Frisch, ohne neu zu sein
Bo Hellberg von String Furniture über modulare Möbel und langlebige Interiors
Partner: String Furniture
Wie können sich Büros verändern, ohne dass ihre Einrichtung alle paar Jahre ausgetauscht wird? Bo Hellberg von String Furniture spricht im Interview über Modularität, Reparatur als Luxus und die erstaunliche Aktualität eines mehr als 75 Jahre alten Regalsystems.
Das moderne Büro ist in Bewegung. Doch Veränderung bedeutet in der Innenarchitektur noch immer allzu oft Austausch. Wie lässt sich der Wunsch nach Neuem mit langlebigen Interiors verbinden? Darüber haben wir mit Bo Hellberg, Chief Marketing Officer des schwedischen Möbelherstellers String Furniture, gesprochen.
Wenn wir vom modernen Büro sprechen, geht es häufig darum, wie es aussieht. Ist heute nicht mindestens ebenso wichtig, wie lange eine Einrichtung funktioniert?
Beides ist wichtig. Aber es geht auch darum, wie ein Raum uns fühlen lässt. Ich beschäftige mich viel mit Neuroästhetik. Dabei spielen natürliches Licht und Biophilie eine Rolle, aber auch das Gefühl von Sicherheit und die Möglichkeit, einen Raum überblicken zu können.
Welche Vorteile bietet ein Büro gegenüber dem Homeoffice?
Seit der Pandemie habe ich viel darüber nachgedacht, was ein Büro leisten kann, was unser Zuhause nicht kann. Für mich ist es vor allem ein „meeting place of minds“ – ein Ort, an dem Menschen physisch zusammenkommen. Vieles können wir über Zoom oder Teams erledigen. Aber wir laufen Gefahr, in eine Effizienzfalle zu geraten, in der alle nur noch auf ihre Bildschirme schauen. Das ist nicht besonders gut für die menschliche Verbindung.
Wie wirkt sich das auf die Gestaltung von Büros aus?
Weil heute unterschiedlich viele Menschen ins Büro kommen und dort ganz unterschiedliche Dinge tun, müssen sich auch die Räume verändern können. Wände umzubauen ist teuer und wenig nachhaltig. Möbel dagegen können bewegt werden, Raumteiler ihre Position verändern und einzelne Elemente mehrere Funktionen übernehmen. Genau darin liegt das Potenzial modularer Gestaltung.
Trotzdem werden Büros häufig schon nach wenigen Jahren erneuert. Wer treibt diese kurzen Zyklen an – und wie lässt sich der Wunsch nach Neuem mit Langlebigkeit vereinbaren?
Ein bisschen tun wir das alle. Wir mögen neue, glänzende Dinge. Und natürlich gibt es wirtschaftliche Interessen. Immobilienentwickler wollen eine Fläche für neue Mieter attraktiv machen, geben ihr einen neuen Look, machen sie „sexy“ und können anschließend vielleicht eine höhere Miete verlangen. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Veränderung verständlich. Der entscheidende Punkt ist für mich die Identität eines Raums. Wenn über Jahre dieselben Möbel, Farben und Leuchten vorhanden sind, möchte man irgendwann etwas Neues sehen. Dafür muss man aber nicht alles ersetzen. Vielleicht lässt sich ein Sofa neu beziehen oder bei einem Schrank nur die Tür austauschen. Schon kleine Veränderungen können ein Gefühl von Frische erzeugen.
Könnten Reparatur und Wiederverwendung dabei sogar Teil einer neuen Vorstellung von Luxus werden?
Absolut. Luxus hat viel mit Knappheit zu tun. Deshalb finde ich die Vorstellung interessant, dass es ein Luxus sein kann, Objekte zu besitzen, die lange halten und sich reparieren lassen. Ich habe selbst Vintage-Möbel aus den Sechzigerjahren, die ich restauriert habe. Wenn ein Möbel gut konstruiert und produziert wurde, kann man es reparieren und wieder frisch wirken lassen. Bei schlecht hergestellten Produkten funktioniert das häufig nicht. Es gibt inzwischen Premiummarken mit Rücknahmeprogrammen, auch wenn das in größerem Maßstab logistisch anspruchsvoll ist. Ich würde gerne sehen, dass sich mehr Unternehmen ernsthaft damit beschäftigen. Solche Angebote dürfen nicht nur eine PR-Geschichte sein. Reparieren und Weiterverwenden müssen zu einem normalen Umgang mit Möbeln werden.
String Furniture scheint dieses Prinzip exemplarisch zu verkörpern. Viele Menschen besitzen ein String-Regal über Jahrzehnte, bauen es um oder lagern Teile ein. Wie schafft man ein Möbel, von dem sich Menschen offenbar nicht trennen wollen?
Der Klassiker-Status ist etwas, das man sich verdienen muss. Ich glaube nicht, dass man ihn gezielt entwerfen kann. Beim String System kommen verschiedene Dinge zusammen: Funktionalität, Einfachheit, Flexibilität und Langlebigkeit. Dazu kommt eine gewisse schwedische Leichtigkeit.
Was meinen Sie damit?
