Projekte

Das Prototyp-Büro

Die neuen Räume des Bureau Borsche in München

Das Büro von heute muss vor allem der Anforderung „Anpassungsfähigkeit“ gerecht werden und modulare Lösungen bieten, die sich schnell und einfach auf veränderte Nutzungen und Nutzer einstellen. Der Münchener Grafiker Mirko Borsche ist in neue Arbeitsräume gezogen, für die Gonzalez Haase AAS die architektonische Ausgestaltung übernommen haben. Parallel entstand eine Kooperation mit dem Designer Stefan Diez und dem Möbelproduzenten Wagner Living, die aus den prototypischen Lösungen von Gonzalez Haase AAS nun ein flexibles Möbelsystem entwickeln. Das Studio ist Schauraum und Labor für die hochflexible Nullserie.

von Tanja Pabelick, 28.10.2020

Von der klassischen Altbaufassade ist im Innern des neuen Büros von Mirko Borsche nicht mehr viel zu erahnen. Von der Profession des Grafikers schon. Noch unbezogen zeigt es nicht mehr Farbe und Material als gebürstetes Aluminium, transluzentes Polycarbonat und Betonplatten im Terrazzo-Look. Das Spektrum nimmt sich in Nuancen von Weiß bis Grau zurück und sorgt mit einem fließenden und ätherischen Interieur für verschwimmende Raumgrenzen, in denen die großen Möbelelemente von Wagner, Diez und Gonzalez Haase AAS zu Monolithen werden.

Das Kreativenquartett
Als Mirko Borsche die Räume in der Paul-Heyse-Straße entdeckte, war hier noch ein Kebab-Restaurant untergebracht. Die fantastische Lage unweit des Karlsplatzes und des Hauptbahnhofes sowie das Potenzial der 315 Quadratmeter im Erdgeschoss ermutigten, die Entkernung zu wagen. Gerade zu dieser Zeit arbeitete das Bureau Borsche an der Webseite des Berliner Architekturbüros Gonzalez Haase AAS, das wiederum mit dem Produktdesigner Stefan Diez und dem Unternehmen Wagner an einem innovativen und anpassungsfähigen Möbelsystem für moderne Arbeitsumgebungen forschte. Aus dem Kreativenquartett entstand eine kongeniale Kooperation, in der die individuellen Kompetenzen ausgespielt und Borsches Büro zur ersten Fallstudie wurde.

Ein Büro mit drei Funktionen
Die Räume in Vorder- und Hinterhaus wurden in kollaborative, individuelle und reflektive Bereiche aufgeteilt. Im Gemeinschaftsraum wird im Team gearbeitet, die Rückzugsräume lassen sich kontemplativ nutzen und das Archiv dient der Inspiration. Die Lösung der Architekten sieht einen Arbeitsraum im hinteren Bereich des Büros vor, einen Showroom im vorderen Gebäudeteil und den Keller als Lager der Sammlung. Das Untergeschoss erfüllt dabei auch eine erschließende Funktion, denn es dient als Verbinder zwischen dem halböffentlichen Bereich zur Fassade und der privaten Zone im Hinterhaus. Was nach der Entkernung noch auf die historische Bausubstanz schließen ließ, wie Säulen, Stahlträger und die Backsteinmauer, wurde Papyrusweiß gestrichen und so zur Leinwand für die neuen Elemente und Materialien. Gonzalez Haase AAS setzte vor allem auf eine kühle und klare Ästhetik. Der Boden besteht aus großformatigen, quadratischen Terrazzo-Betonfliesen mit 60 Zentimetern Seitenlänge, die im Showroom auch als Wandpaneele verbaut sind.

Vom Flugzeug an den Tisch
Die Idee einer massiven und doch ätherischen Architektursprache mit homogener Wirkung setzt sich bei dem mit Wagner entwickelten Möbelsystem fort. Aus Aluminiumprofilen, Verbindern aus hochglanzpoliertem, massivem Aluminium und Wabenplatten werden Tische, Regale und Raumteiler zusammengestellt, wobei eine industrielle und rohe Ästhetik beibehalten wird. Die Platten zeigen sich mit offenen Kanten, die Verbinder bleiben unlackiert. Gemeinsam wirkt alles wie aus einem Guss. Was das hochflexible Baukastensystem auch in Bezug auf Größe und Dimension leisten kann, zeigt der neun Meter lange Arbeitstisch, der zwischen den Säulen beinahe sakral den Raum dominiert. Sein Format steht im Gegensatz zum Gewicht: Die industriellen Aluminiumplatten stammen aus dem auf Leichtigkeit ausgerichteten Flugzeugbau.

