Wohnstube im Loft
Sanierung einer Maisonettewohnung von DIIIP in Köln
Behaglichkeit, Nachhaltigkeit und ein Hauch von Punk sind kein Widerspruch: Die dreigeschossige Wohnung in einem ehemaligen Speichergebäude am Kölner Rheinufer vereint dank der Neugestaltung des Architekturbüros DIIIP Wohnstube und Loftcharakter unter einem Dach.
2010 wurde die Aufstockung des ehemaligen Speichergebäudes im Rheinauhafen in Köln gemäß des Entwurfs von Molestina Architekten fertiggestellt. Trotz der hohen Gebäudetiefe ist es ihnen gelungen, komplexen Wohnraum mit Panoramablick zu schaffen. Zunächst war der Auftrag der Wohnungseigentümer*innen eine Neugestaltung des Bads und der Küche. Um sich letztendlich doch komplett von der alten Substanz zu trennen, entschloss man sich für eine Kernsanierung der Wohnung. Der Wunsch der jungen Bauherr*innen an DIIIP klang zunächst wie ein Widerspruch: eine Verbindung von modernem Loftcharakter mit dem behaglichem Flair einer alpinen Wohnstube. Mit dem Anspruch an Wohnflexibilität, Stauraum und einer Reduktion der Verkehrswege nahm sich das Team von DIIIP unter der Führung von Jochen Reetz dieser Herausforderung an – mit einem eleganten, behaglichen und zugleich nachhaltigen Ergebnis.
Unten Wohnstube, oben Loft
Während sich im Eingangsgeschoss die privaten Räumlichkeiten mit Schlafzimmer, Elternbad, Kinderzimmer und ein abtrennbarer Gästebereich befinden, wird in der darüber liegenden Etage gearbeitet, gekocht und gegessen. Den Rheinblick kann man von der darüber liegenden Terrasse aus am besten genießen. Das neu gestaltete, zentrale Treppenhaus innerhalb der Wohnung verbindet alle Ebenen miteinander.
Organische Natürlichkeit
Das helle Holz der raumhohen Einbaumöbel im Erdgeschoss erzeugt ein Wechselspiel mit dem dunklen, warmen Olivfarbton der Wände und dem cremefarbenen Kautschukboden. Auf die hohe Präzision der Möbel mit akzentuierten Fugen ist Jochen Reetz besonders stolz: „Die erstklassige und präzise Umsetzung der detailreichen Planung verdanken wir einer astreinen und hochmotivierten Handwerkerschaft. Die konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Schreinern war dabei maßgebend.“ Bei der Auswahl der Holzart für die Einbaumöbel entschied man sich im Hinblick auf den Anspruch an Nachhaltigkeit für regional produzierte Silbertannen-Dreischichtplatten mit einem vertikal ausgerichteten Fugenbild. Strohartefakte schimmern an der Oberfläche der olivfarbenen Lehmputzwände durch und erzeugen gemeinsam mit der Maserung der Holzplatten einen organischen, natürlichen Look.
Patinaaffin und wechselbar
Frische Farben einzelner Objekte dienen als Kontrast zu den Wänden und Böden. Bei den Sitzbänken im Essbereich wählte man ein warmes Gelb und der mit glänzendem Klavierlack beschichte Esstisch strahlt in hellem Blau. Im Gegensatz zum introvertierten Erdgeschoss fließt der Raum hier offen mit Sitzgelegenheiten um einen monolithischen Küchenblock als Zentrum herum. Zwar laufen modische Innenausbauten Gefahr, nach einer Weile aus der Zeit zu fallen, doch auch darauf hat Jochen Reetz im Hinblick auf die gewünschte langjährige Nutzung eine Antwort: „Die zeitgeistigen Farben im Innenausbau haben wir extra temporär angelegt. So können entsprechende Oberflächen beispielsweise neu lackiert oder neu bezogen werden.“ Die organischen Materialien wiederum altern in Würde und erzeugen dank einer zunehmenden Patina noch mehr Charme. Der Kokosboden im Eingang ist nicht verklebt und kann jederzeit ausgetauscht werden.
Ein bisschen Punk
Ein weiteres Element, das inmitten dieser anmutigen Landschaft aus matten Oberflächen in erdigen Tönen farblich hervorsticht, ist das interne Treppenhaus. Der erfrischend provokative Kontrast zwischen seinem Inneren und dem Rest der Wohnung entsteht durch einen einheitlichen, seidenglänzenden Lack in Reinorange auf sämtlichen Oberflächen, verstärkt durch die Spiegelung der großen Wandleuchten. „Wir haben lange über die Farbe des Treppenhauses nachgedacht. Am Ende war für uns das Orange die überzeugendste Mischung aus Kombinationsfähigkeit, Zeitlosigkeit und ein bisschen Punk“, schildert Reetz den Prozess. Der Farbton wird zudem auf wesentlich kleinerer Fläche bei den Kanten der Spiegel im Elternbad und den Badarmaturen der Marke Vola aufgegriffen.
Spiel mit Raumperspektiven
Die Architekt*innen von DIIIP verstehen das Spiel der geschickten Lenkung von Raumperspektiven sehr gut, indem sie die Flucht Richtung Gästebereich durch eine raumhohe, verspiegelte Schiebetür bei geschlossenem Zustand optisch verlängern. Das Schlafzimmer der Eltern und das angrenzende, großzügige Bad werden mit Hilfe einer raumhohen Schiebetür mit Metallstreben und strukturiertem Glas getrennt. Leuchtstoffröhren an den Decken verstärken die Blickachsen im Raum. Das zweigeschossige Wohnzimmer im Obergeschoss erhält über Fenster zur Terrasse hin zusätzliches Tageslicht, das durch eine große, runde Einbauleuchte ergänzt wird. Für mehr Komfort und Stauraum sorgt zwischen Obergeschoss und Zugang zum Dach ein weiteres Badezimmer und ein Stauraum für die Terrasse.
In Zeiten des Klimawandels werden Flüsse immer häufiger über die Ufer treten und auch das Rheinufer bleibt hiervon nicht verschont. Daher gibt es in dieser Wohnung neben den obligatorischen zwei Rettungswegen sogar einen dritten für den Hochwasserfall. Das Loft M ist nicht nur eine Antwort auf einen hohen ästhetischen Anspruch, sondern auch auf nachhaltiges Wohnen ohne Kompromisse und mit einer großzügigen Portion Wohnspaß.
FOTOGRAFIE Annika Feuss
Annika Feuss
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