Projekte

Sinnliches Erlebnis

Restaurant Sahbi Sahbi in Marrakesch von Studio KO

Im Restaurant Sahbi Sahbi in Marrakesch werden traditionelle, marokkanische Gerichte in einer offenen Küche zubereitet. Das Interieur von Studio KO verwandelt Decken und Wände in raffinierte Reliefs. Diese verbinden eine akustische Wirkung und subtile Schattenspiele.

von Norman Kietzmann, 11.01.2023

Essen ist Kultur. Und eine der schönsten Formen des Zusammenseins. Dass Genuss nicht nur auf der Zunge zergeht, zeigt das neue Restaurant Sahbi Sahbi in Marrakesch, dessen Name auf Darija so viel wie „Seelenverwandte“ oder „Freundschaft“ bedeutet. Im ausschließlich von Frauen geführten Lokal wird traditionelle, marokkanische Küche serviert. Der zeitgenössische Komponente liefert die räumliche Inszenierung von Studio KO.

Offenes Raumgefüge
Das in Paris und Marrakesch ansässige Büro hat sich vor allem mit dem Musée Yves Saint Laurent einen Namen gemacht, jedoch auch zahlreiche Restaurants, Hotels und Privatwohnungen eingerichtet. Mit Sahbi Sahbi wurde die Position und damit auch die Rolle der Küche neu justiert. Im traditionellen Marokko ist sie ein Ort, an dem die kulinarische Magie im Verborgenen geschieht. „Hier wird das Geheimnis gelüftet: eine offene Küche im Herzen des Essbereichs. Erstmals werden Wissen und Anwendung gleichermaßen gezeigt“, erklärt Olivier Marty, einer der beiden Gründer von Studio KO.

Multisensorielles Erlebnis 
Während die Gerichte auf der Zunge zergehen, steigen Düfte aus den Töpfen und Ofen in die Nasen der Gäste. Diese sitzen rings um die freistehende Kochzone und können den Köchinnen zuschauen und zuhören – bei der Arbeit untereinander sowie beim Erklären der Gerichte. Das Küchenteam setzt sich aus Frauen unterschiedlicher Regionen Marokkos zusammen. Auch werden verschiedene Generationen zusammengeführt. Wissen und Erfahrungen können so untereinander geteilt werden, ganz gleich ob bei der Zubereitung von Tagines, Pastillas oder Couscous-Gerichten. Als einen „produktiven und abwechslungsreichen Schmelztiegel“, beschreibt Karl Fournier, der zweite Gründer von Studio KO, die Raumwirkung.

Natürliche Konturen
Das Essbereich des Restaurants erstreckt sich auf einer Ebene. Im hinteren Teil des Raumes ist die offene Küche positioniert. Davor sind weitere Tische in zwei Reihen angeordnet, die den Verbindungsweg zur Eingangstür markieren. Entlang der Wände nehmen die Gäste auf lederbezogenen Bänken Platz. In der Raummitte kommen eigens angefertigte Holzstühle zum Einsatz, die mit Kufen den Boden berühren. Die Sitzflächen sind aus breiten Lederstreifen geflochten, während die Rückenlehnen vollflächig aus Holz gearbeitet sind. Einige Tischplatten wurden in einem Stück aus ganzen Baumstämmen gesägt. Die unbegradigten Außenkanten betonen den natürlichen Charakter des Materials und bringen zugleich eine taktile Qualität ein.

Gebranntes Puzzle
Eine wichtige Rolle spielen die Raumgrenzen. Olivier Marty und Karl Fournier haben den Wänden und Decken Plastizität verliehen – durch raffinierte Strukturen in unterschiedlichen Materialien. Die Seitenwände sind mit matten, unglasierten Tonziegeln von quadratischem Zuschnitt verkleidet. Ihre Oberflächen unterteilen sich in zwei Dreiecke, die einen Höhensprung von rund fünf Millimetern vollziehen. Die Konsequenz daraus sind vier Ausrichtungen pro Fliese, die in wandfüllenden Kompositionen eine beinahe unendliche Zahl an Variationen zulassen. Doch ganz gleich, wie die Fliesen gedreht werden: Sie betonen stets die Diagonalen, wodurch ein dynamischer Effekt entsteht. Runde Papierleuchten werfen ein mattes, weiches Licht auf die Wände und heben die Höhensprünge hervor.

Tiefgang an der Wand 
An der Rückwand des Raumes kommen mit deutlich größere Keramik-Fliesen zum Einsatz. Auch sie sind eigens für das Restaurant von Hand gefertigt worden. Die Oberflächen werden von Strukturen aus eingeritzten Winkeln akzentuiert, die in Größe, Ausrichtung und Tiefe stetig changieren. Die Glasuren schimmern in atmosphärischen Grüntönen und verwandeln jede Fliese in ein Unikat. In die Rückseite der Sitzbank eingelassene LEDs illuminieren die Wand. Das Licht verstärkt nicht nur die Wirkung der Farben, sondern entfacht aufgrund der leichten Reliefstruktur der Fliesen ein lebendiges Schattenspiel.

Diagonalen Reliefstrukturen
Die Decken haben Studio KO mit quadratischen Holzpaneelen verkleidet. Diese sind in leichter Distanz zueinander montiert, sodass in die Zwischenräume Halterungen und Kabel für Spotlights und Pendelleuchten eingelassen werden. Auch hier sind die Oberflächen alles andere als flach, sondern mit geschnitzten Arabesken vertieft. Die geometrischen Dekore korrespondieren mit den diagonalen Reliefstrukturen der Wände. Sie versinnlichen die Raumgrenzen, geben ihnen Tiefe und Profil. Das Interieur wird zum Sinnbild für das kulinarische Erlebnis. Die Wahrnehmung ist nie eindimensional. Sie sucht Vertiefungen, den Schulterschluss mit anderen Disziplinen. Studio KO ist hierbei ein kleines Gesamtkunstwerk gelungen: dank einer Küche, die ihre Geheimnisse nicht nur für sich behält. 

