Menschen

Gewebte Vielfalt

Ein Gespräch mit Marius Myking von Snøhetta über generatives Teppichdesign

Algorithmus statt Skizze: Die neue Teppichkollektion „Matter“ von Snøhetta und Ege Carpets übersetzt die unregelmäßige Schönheit der Natur in Teppiche. Im Interview erklärt Marius Myking, Director of Product Design bei Snøhetta, wie man mit Code-Variation Atmosphäre und Langlebigkeit gestaltet.

von Lilian Ingenkamp, 24.04.2026

Was passiert, wenn ein Architekturbüro mit einem Teppichhersteller zusammenarbeitet – und der Entwurf nicht mit einer Skizze, sondern mit einem Code beginnt? Genau so ist die Kollektion Matter entstanden. Entwickelt wurde sie von Snøhetta gemeinsam mit Ege Carpets. Ausgangspunkt war eine Beobachtung aus der Natur. Oberflächen sind dort nie gleichmäßig, sondern von feinen Unterschieden und Nuancen geprägt, die sich zu einem größeren Ganzen fügen. Daraus entwickelte das norwegische Design- und Architekturstudio die Schlüsselidee zur Teppichkollektion Matter. Mit digitalen Methoden lässt sich heute wieder aufgreifen, was die Natur seit jeher vormacht: Unterschiedlichkeit.

Dafür nutzte Snøhetta algorithmische Verfahren, die helfen, Variation zu erzeugen, ohne beliebig zu wirken. Die Teppiche erscheinen ruhig, aber nicht monoton. Präzise, aber nicht starr. Sie sollen Räume nicht dominieren, sondern unterstützen. Im Interview erklärt Marius Myking, Director of Product Design bei Snøhetta, warum Zufälligkeit im Entwurf wichtig sein kann – und weshalb ein Teppich mehr ist als bloße Oberfläche.

Warum haben Sie Algorithmen eingesetzt, um die Muster der Kollektion Matter zu entwickeln?
Wir wollten verstehen, wie sich der Reichtum der Natur sinnvoll in eine Teppichkollektion übersetzen lässt. Ausgangspunkt war die natürliche Unregelmäßigkeit der Natur. Was zufällig erscheint, ist oft hoch funktional. Im Gegensatz dazu ist Wiederholung eine der größten Begrenzungen sowohl in maschineller als auch in handwerklicher Produktion. Wir systematisieren, wiederholen und standardisieren fast automatisch. Hier wurde der algorithmische Ansatz wichtig: Wir haben einen Code genutzt, um Strukturen zu schaffen, die Variation einführen – so, dass sie der Natur näher kommen. Die Absicht war nicht, Zufälligkeit um ihrer selbst willen zu erzeugen, sondern gewebte Oberflächen zu schaffen, die geordnet sind, ohne vorhersehbar zu werden.

Welche Rolle kann generatives Design künftig bei der Wahrnehmung und Gestaltung von Räumen einnehmen?
Wir sehen bereits, dass generative Werkzeuge über Planung, Layout und Optimierung in den Markt kommen. Und ich denke, dieses Spektrum wird schnell weiter wachsen. Was mich jedoch am meisten interessiert, ist nicht allein Effizienz. Ich hoffe, dass diese Werkzeuge mehr Spielraum ermöglichen, bestehende Annahmen zu hinterfragen und Hindernisse durch Zeitdruck, Produktionsbedingungen oder Routine zu überwinden. Im räumlichen Entwurf können schon sehr kleine Verschiebungen in Textur, Rhythmus, Dichte oder Farbe einen starken Einfluss darauf haben, wie ein Ort wahrgenommen wird. Generative Methoden helfen uns, mit dieser Ebene von Nuancen präziser zu arbeiten. Richtig eingesetzt sollten sie den menschlichen Faktor im kreativen Arbeiten nicht ersetzen, sondern erweitern.

Wie kann ein Matter-Teppich zur Atmosphäre eines Raums beitragen?
Er soll Innenarchitekten helfen, Räume vielschichtig und stimmig zu gestalten. Was Matter bietet, ist Komplexität ohne visuelle Unruhe. Er kann eine Oberfläche aktivieren und ihr Tiefe geben, ohne den Raum zu dominieren. Wir wollten etwas schaffen, das Atmosphäre, Orientierung und materiellen Reichtum in einem Raum leise stärken kann.

Welchen Einfluss hat die Materialwahl auf die räumliche Wirkung eines Teppichs?
Die Materialwahl beeinflusst immer, wie ein Teppich erlebt wird. Sie verändert nicht nur die visuelle Tiefe der Oberfläche, sondern auch die taktile Qualität, die Art und Weise, wie Licht absorbiert oder reflektiert wird, und das allgemeine Gefühl von Wärme oder Ruhe in einem Raum. Bei einem Projekt wie Matter ist Materialität auch untrennbar mit Langlebigkeit verbunden. Ein Teppich muss über lange Zeit funktionieren, sowohl technisch als auch emotional. Die Ambition ist also nicht nur, etwas visuell Überzeugendes zu schaffen, sondern auch etwas, das dauerhaft genug ist, um im Alltag bedeutungsvoll zu bleiben.

Was entsteht, wenn architektonisches Denken und industrielle Produktion zusammenarbeiten?
Die Herausforderung bei solchen Kooperationen besteht immer darin, die ursprüngliche Ambition zu schützen und gleichzeitig offen zu bleiben für das, was Produktion, Technologie und Materialwissen zurückgeben können. Aber genau darin liegt auch die Chance. Wenn architektonisches Denken und industrielle Expertise in einen echten Dialog treten, kann das zu Lösungen führen, auf die keine Seite allein gekommen wäre. Matter ist sehr stark das Ergebnis eines solchen gemeinsamen Prozesses.

Wie sehen Sie die Zukunft des Interiordesigns mit digitalen und generativen Prozessen – besonders in Bezug auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit?
Ich glaube, solche Prozesse werden deutlich verbreiteter. Ihr Wert hängt aber davon ab, wie wir sie einsetzen. Für mich liegt das Potenzial nicht in der bloßen Neuheit, sondern darin, Räume zu schaffen, die reaktionsfähiger, präziser und langfristig beständiger sind. Digitale und generative Werkzeuge können helfen, Abfall zu reduzieren, Materialien effizienter zu nutzen und Produkte zu entwickeln, die über lange Zeit relevant bleiben. Langlebigkeit ist dabei nicht nur technisch, sondern auch kulturell und emotional. Wir müssen Dinge gestalten, die Menschen lange begleiten. Das bleibt eine zutiefst menschliche Aufgabe.

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Ege Carpets

Als Premiumhersteller und Partner internationaler Architektur- und Designoffices steht Ege Carpets für Teppichböden, die Ästhetik, Qualität und Nachhaltigkeit vereinen. Seit 1938 gestaltet das Unternehmen mit Designexpertise und Haltung den Weg von der Vision zur Realisierung – für Räume mit Charakter.

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