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Best-of Textilien, Teppiche & Tapeten

Was 2021 auf den Boden und an die Wand kommt

Alle bleiben zuhause – und das seit Monaten. Kein Wunder, dass manch einer auf die Idee kommt, das eigene Zuhause umzugestalten. Mit neuen Möbeln und Leuchten, aber vor allem mit Farben, Tapeten, Textilien und Teppichen. Wir zeigen die Trends: afrikanische Landschaften und floraler Übermut an der Wand, Ton-in-Ton auf dem Boden, dreidimensionale Oberflächen und nachhaltige Materialien. Plus eine Bildergalerie mit 44 Fotos.

von Claudia Simone Hoff, 01.03.2021

Egal wohin man schaut – ob auf Textilhersteller, Teppichmanufakturen oder massenproduzierende Labels: Interiortrends sind allübergreifend, Versatzstücke von dem einen finden sich bei dem anderen. Dabei ist es ähnlich wie in der Mode: Die spezialisierten Hersteller geben die Richtung vor – Farben, Formen und Materialien betreffend – während die anderen nachziehen und zuweilen auch nachmachen. Es ist vor allem die gestalterische Qualität des Entwurfs und der verwendeten Materialien, die die Hersteller und Labels voneinander unterscheidet, aber auch die Nachvollziehbarkeit der Produktionsbedingungen.

Trend #1: Ethno Style
Auffällig viele Designer und Unternehmen zeigen in diesem Jahr Teppiche und Tapeten in einem Look, den man als mehr oder weniger verspielten Ethno Style bezeichnen könnte. Will heißen: Motive aus für Nordeuropäer fernen Kulturen wie Japan und Afrika werden an die Wand und auf den Boden gebracht, nicht immer ganz frei von Klischees. Visuell besonders schöne Exemplare hat der französische Tapetenhersteller Arte mit der Kollektion Décors & Panoramiques aufgelegt: Hier wabern pittoreske Szenerien und explodierende, überbordende Farben und Muster über die Wände – in teils gewagten Kombinationen, in hochwertigen Seiden-Looks und Leinen-Effekten. Auch Christian Fischbacher hat den afrikanischen Kontinent zum Thema seiner neuen Kollektion gemacht: Djembe Rhythms sind Dekorations- und Bezugsstoffe aus ruhigen, erdigen Tönen mit einer Haptik, die zwischen grob und fein, weich und rau changiert. Ebenso fantasievoll sind die Entwürfe des finnischen Designers Klaus Haapaniemi, doch sind sie eher in der europäischen Kultur verankert. Er entwirft Teppiche, Textilien und Kissen mit poetischen Motiven aus der Natur: stilisierte Äpfel, Blüten und Blätter, aber auch fantastische Kreaturen.

Trend #2: Flora & Fauna
Eng verwoben mit dem Ethno Style sind Teppiche, Tapeten und Textilien mit Motiven aus Flora und Fauna. Dabei geht es manchmal recht opulent zu, wie die Textilkollektion Di Varia Natura von Rubelli zeigt. Die 1858 gegründete venezianische Manufaktur legt mit Granduchessa ein Dekorationsbrokat auf, das von einem Textilfragment aus dem Archiv des Unternehmens inspiriert ist. Die Komposition ist reich an Blumen, Zweigen und kleinen Insekten wie Bienen und Marienkäfern, wobei ein Goldfaden Glanz und Glamour in den Entwurf bringt. Verspielter, geradezu märchenhaft geht es beim italienischen Tapetenhersteller Instabilelab zu, der im Wind wogende rote Pilze an die Wand bringt und mit gepunkteten Kreismustern verwebt.

Trend #3: Geometrische Variationen
Geometrische Muster – auch für sich alleinstehend – sind ein weiterer Trend, der oft zusammen mit markanten Schwarz-Weiß-Kontrasten wie beim Teppichentwurf Peacock des schwedischen Herstellers Kasthall auftaucht oder mit intensiven Farbkombinationen. So erinnert die Tapetenkollektion Domino 80 von Beauregard in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau mit ihren auffälligen Geometrien an Gemälde von Piet Mondrian oder die knalligen Entwürfe von Memphis. Subtiler bringt Wallpepper Streifen und Karos an die Wand: Die Tapete Rhombus/ Stripes erinnert mit ihren Grau-, Braun- und Rottönen an englische Glencheck-Muster. Sehr luxuriös und haptisch schön im Rhombenmuster kommt die Textilkollektion Armani Casa von Rubelli daher, die ebenso wie Serena Confalonieris Tapetendekor Rainy für Wall & Decor in Brauntönen gehalten ist – allerdings eleganter und zurückhaltender als beim Braunrausch der Siebziger.

Trend #4: Back to nature
Wenn sich vor dem Fenster schmelzende Schneeberge türmen und der Winter in Pandemie-Zeiten trister denn je erscheint, sehnt sich manch einer nach Materialien aus der Natur – mit weichen, sinnlichen Oberflächen, in hellen klaren Farben. Das katalanische Teppichlabel Nanimarquina hat sich dieser Sehnsucht hingegeben und mit Ilse Crawford die Kollektion Wellbeing entwickelt, die gut zum behaglichen Rückzug passt. Neben Teppichen und Kissen umfasst die Kollektion auch eine Indoor-Hängematte, ein Plaid und einen Wandteppich. Alle Stücke bestehen aus natürlichen und lokal produzierten Fasern, sind von Hand gewoben und ohne Bleimittel oder Farbstoffe hergestellt. Dieses Zurück-zur-Natur spiegelt sich auch in der Farbgebung, die aus Weiß-, Beige- und Brauntönen besteht.

Natürliche Farbtöne, interessante Materialien und ein hoher Qualitätsanspruch kennzeichnen auch die Teppichböden von Tretford, deren Flor aus Kaschmir-Ziegenhaar besteht. Sie sind in 60 Farben erhältlich, darunter auch viele Naturtöne. Ebenfalls in Beige-Tönen gehalten ist der handgemachte Teppich Ozz der finnischen Designerin Kristiina Lassus, der mit einem grafischen Muster aus der Kultur der australischen Aborigines spielt. Auch Sebastian Herkners Entwurf Rushes für The Rug Company und die Curated Colors Collection des Berliner Labels Reuber Henning zeigen: Auf dem Boden sind ruhige Farben und Muster gefragt, denn sie sind vielseitig einsetzbar und drängen sich nicht in den Vordergrund.

Trend #5: Die Farben kommen
Sehen wir einerseits von der Natur inspirierte Weiß-, Beige- und Brauntöne, sind auch Pastelltöne noch lange nicht passé, was sich mit dem anhaltenden Scandi Look erklären lässt. Und auch damit, dass man mit pudrigem Rosa und kühlem Hellblau nicht allzu viel wagen muss und sich doch absetzt vom weißen Einerlei, wie es gerade in Deutschland noch immer eher die Regel ist. Ganz anders in Großbritannien: Hier sieht Joa Studholme, Farbkuratorin für Farrow & Ball, neben warmen Tönen wie Deep Reddish Brown und Preference Red reine, unkomplizierte Blautöne auf dem Vormarsch, wobei sich mit Pitch Blue und Ultra Marine Blue schöne Akzente setzen lassen. Auch die Konkurrenz von Little Greene setzt mit der Capsule Collection Stone auf natürliche Farbtöne, die Ruhe und Wärme verströmen. Dabei arbeitet der englische Farbhersteller erneut mit dem National Trust zusammen und taucht tief ein in die Historie von Herrenhäusern und Schlössern.

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Christian Fischbacher

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