Projekte

Wohnskulptur im Paradies

Hängematte und Kokusnusswasser: Ferienhaus von Marcio Kogan am atlantischen Regenwald.

von Tim Berge, 22.07.2015

Kokospalmenplantagen, atlantischer Regenwald und türkisblaues Meer: Es gibt wohl kaum eine schönere Kulisse für ein exklusives Ferienhaus. Wenn dann auch noch die Architektur im Einklang mit ihrer Umgebung steht, ihre ganze Pracht untermalt und mit ihren Reizen spielt, könnte man tatsächlich von einem paradiesischen Fleckchen Erde sprechen. Das Haus Casa Txai vom brasilianischen Architekten Marcio Kogan schafft all das – und noch viel mehr. 

Am Rande des atlantischen Regenwaldes, ganz in der Nähe des ehemaligen Fischerortes Itacaré in der brasilianischen Provinz Bahia, liegt das private Anwesen auf einem fast 7.000 Quadratmeter großen Grundstück. Landschaft und tropisches Klima ließen den Architekten gar keine andere Wahl, als das Haus maximal nach außen zu öffnen und für abkühlende Momente zu sorgen. 

Im Zentrum der Garten
Die Casa Txai schwebt als flaches Volumen auf Höhe der umliegenden Palmenwipfel und blickt in Richtung des nahen Ozeans. Marcio Kogan und sein Architekturbüro mk27 wollten verhindern, dass die zukünftigen Bewohner ihr Haus über ständiges Treppensteigen erschließen müssen und klopften das erwünschte Programm einfach in die Breite. Einzig die drei Schlafbereiche ruhen als eigenständige Körper auf dem Sockelgeschoss, in dem sich der Wohnraum, ein künstlich angelegter Garten, die Terrasse und der Swimmingpool befinden. „Die Casa Txai bietet einen radikalen Spagat zwischen innen und außen: Die tropische Atmosphäre Bahias beeinflusst die gesamte Architektur und macht den innenliegenden Garten zu einer Notwendigkeit für das Gebäude“, erklärt der Planer seine Vision. „Hier ist genau der richtige Ort, um in der Hängematte zu liegen und Kokusnusswasser zu trinken.“ 

Abstraktes Landschaftsmodell
Die Gestaltung der Casa Txai orientiert sich an der lokalen Architektur Bahias, den bunten Holzhütten der Fischerdörfer und der brasilianischen Moderne, einem Thema, das sich durch sämtlichen Werke Marcio Kogans zieht. Das Sockelgeschoss besteht aus breitgelagerten, offenen Räumen, die allein aus Boden und Decke zu bestehen scheinen. Beton trifft auf Terrazzo, tropische Hölzer auf ausgewählte Natursteine der Region. Die Etage lässt sich durch perforierte Holzschiebewände komplett zum Außenraum hin öffnen und beeindruckt durch ihr Wechselspiel mit der Natur: Der Garten wird zum Wohnraum, der zur Terrasse wird, die fast fließend in einen Pool zu münden scheint. Eine künstlich geschaffene, abstrakte Version der umliegenden Landschaft. Die Architekten verwandten bei dem Bau fast ausschließlich lokale Materialien, die dem Klima und der salzhaltigen Luft standhalten können. Das Interiordesign von Diana Radomysler, die bei jedem Projekt Kogans für die Einrichtung zuständig ist, unterstreicht die Anspielung auf die Moderne und greift ebenfalls auf regionale Besonderheiten zurück. Tischplatten aus lokalen Holzarten, Teppiche aus dem Raum Bahia und brasilianische Möbelklassiker aus der Mitte des 20. Jahrhunderts stricken die gestalterische Vision im Inneren des Hauses fort und erzeugen eine warme Atmosphäre.

Brasilianische Wohnskulptur
Eine Besonderheit bieten die drei Schlafräume, die auf dem Wohngeschoss ruhen und durch ein gemeinsames, weit auskragendes Dach verbunden sind. Den Glasschiebewänden der Fassade sind bewegliche Elemente aus Holz vorgelagert, die in drei bunten Farben gestrichen sind: gelb, rot und blau. Aus der Ferne erinnert die Ansicht an die Holzhütten der Region, doch je näher man herantritt, desto minimalistischer und zeitgemäßer wirkt das Ensemble. Den hüttenartigen Einheiten ist ebenfalls eine mit Hängematten ausgestattete Terrasse vorgelagert, von der aus die Bewohner den besten Blick über die Bäume hinweg auf den Ozean genießen können. Unter ihnen öffnet sich der Garten und das Wohnzimmer: eine grandiose Vermischung von Natur und Architektur. An jedes der drei Schlafzimmer ist ein eigenes Freiluftbadezimmer angeschlossen, das zur Hälfte unter dem Dach, zu anderen Hälfte unter freiem Himmel liegt. Ein wunderbarer Abschluss dieser brasilianischen Wohnskulptur, die ihren Bewohnern ein einmaliges Naturerlebnis bietet, das nah an der Grenze zum Paradies wandelt.

