Die Relativität der Fläche
Wie eine australische Familie ihre Wohnung nach japanischem Vorbild verwandeln ließ.
Australier haben mit durchschnittlich 214 Quadratmetern weltweit die größten Eigenheime. Wer im Land der grenzenlosen Weite über wenig Wohnraum verfügt, sucht also lieber woanders nach Inspiration. Wie ein junges Paar aus Melbourne, das seine 75 Quadratmeter große Zweiraumwohnung in einem denkmalgeschützten Innenstadtgebäude familientauglich umgestalten wollte. Für sie lohnte sich ein Blick nach Japan – dem Mutterland der Mini-Architektur.
Das Hauptproblem der werdenden Eltern war nicht in erster Linie die relativ geringe Quadratmeterzahl ihrer Wohnung, sondern deren Aufteilung. Sie genossen zwar einen großzügigen Wohn-Essbereich mit offener Küche, hatten jedoch nur ein einziges Schlafzimmer. Nach einer intensiven Recherche wandten sie sich schließlich an das Architekturbüro von Clare Cousins. „Die Bauherren hatten eine sehr präzise Vorstellung der Ästhetik, die sie erreichen wollten“, erklärt Cousins. „Sie zeigten uns eine umfangreiche Bildersammlung mit Ansichten des Mountain House von Atelier Bow-Wow und vielen anderen Beispielen japanischer Architekten, die kleinen Raum auf unkonventionelle Weise nutzen.“
Aus eins mach zwei
Erste Maßnahme der Architekten war die Unterteilung des bestehenden Schlafzimmers in zwei aus Kiefernsperrholz gefertigte Boxen, die jeweils als Mikro-Schlafzimmer für Kind und Eltern dienen. Das zwei Meter breite Kinderzimmer orientiert sich an den Maßen eines Einzelbettes, während das angrenzende Zimmer der Eltern aus einem hölzernen Podest mit Doppelmatratze besteht. Schiebetüren öffnen den kleinen Raum zum Wohnbereich, wo die Stufen des Podestes eine zusätzliche Sitzmöglichkeit bieten. „Bei einer Fläche von gerade einmal 25 Quadratmetern pro Person versuchten wir die Schlafräume möglichst klein zu halten, um der Familie ein Maximum an Gemeinschaftsfläche zu ermöglichen“, so die Projektarchitektin.
Jeder Winkel wird genutzt
Wo einst eine Wand das ehemalige Schlafzimmer vom Eingangsbereich trennte, stellen nun deckenhohe Schrank- und Regalwände aus Kiefernsperrholz von beiden Seiten zugänglichen Stauraum zur Verfügung. Direkt über dem Eingang – zwischen Badezimmer und Kinderzimmer – fungiert eine neue Galerieebene wahlweise als Gästebett oder als weitere Ablage. Eine Nische neben dem Badezimmer verwandelten die Architekten in einen kleinen Arbeitsplatz mit integriertem Regal.
Die Relativität der Fläche
Die konsequente Verwendung hellen Sperrholzes für die Schrank- und Regalwände sowie für die moderne Einbauküche im Wohn-Essbereich schonte nicht nur das knappe Budget der Bauherren. Sie verleiht dem Apartment eine einheitliche, wohnliche Ästhetik, die – getreu dem Bauherrenwunsch – an Projekte wie das Furniture House von Shigeru Ban oder das Mountain House von Atelier Bow-Wow erinnert. Genau wie seine japanischen Vorbilder beweist auch dieser Umbau, dass Raum keine Frage von Fläche ist – und Wohnqualität sich nicht in Quadratmetern messen lässt.
FOTOGRAFIE Lisbeth Grosmann
Lisbeth Grosmann
Projektarchitekten
Clare Cousins Architects
Projektfotografin
Lisbeth Grosmann
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