Projekte

Schöne Haussichten

Wohnhaus von Alfredo Häberli, inspiriert vom Schiffbau

von Tim Berge, 02.06.2017

Die Zukunft des Wohnens ist längst in der Gegenwart angekommen: Das Konzepthaus von Alfredo Häberli und Baufritz bietet Ausblicke auf neue Wohnformen und schafft dabei Raum für Unvorhergesehenes. Offenheit, Flexibilität und Nachhaltigkeit sind die Leitbilder dieses bootsartigen Holzkörpers.

Ökologischer Holzbau ist in vielen Köpfen noch unter „Blockhütte“ abgespeichert. Dass die Architektur mit dem natürlichen Werkstoff zu den flexibelsten Bauformen zählt, beweist das Projekt Haussicht

Bug auf dem Dach
„Es war Zeit, dem ökologischen Holzbau ein neues Gesicht zu geben“, erklärt Baufritz-Chefin Dagmar Fritz-Kramer das Anliegen ihres Unternehmens, das sich auf die Herstellung von Fertighäusern mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch spezialisiert hat. Für das aktuelle Vorhaben wählte Baufritz daher auch nicht irgendjemanden, sondern Alfredo Häberli. „Seit meiner Kindheit ist Architektur immer ein Thema in meinem täglichen Leben“, erklärt der Schweizer Designer – mit dem Projekt Haussicht hat er sich diesen Traum erfüllt. Bei seiner Herangehensweise an sein erstes Bauvorhaben legte er den Fokus auf den zukünftigen Bewohner und stellte sich die Frage, welche Wohnbedürfnisse Menschen heute haben. Konsequenterweise entwarf Häberli eine ganzheitliche Architektur und entwickelte das Projekt von innen nach außen.

Das Haus teilt sich in zwei geschwungene Volumen auf, die über eine brückenartige Terrasse im Obergeschoss verbunden sind: ein Haupt- und ein Nebengebäude, das auf einem schmalen, amorphen Betonfuß ruht. Alfredo Häberli ließ sich bei der Konstruktion vom Schiffbau und damit einer der Urformen des Holzbaus inspirieren. Insbesondere die beiden Dächer wirken wie zwei gigantische Buge, die sich auf dem Haus niedergelassen haben. Und auch bei der inneren Organisation ging der Designer eher unkonventionell ans Werk: Einen Großteil der Schlafzimmer platzierte er im Erdgeschoss, während das eigentliche Wohnerlebnis auf der oberen Etage stattfindet. Durch eine geschickte Raumaufteilung und den intelligenten Einsatz von Einbauten schafft Häberli eine Offenheit, die den Bewohnern ungeahnten Spiel- und Freiraum gewährt. 

Alles dreht sich
Das architektonische Rückgrat des Erdgeschosses im Haupthaus bildet eine zentral verlaufende Wand, die mehrere Funktionen in sich aufnimmt: Sie ist Raumtrenner und Lagermöbel in einem. Auf der einen Seite befinden sich die privaten Schlaf- und Badbereiche, auf der anderen liegen multifunktional nutzbare Räume und der Zugang zu den Regalflächen. „Aktivierung von Bauteilen“, nennt Häberli dieses Konzept. Die Oberflächen bestehen in erster Linie aus Holz, wodurch eine warme Atmosphäre entsteht. Ergänzt wird das Material durch weißen Marmor, der die Bäder ausschmückt. Besonderes Highlight ist eine Entspannungszone gegenüber dem großen Schlafbereich, in den ein offener Kamin und eine großzügige Badewanne integriert sind. Das Obergeschoss widmet sich fast ausschließlich dem puren Wohnerlebnis – und das in aller Großzügigkeit. Die lichtdurchfluteten Räume mit Küche, Essbereich und vorgelagerter Terrasse fließen förmlich ineinander und erzeugen Offenheit.

