Monochrom in Holz
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Eine Kinderkrippe im südjapanischen Fukuoka bringt Rationalität und Schönheit zusammen. Entworfen wurde der Holzbau vom jungen japanischen Architekten Uchida Tak, der modulare Bauweise mit einem flexiblen Raumkonzept verband.
Ein „T“ kommt selten allein. Gleich drei Charakteristika einer Kinderkrippe in der japanischen Präfektur Fukuoka lassen sich auf den wohl architektonischsten aller Buchstaben reduzieren: Holz (Timber), Dachstühle (Trusses) und Trapeze. Auch wenn diese Zutaten ein eher solides Ergebnis suggerieren, hat die T-Nursery von Uchida Tak mit architektonischer Hausmannskost nur wenig gemeinsam. Der vollständig aus Holz gefertigte Bau in einem Vorort der Stadt Dazaifu ist ein Verwandlungskünstler mit Wohlfühleffekt.
Räumliche Erweiterung
Anstoß des Projektes war der gestiegene Platzbedarf einer Kinderkrippe, die um zwei zusätzliche Gruppenräume erweitert werden sollte. Die Region um Dazaifu widerspricht zur Zeit dem Trend der sinkenden Geburtenraten in Japan. Da nicht auszuschließen ist, dass sich auch hier die Entwicklung umkehren wird, stand Flexibilität bei der Planung an vorderster Stelle. „Ich wollte das Gebäude als einen großen, zusammenhängenden Raum realisieren, der ohne Stützen auskommt. Die Architektur ist damit auf sämtliche Weiternutzungen vorbereitet“, erklärt Uchida Tak, der sein Büro in der nahe gelegenen Stadt Araki Kurume unterhält.
In ihrer gegenwärtigen Konfiguration ist die Krippe in zwei Räume für Kinder bis und über einem Jahr unterteilt. Zwischen ihnen sind die Toiletten und Bäder untergebracht, während zwei getrennte Küchen für die Zubereitung altersgerechter Speisen zur Verfügung stehen. Da die Trennwände keine tragende Funktion übernehmen, können sie im Falle einer Umnutzung jederzeit entfernt oder neu platziert werden. Würde das Gebäude in seinen Rohzustand zurückversetzt, wäre es ein Open Space mit einer Grundfläche von 150 Quadratmetern.
Modularität und Effizienz
Damit der Innenraum auf einer Breite von neun Metern stützenfrei überbrückt werden konnte, wählte Uchido Tak eine einfache wie effiziente Lösung: Vier senkrechte Holzbalken, die untereinander mit Querträgern verstärkt wurden, bilden zusammen einen tragenden Pfeiler. Sechs Pfeiler flankieren jeweils die beiden Längsseiten des rechteckigen Gebäudes und ergeben dessen statisches Gerüst.
Zwischen den Pfeilern spannen sich fünf Dachstühle mit einem trapezförmigen Querschnitt. Um die Bauzeit zu verkürzen, wurden die Dachstühle in einer Holzfabrik vorproduziert, zur Baustelle gefahren und anschließend per Kran auf ihre Position gebracht. Da die Dächer jeweils auf den Außenseiten der Pfeiler ruhen, tut sich zwischen ihnen eine Lücke auf. Indem diese mit schmalen Flachdächern geschlossen wurden, entstand die markante Silhouette des Gebäudes in Form einer verzerrten Zickzack-Linie.
Kontinuierliche Blickachsen
Im Inneren wird die Materialität des Holzes zu einem monochromen Raumerlebnis gesteigert. Der Boden besteht aus geölten Dielen, sämtliche Wände und Decken sind mit blanken Sperrholzplatten verkleidet. Für einen Kontrast sorgt das offen liegende Stabwerk der Pfeiler und Dachstühle, die nicht nur die Konstruktion des Gebäudes lesbar machen. Die diagonalen Träger verleihen den Raumgrenzen plastische Tiefe und erzeugen einen dynamischen Schattenwurf, der mit dem Sonnenstand variiert.
Obwohl die Räumhöhe zwischen den einzelnen Dachmodulen bei nur 2,2 Metern liegt, ist dennoch keine Platzangst zu befürchten. Schließlich ziehen die unverbauten Dachstühle die Blicke unweigerlich nach oben, wo trapezförmige Fenster viel Tageslicht herein lassen. Kontakt zur Außenwelt versprechen die schmalen Fenster, die vom Boden bis in eine Höhe von knapp einem Meter reichen. Während die Blicke der Erwachsenen lediglich auf hölzerne Wände treffen, können die Kinder zu beiden Seiten des Gebäudes hinaus ins Freie schauen. Bei allem Bemühen, das Nutzungskonzept offen zu halten: Uchida Taks Entwurf ist keine bloße Box, in der zufällig Kinder spielen. Die Architektur wurde den Kleinen passend auf den Leib geschnitten.
FOTOGRAFIE Hiroyuki Kawano
Hiroyuki Kawano
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