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Projektinfos
Projekt Sahbi Sahbi
Typologie Restaurant
Ort Marrakesh, Marokko
Interieur Studio KO
Links

Entwurf

Studio KO

studioko.fr

Projekt

Restaurant Sahbi Sahbi

www.sahbisahbi.com

Mehr Projekte

Die glorreichen Siebziger

Trattoria del Ciumbia von Dimorestudio in Mailand

Trattoria del Ciumbia von Dimorestudio in Mailand

Speisen in der Lagerhalle

Restaurant Tramo in Madrid von SelgasCano

Restaurant Tramo in Madrid von SelgasCano

Futuristischer Zufluchtsort im Schnee

Café & Bar im chinesischen Chongli von Jumgo Creative

Café & Bar im chinesischen Chongli von Jumgo Creative

Ruf der Sirene

Studio RHO aus Berlin gestaltet ein Café in Prenzlauer Berg

Studio RHO aus Berlin gestaltet ein Café in Prenzlauer Berg

Locke lockt

(Apart-)Hotel von Grzywinski+Pons an der Spree in Berlin

(Apart-)Hotel von Grzywinski+Pons an der Spree in Berlin

Alles beim Alten

Ein konsequent zirkuläres Interieur von Lucas Muñoz Muñoz

Ein konsequent zirkuläres Interieur von Lucas Muñoz Muñoz

Wohnhaus als Food-Labor

Maison Melba von Atelier L’Abri in Quebec

Maison Melba von Atelier L’Abri in Quebec

Japanische Poesie

Restaurant Ōkyū in Stuttgart von Studio Komo

Restaurant Ōkyū in Stuttgart von Studio Komo

Isländische Geschichte(n)

Hotel in Reykjavík von THG Arkitektar

Hotel in Reykjavík von THG Arkitektar

Wie zwischen Dünen

Restaurant AURA im Wolfsburger Ritz-Carlton von HENN

Restaurant AURA im Wolfsburger Ritz-Carlton von HENN

Eine Ausstellung, die Stellung bezieht

Fotografiska Berlin im einstigen Tacheles von Studio Aisslinger

Fotografiska Berlin im einstigen Tacheles von Studio Aisslinger

Alpenchic mit Sixties-Vibe

Das Hotel The Cōmodo in Bad Gastein

Das Hotel The Cōmodo in Bad Gastein

Besondere Böden

Fünf Projekte mit ungewöhnlicher Bodengestaltung

Fünf Projekte mit ungewöhnlicher Bodengestaltung

Schauraum im Schankraum

Bristoler Braustube von Studio B

Bristoler Braustube von Studio B

Grüner Faden

Studio Wok gestaltet hybrides Lokal Pan Milano

Studio Wok gestaltet hybrides Lokal Pan Milano

Mit Gio Ponti träumen

Designhotel Palazzo Luce in Lecce

Designhotel Palazzo Luce in Lecce

Geschenkte Patina

Atelier Raumfragen gestaltet das Berliner Restaurant Ryke

Atelier Raumfragen gestaltet das Berliner Restaurant Ryke

Visuelles Potpourri

Design in Architektur gestaltet ein Restaurant für Morgenmuffel

Design in Architektur gestaltet ein Restaurant für Morgenmuffel

In altem Glanz

Restaurierung einer historischen Villa in der italienischen Provinz Modena

Restaurierung einer historischen Villa in der italienischen Provinz Modena

Mustergültiges Debüt

Restaurant 13.10 von Serena Confalonieri im Mailänder Umland

Restaurant 13.10 von Serena Confalonieri im Mailänder Umland

Bella Garbatella

Trendlokal in historischer Bäckerei von Studio Tamat

Trendlokal in historischer Bäckerei von Studio Tamat

Fachwerk und Feinkost

Historisches Haus mit zeitgemäßem Interior von Aboutlama

Historisches Haus mit zeitgemäßem Interior von Aboutlama

Natürliches Upgrade

Neugestaltung des Hotel Munde im Schwarzwald

Neugestaltung des Hotel Munde im Schwarzwald

Im Lokdepot

brandherm + krumrey gestalten Restaurant im alten Marburger Bahnbetriebswerk

brandherm + krumrey gestalten Restaurant im alten Marburger Bahnbetriebswerk

Baukasten für die Zukunft

Flexibler, zirkulärer Holzpavillon von DP6 in Almere

Flexibler, zirkulärer Holzpavillon von DP6 in Almere

Blaue Stunde

Space Copenhagen gestaltet das Restaurant Blueness in Antwerpen

Space Copenhagen gestaltet das Restaurant Blueness in Antwerpen

Tanz in der Luft

Café Constance in Montreal von Atelier Zébulon Perron

Café Constance in Montreal von Atelier Zébulon Perron

Explosion der Farben

Der Frankfurter Nachtclub Fortuna Irgendwo

Der Frankfurter Nachtclub Fortuna Irgendwo

Das Hotelschatzkästchen

Das Château Royal in Berlin-Mitte

Das Château Royal in Berlin-Mitte

Genuss im Gewächshaus

Restaurant von Norm Architects mit Möbeln von Karimoku

Restaurant von Norm Architects mit Möbeln von Karimoku