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Best-of Küchen 2022

Küchenmöbel, Elektrogeräte & Materialien

Alle warten auf ein spektakuläres Schaulaufen der italienischen Küchenhersteller in Mailand, wo im Juni die Messe Eurocucina stattfindet. Derweil haben wir uns umgeschaut, was es jetzt schon Neues gibt fürs Küchenreich. Mit dabei: gefaltete Holzfronten aus Architektenhand, Arbeitsflächen aus recycelten Glasscherben und ein pinkfarbener Block, der als Leinwand für einen Sprayer dient. Plus eine Bildergalerie mit 45 Fotos.

von Claudia Simone Hoff, 10.03.2022

Dass Raumgrenzen im privaten Wohnen aufweichen, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Küche ist schon vor Jahren in den Wohnraum gewandert und auch das Bad nähert sich dem Schlafzimmer an. Der Weg hin zu fließenden Raumübergängen hat sich während der Pandemie noch verstärkt. Längst trifft man sich nicht mehr nur am Küchentisch, um dort zu essen und zu plaudern, man arbeitet dort auch – Cappuccino und Kekse als Nervennahrung in unruhigen Zeiten stets griffbereit. Es ist daher keine große Überraschung, dass die Küchenbranche boomt.

Boom in schwierigen Zeiten
Viele der deutschen Küchenhersteller verzeichnen für 2021 teils zweistellige Umsatzzuwächse, trotz Materialknappheit und -verteuerung, Logistikproblemen und stark gestiegener Energiepreise. So konnte beispielsweise das ost-westfälische Unternehmen Nobilia seinen Produktionsumsatz im letzten Jahr um 8,2 Prozent auf 1,482 Milliarden Euro steigern, wobei der Auslandsmarkt mit einem Zuwachs von 19,4 Prozent ein wichtiger Treiber war. Ebenfalls stark im Ausland vertreten ist Leicht mit einem Exportanteil von 60 Prozent. Der baden-württembergische Küchenhersteller steigerte seinen Umsatz um 10 Prozent auf 160 Millionen Euro, wie der Vorstandsvorsitzende Stefan Waldenmaier dem Branchenblatt möbel kultur sagte. Auch Schüller profitierte von der gestiegenen Nachfrage im Ausland und verzeichnete einen Umsatzzuwachs von satten 11,8 Prozent. Doch darunter mischt sich ein Wermutstropfen, wie das Unternehmen aus Bayern mitteilt: „Das Ausmaß, in dem Branchen in Bezug auf Grund- und Rohstoffe miteinander verflochten sind, wurde deutlich sichtbar und spürbar. Der Herausforderung einer vollumfänglichen Versorgung folgte unmittelbar ein überproportionaler Anstieg von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen wie Energie und Frachten.“

La dolce cucina
Nachdem schon seit über zwei Jahren keine internationalen Küchenmessen mehr stattgefunden haben, schaut nun alles gespannt nach Mailand. Dort soll im Juni parallel zum Salone del Mobile endlich wieder die Eurocucina/ FTK – Technology for the Kitchen stattfinden – traditionell ein Schaulaufen der italienischen Hersteller, die insbesondere mit gestalterischen Novitäten und Extravaganzen punkten.

Doch schon jetzt ist an den Neuheiten von Küchenmöbel- und Elektrogeräteherstellern abzulesen, wohin die Reise geht – nachdem im Herbst regionale Messen wie die area30 und Hausmessen der Hersteller stattfinden konnten. Alle Zeichen stehen auf nachhaltige Produkte und den Einsatz von teils gewagten Farben wie knalligem Rot und Gelb. Was bleibt ist die Kombination von hochwertigen Materialien wie Holz und Naturstein, gerade bei Herstellern aus dem High-End-Bereich, die sich auf gestalterische und handwerkliche Fähigkeiten fokussieren.

Die Materialisten
Das nordrhein-westfälische Unternehmen Eggersmann setzt auf Manufakturarbeit und wird im Herbst eine Küche des New Yorker Architektur- und Designstudios Yabu Pushelberg lancieren. Im Fokus des Entwurfs: eine skulpturaler Küchenblock aus Naturstein und eine Schrankwand aus Holz mit einer kunstvoll gefalteten Front, die von japanischem Design und Handwerk inspiriert ist. Eggersmann könne Dinge handwerklich umsetzen, die sehr ungewöhnlich seien für einen Küchenersteller, sagt Glenn Pushelberg. Nun ist Eggersmann in der Küchenbranche sicherlich eine Ausnahme, denn der Hersteller bewegt sich ausschließlich im Luxusbereich und fertigt seine Küchen in eigenen Werkstätten. Dort können gestalterische und technische Features umgesetzt werden, von denen gewöhnliche Hersteller nur träumen können – so wie beispielsweise hauchdünne Fronten aus Naturstein. Doch auch im gehobenen Massenmarkt sind Kombinationen von Holz und Naturstein gerade sehr beliebt, so beispielsweise bei Poggenpohl und Leicht.

Go green!
Gerade die Pandemie hat gezeigt, dass diejenigen Hersteller im Vorteil sind, die in eigenen Manufakturen und Fabriken produzieren und bei der Rohstoff- und Materialbeschaffung auf Regionalität und kurze Beschaffungswege setzen. Womit wir bei dem aktuell wohl wichtigstem und zugleich komplexesten Thema der Küchenbranche wären: Nachhaltigkeit. Hier entstehen gerade ganz unterschiedliche Produkte, die im besten Fall eingebettet sind in umfassende Nachhaltigkeitsstrategien, die sämtliche Unternehmensbereiche umfassen. „Aspekte der Nachhaltigkeit bestimmen Kaufentscheidungen von Kundinnen und Kunden heute maßgeblich und werden diese auch in Zukunft determinieren“, sagt Steffen Erath, Head of Sustainability & Innovation bei Hansgrohe. „Da werden auch höhere Preise akzeptiert.“

Zu den nachhaltigen Neuheiten im Küchenbereich gehören Arbeitsplatten aus recycelten Glasscherben (Poggenpohl), Armaturen mit smarten Wasserfiltern (Blanco), Fronten aus FSC-zertifiziertem Holz und lösungsmittelfreien Lacken (Team 7, Schüller) sowie Küchenblöcke aus Schwarzstahl, der zum Großteil aus recycelten Rohstoffen besteht (Eggersmann). „Das Produkt Küche an sich ist ein nachhaltiges“, sagt Markus Schüller, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. „Ein Faktor ist in diesem Zusammenhang sicher die Langlebigkeit, denn eine Küche hat eine Lebensdauer von rund 15 bis 25 Jahren – durch eine entsprechend hohe Qualität ist eine Nutzung auch darüber hinaus möglich.“ Genau da kommt Monica Born ins Spiel, die Gründerin des schwedischen Unternehmens Superfront, das vorhandene Ikea-Schränke recycelt und mit neuen Oberflächen versieht. Sie glaubt, dass der Kreislaufgedanke in Zukunft auch in der Küche wichtiger werden wird – beispielsweise in Form von überarbeiteten Möbeln wie Vintage-Tischen und -Stühlen. Nun, das dürfte den meisten Herstellern wohl nicht gefallen – Nachhaltigkeitsoffensiven hin oder her.

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