Transluzente Grenzen
Das Mobiliar strukturiert die offenen und weiten Räume. Ein wandhohes Regal, das rückseitig mit durchscheinenden Polycarbonatplatten verkleidet wurde, trennt unterschiedliche Arbeitsbereiche, ein silberner Gerüstvorhang lässt sich situativ zwischen Lounge und Schreibtische ziehen. Die Beleuchtung basiert auf LED-Lichtbändern, erinnert an die funktional-linearen Lichtlösungen einer Galerie und sorgt für ein fließendes Raumgefühl. Bei der Bestuhlung haben Mirko Borsche und Gonzalez Haase AAS auf einen jungen Klassiker aus dem Wagner-Portfolio gesetzt: Das von Stefan Diez entwickelte Modell D1 ist an seinem rot abgesetzten Dondola-Gelenk zu erkennen, das nicht nur für ergonomische Bewegungsabläufe sorgt, sondern im weißgrauen Interieur von Borsche kleine Akzente setzt. Dabei ist das prototypische Studioprojekt von Mirko Borsche für Wagner nur das erste Spielfeld, das zwar die Potenziale des Baukastensystems räumlich voll ausnutzt, aber noch nicht die gestalterischen. Denn die Paneele würden sich beispielsweise auch individuell bedrucken lassen – und damit sind auch farblich der zeitgenössischen Büroplanung keine Grenzen gesetzt.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Stefan Diez

Zum Profil

Gonzalez Haase AAS

Zum Profil

Bureau Borsche

www.bureauborsche.com

Wagner Living

www.wagner-living.de

Mehr Projekte

Im Universum des Rudolf S.

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur

Atmosphärische Arbeitswelten

2000-2020: Best-of Büros

2000-2020: Best-of Büros

Londoner Arbeitslaube

Minibüro von Boano Prišmontas

Minibüro von Boano Prišmontas

Kreative Raumreise

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio

Arbeiten im Schneckenhaus

Studio 11 gestaltete ein Start-up-Büro in Minsk

Studio 11 gestaltete ein Start-up-Büro in Minsk

Im Office-Dschungel

Weiss-heiten gestaltet The-Office-Group-Dependance in Berlin

Weiss-heiten gestaltet The-Office-Group-Dependance in Berlin

Eine Bühne für den Austausch

Flexibler Multifunktionsraum von Delordinaire in Paris

Flexibler Multifunktionsraum von Delordinaire in Paris

Geometrie und Abenteuer

Indoor-Spielplatz in Brooklyn von Architensions

Indoor-Spielplatz in Brooklyn von Architensions

New Work in New York

Umbau eines Industriedenkmals von CIVILIVN

Umbau eines Industriedenkmals von CIVILIVN

Arbeiten auf dem Sonnendeck

Büroräume einer Berliner Agentur von Gustav Düsing

Büroräume einer Berliner Agentur von Gustav Düsing

Berliner Holz-Beton-Hybrid

Lichtdurchflutete Remise von Jan Wiese Architekten

Lichtdurchflutete Remise von Jan Wiese Architekten

Geschichte im Farbbad

Umbau eines Prachtbaus in Amsterdam von i29 und MATH architecten

Umbau eines Prachtbaus in Amsterdam von i29 und MATH architecten

Das Büro als Spielwiese

Inspirierende Arbeitswelt von Studio Aisslinger

Inspirierende Arbeitswelt von Studio Aisslinger

Stiller Brutalismus

Headquarter der Lichtmanufaktur PSLab von JamesPlumb in London

Headquarter der Lichtmanufaktur PSLab von JamesPlumb in London

Das Büro als Boudoir

Agenturräume in London von Daytrip

Agenturräume in London von Daytrip

Spielerisches Experimentierfeld

Variabler Co-Working-Space von LXSY Architekten in Berlin

Variabler Co-Working-Space von LXSY Architekten in Berlin

New Work als Raumkonzept

Transparentes Office von Ply Atelier in Hamburg

Transparentes Office von Ply Atelier in Hamburg

Bunter Brutalismus

Büroausbau von Artem Trigubchak und Lera Brumina

Büroausbau von Artem Trigubchak und Lera Brumina

Funktionale Grenzgänger

Der Co-Working-Space von brandherm + krumrey in Berlin setzt auf Gemütlichkeit

Der Co-Working-Space von brandherm + krumrey in Berlin setzt auf Gemütlichkeit

Büro zum Wohnen

Die Räume des Architekturbüros SJB in Sydney gleichen einer Wohnung

Die Räume des Architekturbüros SJB in Sydney gleichen einer Wohnung

Abgetaucht

Coworking in Warschau von Beza Project

Coworking in Warschau von Beza Project

Gemeinsam lernen

Sarit Shani Hay entwirft die erste öffentliche Integrationsschule in Tel Aviv

Sarit Shani Hay entwirft die erste öffentliche Integrationsschule in Tel Aviv

Arbeiten im Aggregatzustand

Waterfrom bringt Industriegeschichte in Zylinderform

Waterfrom bringt Industriegeschichte in Zylinderform

Helden des Homeoffice

Coperni und USM zeigen eine Ausstellung über die Heimarbeit

Coperni und USM zeigen eine Ausstellung über die Heimarbeit

Meister der Zeit

Die Geschäftsräume der Uhrenmanufaktur Montres Valgine, umgesetzt von Girsberger

Die Geschäftsräume der Uhrenmanufaktur Montres Valgine, umgesetzt von Girsberger

Im Raster

Hochschulbibliothek im Stil des White Cube von Andreas Schüring

Hochschulbibliothek im Stil des White Cube von Andreas Schüring

Kreative unter Palmen

Ein Inkubator in Barcelona von Arquitectura-G

Ein Inkubator in Barcelona von Arquitectura-G

Kreative Symbiose

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

Büro mit Humor

Die Kreativagentur Banda setzt auf eine Architektur mit Augenzwinkern

Die Kreativagentur Banda setzt auf eine Architektur mit Augenzwinkern

Co-Working im Container

Die Architekten von Toop entwickelten ein Konzept für Minibüros im Schiffscontainer

Die Architekten von Toop entwickelten ein Konzept für Minibüros im Schiffscontainer