Das String System versucht nicht angestrengt, etwas Besonderes zu sein. Es ist clever, ohne kompliziert zu sein. Die Intelligenz liegt gerade in seiner Einfachheit. Und es ist eher ein Rahmen als ein fertiges Statement. Menschen beginnen vielleicht mit einer kleinen Konfiguration. Dann verändert sich ihr Leben, sie ziehen um oder das Büro wechselt den Standort. Sie konfigurieren das System neu und verwenden es weiter. Dadurch findet dieser Rahmen immer wieder einen Platz im Leben der Menschen.
Das System wurde 1949 entwickelt. Warum funktioniert diese Idee mehr als 75 Jahre später noch immer?
Nisse Strinning war in gewisser Weise ein Revolutionär. Denken Sie nur an die Seitenteile. Statt massiver Platten aus Holz oder Metall verwendete er eine offene Konstruktion aus Draht: für sich genommen fragil, aber im Zusammenspiel aller Komponenten entsteht enorme Stabilität. Dahinter steckt ein sehr kluges industrielles Denken, das damals völlig neu war. Ich glaube nicht, dass Strinning dachte: Das wird einmal ein Klassiker. Das System war zunächst eine relevante Antwort auf die Fragen seiner Zeit. Und weil diese Idee über einen so langen Zeitraum relevant geblieben ist, konnte daraus ein Klassiker werden. Für uns besteht natürlich die Gefahr, in eine Art Museumsdenken zu geraten. Wir respektieren unser Erbe sehr, aber wir wollen nicht seine Gefangenen sein. Entscheidend ist nicht, dass das System 1949 entworfen wurde, sondern dass es im zeitgenössischen Leben weiterhin funktioniert.
Mit Center Center haben Sie diese Prinzipien auf heutige Arbeitswelten übertragen. Wie gelingt das, ohne das historische System einfach zu kopieren?
Ein neues Produkt muss nicht wie das String System aussehen. Aber es muss seine Prinzipien verkörpern. Ich sage häufig: Es muss sich wie String lesen. Form Us With Love hatte Center Center ursprünglich für das eigene Büro entwickelt. Sie waren in einen komplett offenen Raum ohne Wände gezogen und fanden diese Freiheit zunächst großartig. Dann merkten sie, dass sie doch Raumteiler, Stauraum und Arbeitsflächen benötigten. Ihr Entwurf umfasste zunächst 27 unterschiedliche Größen. Gemeinsam haben wir das System auf sechs Größen und acht Farben reduziert. Die Elemente lassen sich sehr unterschiedlich kombinieren. Genau darin liegt eine Denkweise, die String ähnlich ist – obwohl Center Center 75 Jahre später entstanden ist.
Als Chief Marketing Officer sollen Sie neue Produkte verkaufen und zugleich für Langlebigkeit werben. Ist das kein Widerspruch?
Ich verstehe den Gedanken, sehe darin aber nicht zwangsläufig einen Widerspruch. Es gibt noch sehr viele Menschen, die String gerade erst entdecken. Und wer bereits ein System besitzt, kauft häufig nicht etwas Neues, um das Alte zu ersetzen, sondern erweitert es. Für mich ist es ein Privileg, eine Marke zu vertreten, deren Produkte tatsächlich langlebig sind. Das macht meine Arbeit einfacher, weil ich mit einer authentischen Stimme sprechen kann. Ich muss nichts erfinden oder so tun, als wären wir etwas anderes.
Visuelle Trends sind durch Social Media enorm schnell geworden. Wie geht String Furniture damit um?
Natürlich werden wir von Trends beeinflusst. Eine Traditionsmarke muss sich mit der Gegenwart verbinden, sonst landet man, wie gesagt, im Museum. Gleichzeitig besteht bei etablierten Marken die Gefahr, sehr selbstgefällig und ernst zu werden. String Furniture ist das nicht. Wir sind stolz darauf, eine Designikone zu sein. Aber wir müssen uns nicht wie eine benehmen.
Welche Entwicklungen beobachten Sie jenseits der schnellen digitalen Trends?
Besonders interessant finde ich gerade die Bewegung zurück zum Analogen. Überall entstehen Buchclubs. Bücher und Literatur bekommen fast etwas Konterrevolutionäres. String entwickelt sich dadurch teilweise wieder vom Regal, auf dem Objekte ausgestellt werden, zum tatsächlichen Bücherregal. Menschen zeigen wieder, was sie lesen. Neulich saß ich in einem kleinen Café bei mir um die Ecke. Die Leute spielten Backgammon und Karten und unterhielten sich. Niemand schaute auf sein Smartphone. Ich dachte: Fantastisch! Es gibt also auch Trends, die nicht digital oder KI-getrieben sind, sondern bei denen es um sozialen Austausch und menschliche Verbindung geht.
Was bedeutet das für die Bildsprache von String Furniture?
Es beeinflusst unsere Kommunikation. Wir fotografieren mit echten Produkten, echten Stylisten und an echten Orten. Ich mag es, wenn in der Innenarchitektur nicht alles hundertprozentig perfekt ist. Etwas darf aus der Reihe fallen und Neugier erzeugen. Wir wollen die Marke menschlich halten. Letztlich geht es immer wieder um soziale Verbindung und um das Gefühl von Zugehörigkeit.
String Furniture
Das schwedische Designunternehmen String Furniture bietet modulare Einrichtungslösungen für Wohn- und Objektbereiche – von modernen Klassikern wie String System und Pira G2 bis hin zu neuen Entwürfen wie Center Center, Relief, Works und Museum. Zeitloses Design, hergestellt in Schweden aus nachhaltigen Materialien.
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