Menschen

„Farbe ist nicht immer bunt“

Interview mit der Farbdesignerin Melanie Hövermann von Klöber

Die Farbdesignerin Melanie Hövermann leitet seit Januar 2026 die Marketingabteilung beim Sitzmöbelhersteller Klöber. Sie berät außerdem Bauherr*innen und Architekt*innen zum Einsatz von Farben und weiß: Ein gutes Farbkonzept muss richtig sein und nicht jedem gefallen.

von Judith Jenner, 24.06.2026

In Sachen Farben sind Sie eine echte Expertin. Wie sind Sie zu dem Thema gekommen?
Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Psychologie studieren. Eher zufällig bin ich dann auf Farbdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim gekommen, weil bei diesem Studiengang auch Farbpsychologie auf dem Lehrplan stand. Das fand ich total spannend, denn kunstaffin war ich schon immer. Nach dem Studium habe ich mich dann selbständig gemacht und zu Innenarchitektur, Fassadengestaltung und Produktdesign beraten. Auf diesem Weg bin ich dann zur Materialbank ehemals raumprobe Stuttgart gekommen, bevor ich zu Klöber ins Marketing gewechselt bin.

Inwiefern beeinflusst Farbe die Raumwirkung?
Farbe hat einen massiven Einfluss auf uns, den wir, wenn es gut gemacht ist, überhaupt nicht bewusst wahrnehmen. Denn eingesetzte Farben sind nicht immer gleich bunt. Gerade im Shop-Design und in der Innenarchitektur lassen sich Menschen unbewusst durch Farbe steuern. Idealerweise unterstützt die Farbgebung die Raumfunktion und somit unsere Arbeit. Oft wird dabei die Wirkung der Decke unterschätzt. Sie muss nicht weiß sein, um einen Raum größer wirken zu lassen. Auch eine schwarze Decken drückt nicht jeden Raum, ganz im Gegenteil: Richtig eingesetzt, kann sie den Raum sogar öffnen  Lieblingsfarben sind auch keine Garantie für richtiges Farbdesign. Meine persönlichen Vorlieben stelle ich da genauso hinten an. Trends, die beispielsweise durch die Pantone Color of the Year gesetzt werden, setze ich nur behutsam ein, denn bei der Farbgestaltung steht die Aufgabenstellung und der Kontext im Vordergrund. Gegenüber Bauherren und Architekten plädiere ich bei Unsicherheiten gerne fürs Ausprobieren: Eine Wand lässt sich schnell überstreichen, wenn sie nicht gefällt. Je öfter wir uns trauen, Dinge zu machen, die nicht gelernt sind, umso größer wird die Akzeptanz.

Wie lässt sich die Corporate Identity eines Unternehmens berücksichtigen?
Eine CI wird immer entwickelt, um ein Unternehmen wiederzuerkennen. Häufig spielt dabei die Innenarchitektur keine Rolle. Sie dient dennoch oft als Argument bei der Bürogestaltung, die nicht immer die beste Wahl für ein gelungenes Konzept ist. Denn wer zum Beispiel den ganzen Tag auf eine rote Wand hinter dem PC schaut, dessen Augen ermüden schnell. Das Gleiche gilt übrigens für reinweiße Wände. Schon eine leichte Cremenuance wirkt deutlich entspannender. Ist die CI Farbe eine Bedingung für die Gestaltung im Innenraum, empfehle ich, die häufig stark gesättigten Farbtöne nur reduziert einzusetzen. Als Infografik oder in Durchgangsbereichen ist die Wiedererkennung ebenfalls gegeben und lässt sich besser in eine abgestimmte Gestaltung integrieren.

Die Edition Simply Taupe von Klöber ist sehr dezent. Was zeichnet sie in Ihren Augen aus?
Klöber ist immer bestrebt, Stühle zu entwickeln, die eine Beständigkeit haben. Dafür sollten  Farbe und Material keinen kurzweiligen Trends unterliegen. Wir müssen langfristiger denken. Eine weitere Anforderung war, dass sich die Edition vielseitig einsetzen lässt und eine bestehende Gestaltung aufwertet. Unsere Stühle kommen ja in einen Kontext. Wir von Klöber können häufig gar nicht beeinflussen, ob der Boden, die Möbel oder die Wand zu unserem Stuhl passen. Der Anspruch lautet, einen Farbton zu finden, der sich in viele unterschiedliche Umgebungen einfügt und gleichzeitig den Stil aufrechterhält. Mit Simply Taupe haben wir eine Farbe gewählt, die zwar warmtonig ist, aber durch den Grauanteil eben auch nicht zu warm wirkt. Dieses angegraute Beige-Creme ist sehr wichtig, damit wir auch dunkle Farben auffangen können. Und das funktioniert ziemlich gut.

Wie harmonieren die Stühle der Kollektion untereinander?
Alle vier Stühle der Edition Simply Taupe haben den gleichen Farbton, wenn auch in unterschiedlicher Materialität. So lassen sie sich gut kombinieren. Uns war wichtig, dass es für die verschiedenen, ineinander übergehenden Arbeitsbereiche in den Büros eine passende Lösung gibt. Das heißt, ich habe manchmal in meiner Sichtachse einen klassischen Bürodrehstuhl wie den Connex und direkt gegenüber eine Situation, in der ich es ein bisschen agiler, ein bisschen wendiger brauche. Und da ist dann beispielsweise der CoMeet Work platziert. So entsteht eine raumübergreifende Klammer.

Die neue Farbvariante des Connex Signature wurde gerade in der Farbe Stone Grey gelauncht. Wie verhält sich dieser Farbton zur Simply Taupe-Edition?

Bei den beiden Editionen ist der Grauanteil das verbindende Element. Wenn beide Modelle nebeneinanderstehen, sieht man das auf einen Blick. Dabei fällt auf, dass die Simply Taupe-Variante die ist, die sich edel und leicht in einen Raum einfügt. Der Stone Grey hingegen steht markant und lässig mit Fokus auf sein Design im Raum.

Klöber wurde 1935 von Margarete Klöber gegründet und identifiziert sich stark mit seiner Geschichte. Wie wichtig ist dieses Erbe heute noch im Hinblick auf Farbkonzepte?
Die Geschichte von Klöber begann mit einem klassischen Holzstuhl seiner Zeit. Ein Stuhl, ein Farbton. Erst mit Einführung des CoMeets ist eine Farbkollektion in den Standard gegangen. Fünf abgestimmte Farbtöne plus Schwarz und Weiß stehen zur Auswahl. Die Farben sind hinsichtlich der Helligkeit und Farbsättigung untereinander abgestimmt und nehmen Bezug auf den Standort des Unternehmens am Bodensee.

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„The art of sitting“ bedeutet für uns, gesundes Sitzen und Ästhetik verantwortungsvoll miteinander zu vereinen. Unser Ziel: sich bei der Arbeit wohlzufühlen. Bereits 1935 präsentierte Margarete Klöber mit dem gefederten Gesundheitsstuhl „Polstergleich“ den wegweisenden Ansatz für bewegtes Sitzen. Seither ist es unsere Leidenschaft, das Sitzen zu perfektionieren.

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