Dämonen in Venedig: Giganten treffen Randnotizen
Zur 57. Kunstbiennale stoßen Mythos, Legenden und Wirklichkeit auf Glas, Knochen und Espressotassen.
Da ist sie, die Kunstbiennale von Christine Macel. Und ganz unerwartet der mit dem Goldenen Löwen geadelte Deutsche Pavillon von Anne Imhof. Aber auch Damien Hirst, Jan Fabre und Robert Wilson spielen eine, oder soll man sagen ihre Rolle. Während ersterer mit seiner aktuellen Ausstellung gleich beide Museen von François Pinault bespielt, zeigen die beiden letzteren vergleichsweise kleine Inszenierungen – die es aber in sich haben. Von Mythen, Legenden und Wirklichkeit bis zu Glas, Knochen und Espressotassen auf der Kunstbiennale in Venedig.
Damien Hirst und sein Dämon
18 Meter. Mit dieser stattlichen Höhe füllt der Dämon mit Schale das gesamte Atrium im Palazzo Grassi der François Pinault Collection. Wie die gigantische Skulptur in das Museum am Canal Grande gekommen ist, was der monumentale, schwarze, kopflose Dämon in seiner Schale hatte (angeblich soll es menschliches Blut gewesen sein, er erscheint weniger als Mensch, als ein dunkles Monster) und was der Künstler eigentlich damit sagen will: All diese Fragen bleiben offen. Als angeblicher Kunstschatz aus dem Indischen Ozean geborgen ist es das größte Objekt der legendären Doppelausstellung Treasures from the Wreck of the Unbelievable. Damien Hirst., die noch bis Anfang Dezember in Venedig zu erleben ist.
Zehn Jahre hat die Arbeit an dem fiktiven Kunstspektakel „zwischen Lüge und Wahrheit“ gedauert, 80 Millionen Euro soll die Herstellung gekostet haben. Verkauft waren alle 200 Werke bereits vor Eröffnung. In der Punta della Dogana zieht sich die Präsentation der Schätze, alle einst mit dem Schiff Apistos in den Tiefen des Meeres versunken sein sollen, fort. Damien Hirst: Der Künstler wird zum Entdecker und inszeniert sich als Sammler. Millionen lieben ihn, er liebt die Millionen. Die Büste einer mit graubunten Algen und Meerestieren bedeckten Mickey Maus dürfte am Ende auch unwissenden Besuchern ein Hinweis sein, mit welchen Dämonen Damien Hirst hier paktiert.
Jan Fabre: Glas und Knochen
Venedig, Murano und buntes Glas – der belgische Maler, Regisseur und Choreograph Jan Fabre zaubert aus dem Material der Lagune im Zusammenspiel mit tierischen und menschlichen Knochen seine philosophischen Reflexionen über Leben und Tod. Mit der Ausstellung Jan Fabre. Glass and Bone Sculptures 1977–2017, die während der Laufzeit der Kunstbiennale in der Abtei der Chiesa San Gregorio vis-à-vis zur Punta della Dogana zu sehen ist, beziehe sich der 1958 geborene Künstler auf die alten flämischen Meister, die pulverisierte Knochen als Pigmente sowie die Handwerkskunst der venezianischen Glasbläser benutzten, heißt es im Erläuterungstext. Fabre wählt ganz bewusst zwei harte Materialien, die sowohl stark, als auch zerbrechlich zugleich sind. Die aus zerkleinerten Knochen gefertigten Skulpturen und aus Skeletten kleinerer Nagetiere und Vögel treffen auf gläserne Totenschädel und Luftschlangen – Highlight dieser Ausstellung ist ein aus Knochenstücken zusammengesetztes Schiff mit Glashänden als Paddel. Nur Glasknochen wird man bei Fabre nicht finden.
Robert Wilson und Alice im Wunderland
Der weiße Tiger entpuppt sich ebenso als Traumfigur wie die weißen Kaninchen. Nur zwei Ecken weiter von Jan Fabre und Damien Hirst lockt Robert Wilson mit seiner Installation The dish ran away with the spoon. Everything you can think of is true in das Magazzini del Sale und feiert damit eine Hommage an die Abenteuerwelten von Alice im Wunderland: Unmögliches zu glauben, ist schließlich nur eine Frage der Übung. Schon 1992 hatte der amerikanische Regisseur, Theaterautor, Maler, Lichtdesigner, Bühnenbildner, Videokünstler und Architekt Robert Wilson das Stück Alice im Wunderland zusammen mit Tom Waits im Hamburger Thalia Theater neuinszeniert – er ist also ein alter Hase. Hinter den bühnenhaften Bilderwelten in Venedig verbirgt sich aber weniger Alice als die Kaffeemarke Illy: gefeiert wird hier der 25. Geburtstag der Illy Art Collection. Und so kommt es, dass kleine bunte Espressotassen die gesamte Inszenierung schmücken und immer wieder auftauchen – so auch im aufgerissenen Maul des sibirischen Tigers, der die zweite der sieben Raumsequenzen bespielt.
Treasures from the Wreck of the Unbelievable. Damien Hirst.
9. Mai bis 3. Dezember 2017, 10-19 Uhr (dienstags geschlossen); Palazzo Grassi & Punta della Dogana, Venedig
www.palazzograssi.itJan Fabre. Glass and Bone Sculptures 1977–2017
13. Mai bis 26. November 2017, 11-19 Uhr (montags geschlossen); Abbazia di San Gregorio, Dorsoduro 172, Venedig
www.janfabre.beRobert Wilson: The dish ran away with the spoon. Everything you can think of is true
10. Mai bis 16. Juli 2017; 10-18 Uhr (montags geschlossen); Magazzini del Sale-Zattere Dorsoduro 262, Venedig
www.watermillcenter.orgMehr Stories
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