Projekte

Plus Eins

Ausbau eines Wohnhauses in Montreal von Atelier Barda

Von außen lässt die Fassade des dreistöckigen Wohnhauses in Montreals Stadtteil Little Italy kaum vermuten, dass hinter den Mauern ganz neue Innenräume und eine zusätzliche Etage entstanden sind. Atelier Barda baute das Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert um und schuf weitläufige, elegante Indoor- und Outdoorbereiche.

von Bettina Krause, 29.09.2021

„Unsere Hauptidee war es, die bestehende Fassade zu erhalten und damit von dem abzulenken, was im Inneren passiert", erklären die Architekt*innen von Atelier Barda. „Wir haben versucht, die Vergangenheit des Hauses zu respektieren und gleichzeitig kleine Ergänzungen vorzunehmen, um das Alte vom Neuen abzugrenzen. Dazu zählen die neuen, abgerundeten Backsteinsäulen, die einen subtilen Kontrast zur kantigen Architektur des Gebäudes darstellen.“ Mit behutsamen Eingriffen holte Atelier Barda das Haus in die Gegenwart: Das Innere wurde vollständig entkernt, die Gewerbefläche im Erdgeschoss halbiert und seitlich wurde eine neue Tür zu den Wohnräumen ergänzt, um den Bewohner*innen einen diskreteren Zugang zum Haus zu ermöglichen. Auf der Rückseite des Gebäudes entstanden zwei kleine Balkone.

Rooftop Gardening
Unter Einhaltung strenger Bauvorschriften wurden zudem die bisherigen Deckenhöhen verringert, neue Bodenplatten ergänzt und ein zusätzlicher, von der Straße aus nicht einsehbarer Baukörper wurde auf dem Dach platziert. Mit den beiden privaten Dachterrassen, die das neu errichtete, 37 Quadratmeter große Dachgeschoss umschließen, verfügt das Gebäude nun über mehr als 92 Quadratmeter Außenfläche. Auf der obersten Etage wird gekocht und gespeist, bei Bedarf können Gemüse und Kräuter im angrenzenden Terrassengarten geerntet werden. „Der Bauherr liebt es, Gäste zu bewirten. Deshalb haben wir die Küche und das Esszimmer im ergänzten Baukörper untergebracht, weil man von dort Zugang zu den beiden Terrassen hat", erklären die Architekt*innen.

Idyllischer Innenhof
Auf der zweiten Etage gestaltete Atelier Barda eine großzügige Besuchersuite mit drei Schlafzimmern, Küche, zwei Bädern sowie Ess- und Wohnzimmer. Im dritten Geschoss – dem Hauptwohnbereich des Bauherrn – zieht ein 18 Quadratmeter großer, üppig bepflanzter Innenhof die Aufmerksamkeit auf sich. Rundum verglast und zentral platziert wird er Teil des weitläufigen Wohnraums sowie des gegenüberliegenden Schlafbereichs. „Der Innenhof bringt den Raum wirklich zur Geltung und schafft gleichzeitig einen sehr privaten Außenbereich für den Kunden“, sagen die Planer*innen. „Er ermöglichte es uns auch, viel Licht in den Kern des Gebäudes zu bringen.“ Die dunkle Holzverkleidung, dunkle Möbel und die japanische Badewanne verleihen dem Außenraum eine ebenso elegante wie maskuline Anmutung.

Edel und beruhigend
Bei der Gestaltung der Innenräume legte Atelier Barda das Hauptaugenmerk auf drei archetypische Gestaltungsprinzipien: die Loggia, den Durchgang und die Kolonnade.  Klare Linien, elegante Details und hochwertige Materialien schaffen einen Hauch von Luxus. Den Charakter des Interieurs beschreiben die Architekt*innen als „sanft und zurückhaltend". Geölte Eichenholzböden unterstreichen die natürliche Note der Räume, große Vorhänge schaffen Wohnlichkeit. Schwarze Möbel wie das Ledersofa, die dunklen Küchenschränke und der hölzerne Flügel kontrastieren mit den weißen Wänden. Designhighlights wie die kleinen Tische mit filigranen Beinen und edlen Marmorplatten oder die extravagante Leuchte durchbrechen das minimalistische Konzept. Insgesamt strahlen die Räume Ruhe aus und selbst das Schattenspiel der Pflanzenblätter an der Wand scheint von den Architekt*innen kuratiert zu sein.

