelte und geschliffene Holz findet sich an Wand, Boden und Decke sowie als Verkleidung der Einbauschränke und Sitznischen – mit einer erstaunlich plastischen Raumwirkung. Der teilweise zweigeschossige Bereich mit seinen Dachschrägen bekommt durch die Monomaterialität etwas höhlenartiges. Die großen Fensterflächen unterstreichen diesen Eindruck. Durch radikale Öffnungen zum Außenraum wird eine besondere Verknüpfung zwischen Architektur und Natur erzeugt: eine weitere Geste des Architekten an den regionalen Kontext. So wird der Vorarlberger Neubau, der auf den ersten Blick bescheiden und unspektakulär wirkt, nicht nur zu einem überzeugenden Versuch, die traditionelle Bauweise zeitgemäß zu interpretieren – er erzeugt auch eine soziale Brücke zwischen innen und außen.
FOTOGRAFIE Gustav Willeit
Gustav Willeit
Haus am Stürcherwald
Projekt: Neubau, Holzelementbau auf massivem Untergeschoss / Nutzfläche: 200 Quadratmeter / Bauherr: privat / Ort: Laterns, Vorarlberg / Fertigstellung: 2016
Mehr Projekte
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada
Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés
Licht im Laub
Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London
Renaissance auf Mallorca
Umbau eines historischen Stadtpalais von Nøra Studio
Zeitlos in Valencia
Balzar Arquitectos gestalten eine Altbauwohnung mit Wabi-Sabi-Ästhetik
Präziser Eingriff im Bestand
Umbau eines Einfamilienhauses im St. Galler Rheintal von Studio Micha Gamper
Neue Freiheit
Umbau eines Madrider Wohnhauses von Extrarradio
Wohnen zwischen den Klimazonen
Apartments für Studierende von EMI Architekt*innen in Regensdorf
Blaues Herz
Umbau eines Weinguts in Portugal von Arquitectura-G
Der Sonne entgegen
Nachhaltiges Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise an der Costa Brava von Clara Crous Arquitectura
Glashaus mit vielen Gesichtern
Kresta Garden House von Lucas y Hernández-Gil bei Madrid
Gekonnt gegliedert
Wohnungsumbau von DG Estudio in Valencia
Platte mit Weitblick
Umbau im Berliner Hochhaus von Christopher Sitzler
Bewegung im Rohbau
Achtsamkeitsstudio ANTI im Brandlhuber-Haus in Berlin
Athener Essenz
Sensible Stadthaus-Modernisierung von Local Local
Domestic Dancefloor
Clubkultur in einem Berliner Apartment von Studio Karhard
Ein Haus aus Lehm und Landschaft
Wohnhaus in Weert von De Nieuwe Context
Ungezwungene Zeitreise
Umbau und Erweiterung eines Londoner Reihenhauses von TYPE
Kompaktes Kleinod
Ferienhaus Casa Plaj in Portugal von Extrastudio
Zweigeteilter Rückzugsort
Umbau eines kleinen Erdgeschossapartments in Paris von atelier apara
Five-to-nine-Wohnen
Wohnhaus mit Galerie in London von O’Sullivan Skoufoglou Architects
Patio mit Pool
Neubau mit Backsteinfassade in Katalonien von SIGLA Studio
Kanso in Barcelona
Japanische Wohntraditionen prägen ein Apartment von Miriam Barrio
Lässig und robust
Anbau mit Terrakottafassade in Los Angeles von Current Interests
Lauschendes Alpenchalet
Maison Osaïn verwandelt eine historische Berghütte in Italien
Neuanfang durch Wiederaufbau
Transformation eines Einfamilienhauses in Slowenien von OFIS
Auf alles vorbereitet
Wohnanlage mit flexiblen Grundrissen von STAR strategies + architecture
Bauhaus-Comeback in Budapest
Umbau einer Dreißigerjahre-Wohnung von Sarolta Hüttl