In dem durch den Treppenkern separierten Bereich platzierte Häberli eine Bibliothek, in deren Zentrum sich eine beinahe raumhohe, drehbare Media-Koje befindet. Wie schon bei seinem Projekt Rockefeller Dining Room arbeitete der Gestalter hierbei mit dem Schweizer Möbelhersteller Girsberger zusammen, dessen Customized Furniture-Sparte die Umsetzung der verspielten Installation übernahm. Die terrassierte Sitzlandschaft ist gleichzeitig Bühne, Liege- und Ablagefläche – und erzeugt durch seine Beweglichkeit und Modularität den von Häberli gewünschten Perspektivwechsel sowie Raum für Unvorhergesehenes. Die vier unterschiedlich farbigen und aufeinander liegenden Sitzstufen mit Rückenlehne lassen sich modular durch Steck-Spann-Verbindungen werkzeuglos montieren, und obwohl das Möbel zwei Tonnen wiegt, lässt es sich dennoch leicht von Hand drehen. Dafür sorgt ein unter dem Objekt versteckter kugel- und rollengelagerter Drehteller. Mit dem Projekt Haussicht hat Alfredo Häberli seinen Traum, eine Architektur zu planen und umzusetzen, konsequent Realität werden lassen. Den perfekten Rahmen dafür bildeten die von Baufritz gestellten Anforderungen in Bezug auf Materialität, Nachhaltigkeit und Funktionalität. Schöne Aussichten – nicht nur für die Anhänger von Fertighäusern!

Links

Girsberger

Zum Showroom

Projektarchitekt

Alfredo Häberli

www.alfredo-haeberli.com

Hersteller

Baufritz

www.baufritz.com

Mehr Projekte

Australisches Strandhaus

Anbau in Fremantle von David Barr Architects

Storytelling in Taiwan

Vom Regenbogen inspiriertes Apartment von NestSpace Design

Lichtblick in London

Umbau eines viktorianischen Reihenhauses von Oliver Leech

Authentische Architektur

Ferienhaus von Studio Dreamer im australischen Busch

Gläsernes Literaturhaus

Erweiterungsbau von Sibling Architecture in Sydney

Moderne Traditionen

Ferienhaus von K-Studio auf Mykonos

Wohnungstausch in Barcelona

Umbau eines Einfamilienhauses von Raúl Sanchez

Betonbau mit Persönlichkeit

Zweitwohnung des Architekten Przemo Łukasik in Warschau

Bad mit Autobahncharme

Minimalistischer Umbau eines Apartments von DIALECT in Antwerpen

Kontrastreiche Farbspiele

Extravagantes Apartment von Studio Plutarco in Madrid

Wohnen wie im Showroom

Elegant minimalistisches Apartment von Rina Lovko in Kiew

Mexiterranes Apartmenthaus

Subtiler Umbau von Fino Lozano in Guadalajara

Unsere feine Farm

Landhaus in Sussex mit überraschend urbanem Interieur

Inside-Out in Brasilien

Schwebende Villa in den Hügeln von Rio de Janeiro

Mailänder Refugium

Umbau einer Dachgeschosswohnung von Elena Martucci

Vertikales Minihaus

Umbau von Kohan Ratto Arquitectos in Buenos Aires

Ganzheitliches Gewölbe

Anbau in Kuala Lumpur von Fabian Tan

Le Corbusier trifft Maya-Pyramide

Einfamilienhaus von Ludwig Godefroy im mexikanischen Mérida

Im Herzen des Dschungels

Urlaubsensemble von Formafatal zwischen Küste und Tropenwald

Vorhang auf in Bilbao

Umbau vom spanischen Architekturbüro AZAB

Imperfekte Schönheit

Eine wohnliche Verwandlung im Amsterdamer Grachtenviertel 

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Moderne Ruine

Brutalistischer Umbau in Ecuador von Aquiles Jarrín

Mexikanischer Minimalismus

Wochenendhaus in Avándaro von Hector Barroso

Garage mit Aussicht

Kompaktes Apartment in Barcelona von Barbara Appolloni

Umbau in Islington

Lichtes Reihenhaus von Christine Ilex Beinemeier und Lia Kiladis

Manhattans Dächer

In einem Penthouse machen Daniel Schütz und Georg Windeck die bulthaup Küche zum Zentrum

Ein Haus wie eine Filmkulisse

Holzhaus in Genf von Daniel Zamarbide

Schön Schräg

Dachgeschoss in Bilbao von Architekturbüro AZAB

Musik in der Scheune

Umbau von Sigurd Larsen bei Essen