Projekte

Das Höhlenhaus

Ferienwohnungen auf Santorini von Kapsimalis Architects

Auf einer malerischen Kykladeninsel verwandelten Kapsimalis Architects ein altes Gebäude und dessen angeschlossene Höhlen in zwei Ferienwohnungen mit schummerigem Spa, geheimem Pool und Vulkanblick. Ein spektakulärer Ort mit subtiler Gestaltung, die zeigt, wie luxuriös Einfachheit sein kann.

von Nina C. Müller, 14.09.2020

Ganze 3.054 Inseln gehören zu Griechenland, wodurch das Land an der Ägäis über 82 Prozent aller Mittelmeereilande verfügt. Wer sich darunter nicht für einen Urlaubsort entscheiden kann, der könnte mit dem Örtchen Firá auf Thira, der Hauptinsel des Santorin-Archipels, gut beraten sein. Die kleine Hafenstadt mit einer Höhenlage von 260 Metern bietet ganz besondere Ausblicke – und zwar auf einen Vulkan.

Höhlenmenschen
Dieses Naturphänomen ist aber nicht nur spannend anzusehen. Er sorgt mit den in den Tuffstein gebauten Höhlenwohnungen auch für ganz besondere architektonische Phänomene. In einem davon, einem Haus aus dem 19. Jahrhundert mit drei angegliederten Höhlen, die einst als Lagerstätte und Eselscheune dienten, realisierten Kapsimalis Architects zwei Ferienwohnungen, die noch immer ganz individuelle Typologien aufweisen.
Allen voran stehen die charakteristischen Tonnengewölbe der Höhlen und die amorphen Deckenformen im Haupthaus. Weitere Besonderheiten der Bauten sind ihre langgezogenen Grundrisse und die zum Außenraum verschlossenen Strukturen. Ziel der Architekten war es, die Gestaltungsmöglichkeiten beider Projekte auszureizen und damit zu experimentieren. Gleichsam aber wollten sie den mystischen Charakter der Architektur und das „Gefühl des natürlichen, unvermeidlichen Verblassens der Zeit“ bewahren.

Kurvige Kontraste
Konkret bedeutet das die Erhaltung der alten inneren und äußeren Hüllen. Mit ihrer einstigen Nutzung haben die heutigen Sommerresidenzen hingegen wenig zu tun. Und auch untereinander gibt es strukturelle wie funktionelle Unterschiede. Beide Wohnungen verfügen über 110 beziehungsweise 120 Quadratmeter Fläche, jeweils zwei Schlafzimmer, Bäder und Gemeinschaftsbereiche. Die Ferienwohnung im einstigen Hauptgebäude bietet einen keilförmigen Garten mit länglichem Pool und einen kleinen Balkon, der über eine Außentreppe erreicht wird. In der anderen Ferienwohnung, die sich über die drei Höhlen erstreckt, siedelten die griechischen Planer einen Hamam an. Er erstreckt sich nach hinten, über die Länge der größten Höhlung. Während hier eine gedämpfte, abgedunkelte Atmosphäre herrscht, sind die Gäste auf der gegenüberliegenden Seite zum Sonnenbaden eingeladen. Allerdings ebenfalls in intimem Rahmen. Auf der ummauerten Terrasse liegt ein geräumiger Loungebereich mit einem kleinen Gewölbebad. Den Essbereich erreichen die Bewohner über eine außenliegende Treppe, von der sie den Vulkan bestaunen können.

Mit kubischen Volumen und strahlend weißen Wänden folgt die Architektur noch immer dem traditionell griechischen Stil. Im Kontrast dazu stehen beide Innenarchitekturen. In den Höhlen dominiert eine „skulpturale, primitive Natur“. Sie wurden einheitlich mit Zementmörtel ausgekleidet und die Farbgestaltung Ton in Ton gehalten. Dadurch würden die Kurven und die zufälligen Formen der Höhle hervorgehoben und ein kontinuierliches Raumerlebnis geschaffen, sagen die Architekten.

Totale Synthese
Ähnliche Prinzipien gelten im Haupthaus, in dem die Geometrie der Gewölbedecken ebenfalls ihre ursprüngliche Form behält. Die inneren Wände überzogen die Architekten mit Lehm, der mit kleinen, eingerührten Steinen etwas dunkler und rauer wirkt als der Mörtel der Höhlen. Auf den Böden verlegten die Architekten lokale, quadratische Steine, die eigentlich in Kirchen und neoklassizistischen Wohnhäusern verwendet werden. Dazu gesellen sich Möbel aus Eiche und dunklem Holz, die zum Teil von örtlichen Handwerkern gefertigt wurden.

„Die Idee hinter diesem Entwurf war ein natürlicher, rustikaler Raum, nicht aber eine Nachahmung oder Konservierung des vergangenen Lebens“, sagen die Planer. So stellten sie den alten Mauern mit formreduziertem Mobiliar, schwarzem Leder und Neonlicht zeitgemäße Entwürfe entgegen, die sich dennoch unauffällig integrieren. Sogar die Einbaumöbel der Küche passten sie den organischen Formen an und sorgten so für ein harmonisch-natürliches Gesamtbild. Nur hier und da blitzt ein blasses Rosé, ein dekoratives Glas­ge­fäß oder ein goldglänzendes Messingobjekt auf. Auf diese Weise ordnet sich die Ausstattung der Architektur unter und bildet, um es in den Worten der Architekten zu sagen, eine „totale Synthese“.

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