Mehr aus dem Designlines-Special Poolparty für das schöne Leben am Rand finden Sie hier.

Links

Special: Poolparty

Alles über das schöne Leben am Rand

www.designlines.de

Projektarchitekt

mk27

www.studiomk27.com.br

Marcio Kogan bei Designlines

www.designlines.de

Mehr Projekte

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Akzente im Bad

Reduziertes Gestaltungsprinzip mit farbigen Armaturen von Vola

Waschen als Kinderspiel

Berliner Kita mit klaren Farben und Duschwannen von Bette

Bäder-Schau

Badobjekte von Bette als zentrales Element in Rothenburger Boutique-Hotel

Baden in Barcelona

Raúl Sanchez plant eine Wohnung mit dem Badezimmer als Zentrum

Wiedergeburt einer Ikone

Poul Henningsens einstige Villa in Kopenhagen

Bad mit Bowie

Zähne putzen mit Ziggy Stardust: Einfamilienhaus in Dublin.

Finnische Wüstensauna

Finnische Tradition in der Wüste: Sauna im Black Rock Desert in Nevada.

Abstrakte Raum-in-Raumlösung

In der Casa Duende Duratex von Nildo José bildet eine kompakte Funktionsbox den Mittelpunkt.

Techno und Terrazzo

So lässig wie eine Bar: Zahnarztpraxis für Ästheten.

Swimming Wonderland

Märchenhafte Bade- und Sportoase: der Loong Swim Club in Suzhou des Shanghaier Studios X+Living.

Monsieur Etienne: Loft in Paris

Fließende Raumstrukturen: Apartment von Atelier du Pont.

Modernes Badehaus

Hommage an die chinesische Badekultur: Boutique-Hotel von Neri & Hu.

Poesie im Quadrat

Ein Wohnzimmer mit Badestelle von i29 in Vinkeveen

Balanceakt aus Beton

Drei Gästehäuser von Mork-Ulnes im Norden Kaliforniens

Spieglein, Spieglein

In diesem japanischen Friseursalon hängen keine Spiegel an der Wand, und es geht auch nicht darum, wer am schönsten ist.

Mit Farben lernen

Lënster Lycée von G+P Muller architectes

Spaziergang mit Schildkröte

Das Luxushotel Tortue in Hamburg

Tête-á-tête mit Baumkronen

The Fontany von Störmer, Murphy and Partners in Hamburg

Have a nice trip

Karim Rashids Designwelt in einem St. Pauli-Hotel

Relax Underground

Diskret und bizarr: Lenka Míková hat ein Prager Kellergewölbe in ein mysteriöses Love Hotel verwandelt.

Poetisches Raster: Wohnhaus in Australien

Ein Haus aus drei Teilen, für Bewohner und Gast.

Leben auf allen Ebenen

Ein Wohnexperiment von Tato Architects

Kupfertupfer

Frederic Kielemoes gestaltet minimalistisches Interior in Gent

Schaumbad über den Dächern

Das InterContinental Ljubljana vom Münchner Büro Wrightassociates

Schaufenster in den Wald

Tiny House in New York von Bjarke Ingels

Berg, Bond und Beton: Alpine Spa in Bürgenstock

Der Anbau des exklusiven Schweizer Bürgenstock Resorts ist eine minimalistische Gebäudeskulptur, die den Bezug zur Landschaft sucht.

Viele Fliesen: Miniloft in Vilnius

Das Bad ist das neue Schlafzimmer: Die Architekten von YCL Studio nehmen es mit diesem Umbau wörtlich.

Alle guten Dinge

Apartmentumbau von Miriam Barrio in Barcelona

Cliffhanger am Fluss: Wochenendhaus in Japan

17 Meter oberhalb des Flusses: Dieses Wochenendhaus basiert auf einer beeindruckenden Betonkonstruktion.