Katalanische Metamorphose
Ein Meisterwerk des Gaudí-Schülers Francesc Berenguer i Mestres
Partner: bulthaup
In Barcelona ist ein Art-Nouveau-Juwel aus dem Dornröschenschlaf geweckt worden. Die Büros Estudio Vilablanch und TDB Arquitectura haben den Bau eines Gaudí-Schülers nicht nur in neuem Glanz erstrahlen lassen. Sie haben Rückkoppelungen in die Moderne vorgenommen und ihn mit Entwürfen heutigen Datums aufgefrischt.
Es gibt Namen, die verfolgen einen auf Schritt und Tritt. In Barcelona lautet dieser zweifelsohne Antonio Gaudí. Der katalanische Baumeister hat nicht nur selbst zahlreiche Entwürfe in seiner Stadt hinterlassen, sondern gleich mehrere Generation nach ihm beeinflusst. Ein Architekt, der als Assistent für Gaudí gearbeitet hatte und später einer seiner besten Freunde wurde, ist der Katalane Francesc Berenguer i Mestres. In den Jahren 1900 bis 1905 errichtete er die Casa Burés – benannt nach ihrem Bauherrn, dem erfolgreichen spanischen Textilfabrikanten Francesc Burés. Das sechsgeschossige Gebäude mit 7.700 Quadratmeter Nutzfläche steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Nachdem es über mehrere Jahre ungenutzt blieb und Vandalismus ausgesetzt war, ist es aufwändig restauriert und in 26 Wohnungen mit großzügigen Gemeinschaftsräumen transformiert worden.
Geschichtliche Mixtur
Der Umbauprozess wurde von zwei lokal ansässigen Büros geplant: Estudio Vilablanch, das 1999 von Elina Vilá und Agnès Blanch gegründet wurde. Sowie Juan Trias de Bes, der sich unter seinem Bürokürzel TDB Arquitectura einen Namen in der Stadt gemacht hat. In der Belle Etage residierte einst Francesc Burés. Nun wurde das Stockwerk in zwei Wohnungen mit jeweils 500 Quadratmetern Nutzfläche aufgeteilt. Die Mosaikböden und Intarsien sind aufwändig restauriert worden, ebenso wie die bemalten Glasfenster, Wandfresken und Deckenreliefs. Die Räume atmen noch immer die Grandezza seiner Entstehungszeit, als das Repräsentative nicht in wuchtiger Schwere, sondern mit frappierender Leichtigkeit in wundersame Dekore übersetzt worden war.
Die drei darüber liegenden Stockwerke sind in 16 Apartments umgebaut werden. Im Dachgeschoss sind fünf weitere Wohnungen hinzugekommen, die allesamt vermietet werden. Auch hier sind die historischen Dekore restauriert worden. Wo sie verloren gegangen sind, wurde neues Material in einer zurückhaltenden Sprache hinzugefügt, um den zeitlichen Bruch sichtbar zu lassen. „Wir haben weiße Farbe und natürliches Eichenholz verwendet, um uns nicht mit den originalen Ornamenten zu messen, sondern diese vielmehr herauszuheben und einen Kontrast zu erzeugen“, so Elina Vilá und Agnès Blanch. Auch die Küchen folgen dieser Logik. Die Modelle aus der Serie b3 von Bulthaup nehmen sich mit ihrer puristischen Formensprache zurück. Zugleich harmonieren die sandfarbenen oder hellgrauen Fronten mit der Tonalität der Innenräume.