Visuelle Kontinuität
Für die maßgeschneiderte Innenausstattung arbeitete Atelier Barda eng mit lokalen Handwerkern zusammen. Die schwarzen Waschtische aus Terrazzo fertigten ortsansässige Steinmetze. Sie verbinden sich nahtlos mit der Dusche und dem dunklen Badezimmerboden aus Terrazzo und führen das nahezu monochrome Einrichtungskonzept des Hauses fort. Akzentuiert werden in den hellen Räumen kleine, interessante Details wie die abgerundeten Decken. Die Architekt*innen fassen ihre Eingriffe, die von außen kaum wahrnehmbar sind, wie folgt zusammen: „Innerhalb des Bestandes haben wir eine Art italienisches ‚Baldacchino' entworfen, das auf der alten Struktur sitzt. Es ist insgesamt ein sehr diskreter Eingriff voller komplexer technischer Designmerkmale und Transformationen, die nur im Inneren des Gebäudes sichtbar werden.“

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Projektinfos
Projektname Residence Alma
Entwurf Atelier Barda
Standort Montreal, Kanada
Nutzung Gewerbe und Wohnen
Fläche 670 Quadratmeter
Links

Entwurf

Atelier Barda

atelierbarda.com

Mehr Projekte

Shoppen im Wattebausch

Neue Jacquemus-Boutiquen von AMO in Paris und London

Neue Jacquemus-Boutiquen von AMO in Paris und London

Moderne Festung

Wohnhaus mit Showroom von Associates Architecture in Mexiko

Wohnhaus mit Showroom von Associates Architecture in Mexiko

Backstube mit Bar

SOMAA gestaltet Brothandlung Grau in Stuttgart

SOMAA gestaltet Brothandlung Grau in Stuttgart

Im rechten Licht

Sieben Beispiele der Verschattung in der Architektur

Sieben Beispiele der Verschattung in der Architektur

Struktur durch Form und Farbe

Möbel-Showroom in Tel Aviv von Baranowitz & Goldberg

Möbel-Showroom in Tel Aviv von Baranowitz & Goldberg

Whisky im Pantheon

Eine Sichtbeton-Destillerie von Neri&Hu in China

Eine Sichtbeton-Destillerie von Neri&Hu in China

Die Büro-WG

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Brutalistisches Spaceshuttle

Umbau eines Schönheitssalons von Artists Collaboration

Umbau eines Schönheitssalons von Artists Collaboration

Begehbare Skulptur

Eklektische Boutique des Labels Forte Forte in Madrid

Eklektische Boutique des Labels Forte Forte in Madrid

Neue Pariser Lässigkeit

Flagshipstore Off-White von AMO

Flagshipstore Off-White von AMO

Hinter den Spiegeln

GIR Café von AUTORI in Belgrad

GIR Café von AUTORI in Belgrad

Mut zur Maserung

Die schönsten Interiors mit Holz

Die schönsten Interiors mit Holz

Best-of Zahnarztpraxen

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Unverblümter Brutalismus

Pflanzenladen R Society von 0321 Studio in China

Pflanzenladen R Society von 0321 Studio in China

Stilkosmos in Crosby-Blau

New Yorker Designavantgarde in Moskau

New Yorker Designavantgarde in Moskau

Stoff für Wände

Anne Holtrop gestaltet die neuen Maison-Margiela-Boutiquen

Anne Holtrop gestaltet die neuen Maison-Margiela-Boutiquen

Stimmungsvolle Konsumtempel

2000-2020: Best-of Retail

2000-2020: Best-of Retail

Shopping unterm Regenbogen

Die Shanghai Joy City Kid's World von Arizon Design

Die Shanghai Joy City Kid's World von Arizon Design

Blech trifft Brillen

Ace & Tate Store in Nürnberg von Studio Weiss-heiten

Ace & Tate Store in Nürnberg von Studio Weiss-heiten

Interieur à la Parisienne

Mondäne Boutique von Sebastian Zenker in München

Mondäne Boutique von Sebastian Zenker in München

Unendliche Geschichten

Studio X+Living gestaltet Buchtempel in Chongqing

Studio X+Living gestaltet Buchtempel in Chongqing

Nuancen der Durchlässigkeit

Die Boutique des jungen Modelabels Geijoeng in Shenzhen

Die Boutique des jungen Modelabels Geijoeng in Shenzhen

Alles Lamelle

Dieses Shopsystem von Francis Kéré spielt mit der Vertikalen.

Dieses Shopsystem von Francis Kéré spielt mit der Vertikalen.