Projekte

Labyrinth als Spielplatz

Ein Kinderladen im ländlichen Portugal von stu.dere

Viel Licht und jede Menge Platz sind gute Voraussetzungen für ein einladendes Shopkonzept, eine vernachlässigte Bausubstanz weniger. Trotzdem hat das portugiesische Studio stu.dere mit transparenten und transluzenten Wänden aus einem alten Ladengeschäft das Beste herausgeholt: Die Architekten haben ein Labyrinth mit magischen Momenten und gut geplanten Funktionsräumen geschaffen.

von Tanja Pabelick, 26.02.2021

Als die Eigentümer des Shops das Gebäude für ihr Kinderladenkonzept entdeckten, überzeugten sie die großen, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten. Allerdings hatte die Zeit an dem Betongebäude aus der Mitte des letzten Jahrhunderts ihre Spuren hinterlassen. „Es war ein trauriger und leerer Ort“, erzählt Ulisses Costa, der mit seinem Studio stu.dere die Planung des Projektes übernommen hat. Er führt sein Büro nur ein paar Straßen weiter, in Vila Meã, einem kleinen Ort im nördlichen Portugal. Fünfzig Kilometer trennen das Städtchen von Spanien, dreißig Kilometer westlich liegen Porto und der Atlantik. Die Infrastruktur ist zersiedelt, wichtiger als ein Ortskern sind die Landstraßen, an denen sich Restaurants, Tankstellen, aber auch Fitnessstudios und Theater angesiedelt haben. Mittendrin der Kinderladen Morinha, der für die abgeschiedene Lage auf 334 Quadratmetern Fläche eine unerwartet breite Produktpalette anbietet.

Grenzen mit Durchsicht
Zum Planungsstart formulierten die Auftraggeber einen klaren Wunsch: Sie wollten den Shop als Open Space erhalten. Stu.dere allerdings erschien die Idee einer konsequent offenen Fläche zu verschwenderisch. Ihr Rat lautete, den Raum in mehrere Erlebnisbereiche zu unterteilen, durch die Kunden sich wie durch ein Labyrinth bewegen. Ein Konzept, das auch die Kinder als Zielgruppe miteinbezieht. Der Einkauf wird zum Spiel und zur Forschungswanderung, bei der es hinter jeder Abzweigung etwas Neues zu entdecken gibt. Um mit der Zonierung aber keine dunklen Ecken zu schaffen, hat stu.dere ungewöhnliche Materialien für die trennenden Elemente gewählt, die zu physischen  und visuellen Grenzen werden – aber immer das Licht passieren lassen. Im Verkaufsbereich wurden an Bewehrungsgitter erinnernde Drahtgeflechte installiert, weiter hinten, wo sich die Büros und Lagerräume anschließen, stehen transluzente Wände.

Rhythmus und Ruhe
Das Architekturstudio hat darauf geachtet, dass alle eingesetzten Werkstoffe und Halbfabrikate für sich funktionieren. Sie müssen also nicht erst bearbeitet oder mit anderen Materialien kombiniert werden, kommen größtenteils ohne Rahmen oder Verbindungselemente aus. Das sorgt in den Räumen für eine aufgeräumte Ästhetik. Einige Elemente, wie der Boden aus Mikrozement und die Trennmodule aus Wabenpolycarbonat, setzen auf ein industrielles Erscheinungsbild. Dem wirken warme Flächen entgegen: Die Wände und Decken sind mit hellem Birkensperrholz verkleidet. Hinter den Wänden versteckt sich immer wieder Stauraum, gleichzeitig sind Türen und Fenster zwischen den Shop-Abteilungen wie aus einem Guss integriert. Selbst die unter der Decke schwebenden Leuchten sind aus Holz und haben die Anmutung einer langen Baubohle, in die ein Lichtband eingelassen wurde.

Magie im Zylinder
Entlang der Wände sind Regale aus Vierkanthölzern und aufgelegten Brettern installiert, die dem Raum durch ihr gleichmäßiges Raster einen visuellen Rhythmus geben. Genauso schieben sich mit starker grafischer Wirkung die Metallgitter als Raster vor die Wände und zwischen die Räume. Sie bilden den konzeptionellen Kontrast zu den glatten Flächen von Boden und Wänden. Im hinteren Bereich des Ladengeschäfts geht es ins Treppenhaus, das sich um einen Zylinder aus Polycarbonat in die zweite Etage windet. Auf der kleinen Bodenfläche des Treppenhauskerns ist eine magische Spielecke für Kinder eingerichtet. Der Blick führt nach oben, bis an die Decke der zweiten Etage. Hier wurde eine Lichtinstallation aus Kabeln und Glühbirnen platziert, die von den weißen Kunststoffwänden vielfach reflektiert werden. Dieser moderne Kronleuchter ist auch das wichtigste Lichtobjekt des Obergeschosses, in dem Arbeitsplätze und ein Fotostudio untergebracht sind.  

Aus einem leeren und weiten Raum wurde auf zwei Etagen durch die gestalterischen Interventionen von stu.dere ein spannender Ort für Kinder, aber auch ein Ladenkonzept mit vielen Aktionsräumen für die Erwachsenen.

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Links

Architekten

stu.dere – Architecture & Design Studio

www.studere.pt

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