Reminiszenz an Manhattan
Das Erdgeschoss wurde einst für Francesc Burés' Textilfabrikation genutzt und ist nun in drei großzügige Lofts umgebaut worden. Das bestimmende Element sind hier die gusseisernen Träger, die an die New Yorker Industriebauten im Stadtteil Soho denken lassen. Das Ziegelwerk der Wände wurde zum Teil roh belassen, die Böden sind aus Sichtbeton gearbeitet. Hohe Decken und gläserne Trennwände, die von einem gleichmäßigen Raster aus Eisenstäben eingefasst werden, sorgen für einen offenen und weitläufigen Raumeindruck. Im Untergeschoss liegt das kommunikative Zentrum des Hauses, das den Bewohnern der 26 Apartments und ihren Gästen zur Verfügung steht: Ein großzügiger Open Space mit Sichtmauerwerk. Die sich darüber spannenden Tonnengewölbe sind weiß verputzt. Auch diese Räume hatte Francesc Burés für seine Textilproduktion genutzt und auf all jene schmückenden Elemente verzichtet, die in den oberen Stockwerken allgegenwärtig sind.
Kulinarische Gemeinschaft
Den Mittelpunkt des Untergeschosses bildet eine freistehende Küchenwerkbank aus der Serie b2 von Bulthaup, die den industriellen Charakter dieses Ortes betont. Der Entwurf von EOOS Design kann mit verschiedenen Funktionsmodulen bestückt werden. Neben einem Waschtisch, einer Schneide- und Zubereitungsplatte kommen ebenso zwei Kochfelder zum Einsatz. Die aus Edelstahl gefertigte Bank setzt damit einen spannungsvollen Kontrast zum gusseisernen Ofen aus dem 19. Jahrhundert, der als eine zweite Insel mitten im Raum steht und eine atmosphärische Aufgabe übernimmt: Als Schmuckstück und Hingucker, der entfernte Assoziationen an die Eisenbahnwagons des Orientexpress’ erweckt.
Rückkopplung in die Moderne
Die Brücke aus Gegenwart und Vergangenheit wird auch beim Esstisch geschlagen, der Platz für zehn Personen bietet. Das Massivholzmodell Fayland mit seinen markant schräg gestellten Beinen stammt aus der Feder von David Chipperfield und wird vom Unternehmen e15 produziert. An den Tischenden sind zwei Hocker aus derselben Möbelserie platziert. An den Flanken kommt hingegen eine Ikone der Moderne zum Einsatz: Der 1949 von Hans Wegner entworfene Wishbone Chair für den dänischen Hersteller Carl Hansen & Søn. Für die Momente vor oder nach dem Essen geht es auf der Zeitschiene noch ein wenig weiter zurück.
Neben einem Kamin ist eine Gruppe Utrecht Chairs platziert, die 1935 von Gerrit Rietveld entworfen und heute von Cassina produziert werden. Daneben thront ein etwas altmodischer Billardtisch, der mit seinen massiv gedrechselten Beinen wie eine Gegenantwort auf die Moderne wirkt. Leichtfüßiger geht es auf der zum Innenhof ausgerichteten Terrasse weiter, wo mehrere Sessel aus der Kollektion Bay platziert sind, die Doshi Levien für B&B Italia gestaltet haben. Auch sportive Einrichtungen sind im Untergeschoss zu finden, darunter ein Fitness-Bereich mit Laufbändern, die Antonio Citterio für Technogym entworfen hat. Zusätzlich erstreckt sich hier ein Pool über die halbe Länge der Casa Burés, die auf wunderbare Weise zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu oszillieren vermag.
| Entwurf | EstudioVilablanch und TDB Arquitectura |
| Bauherr | - |
| Standort | Barcelona, Spanien |
| Fertigstellung | 2019 |
| Art | Umbau einer historischen Anlage |
| Gesamtfläche | 7.700 Qm |
Innenausbau und Möbel
| Böden | Sichtbeton |
| Wände | Sichtmauerwerk, verputzt |
| Küchen | bulthaup b3, bulthaup b2 |
| Esstisch | Fayland von e15 |
| Stühle | Wishbone Chair von Hans Wegner Fayland von e15 Utrecht Chairs von Cassina |
| Sessel | Bay, B&B Italia |
| Fitness Möbel | Technogym |
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