Projekte

Sonne, Hof und Sterne

Utrechts Campus-Zuwachs ist ein sakraler Weißraum.

von Tanja Pabelick, 20.07.2016

Das spektakuläre Atrium erstreckt sich über die ganze Höhe des Gebäudes, das transparente Dach lässt nahezu sakral Licht auf das sich in Serpentinen nach oben windende Treppenhaus fallen. Klingt nach Grand Hotel. Tatsächlich ist es die Architektur eines neuen Gebäudes der Universität in Utrecht, gestaltet von Ector Hoogstad.

Licht, Offenheit, Transparenz, so lauteten die Schlagworte, die den Entwurf des neuen Baus der Fakultät für Natur-, Geowissenschaft und Biomedizin dirigierten. Das Victor J. Koningsberger getaufte Gebäude gehört zur Hochschullandschaft im nordwestlichen Winkel des Campus. Gemeinsam mit dem roten Block des Minnaert und dem grauen Buys Ballot-Haus bildet es den Uithof. Den Studenten bietet der architektonische Zuwachs Gastronomie, Vorlesungssäle, Labore und Studios zum Lernen. Besucher können außerdem ganz typisch niederländisch ihre Räder in einem weitläufigen Fahrrad-Parkhaus im Untergeschoss abstellen und das Gebäude dann von hier direkt betreten.

Lernen mit Weitblick
Die Fassade des durch die hohe Eingangshalle majestätisch wirkenden Gebäudes ist weitgehend transparent gehalten. Ausblick, einfallendes Licht und Energieeffizienz wurden von den Architekten in Balance gebracht. Dafür sorgen auch die vertikal laufenden Sonnenblenden, die in ihrer Größe, Verteilung und Dichte auf ihre Positionierung und die individuellen Lichtverhältnisse eingehen. Von außen bilden sie eine in einem unregelmäßigen Rhythmus gestreifte Fassade. Während tagsüber und bei sommerlichem Wetter das natürliche Licht die Innenräume gesteuert erhellt, sorgt bei trüben Lichtverhältnissen die Inszenierung des Kunstlichts für ein positives Lernumfeld. Bei der Realisierung hatte Ector Hoogstad mit durlum einen erfahrenen Partner für ästhetische Decken- und Lichtlösungen an seiner Seite, der mit passenden Produkten auf die besonderen Anforderungen des Projektes eingehen konnte.

Tageslicht und Nachtleuchten
Die hohe Decke des Atriums wird von einer fugenlosen Rasterdecke gestützt. Die 3.700 Quadratmeter im Erdgeschoss werden bei Deckenverkleidung der Labore in den oberen Stockwerken fortgeführt. Charakteristisch ist die Einbindung der Lichtelemente in die grafische Gitterstruktur, während technische Installationen wie Feuermelder sich dahinter verbergen. Neben dem diskreten Deckenlicht sorgen LED-Punkte an der Treppenverkleidung für atmosphärisches Licht. Sie sind in die Platten aus schwarzem Stahl eingefügt und wirken wie ein Sternenhimmel für den Treppenbereich. Der Blick von unten zu den Verkleidungen nach oben zeigt dunkle, vom Licht grafisch zäsierte Flächen. Aus der Höhe hinab öffnet sich ein vom Licht dominierter Weißraum.


Vernetzter Komplex
Während auf Straßenebene vor allem Gemeinschaftsräume, Restaurants und Veranstaltungshallen untergebracht sind, bringt der sogenannte „Loop“ die erste Etage mit den beiden Nachbargebäuden Minnaert und Buys Ballot zusammen. Der Verbindungstrakt tritt in der Außenansicht durch seine grellgrüne Fassade hervor und gibt den Studenten die Möglichkeit, sich innerhalb des gesamten Komplexes ohne Außenaufenthalt zu bewegen. In den oberen Etagen sind die Raumfunktionen geschlossener ausgelegt. Labore liegen neben Arbeitsräumen zum Lernen und für die praktische Arbeit. Sie sind so gestaltet, dass sie durch eine clevere Integration der technischen Ausstattung flexibel auf die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzergruppen eingehen können. Das Interieur, das auch von Ector Hoogstad gestaltet wurde, setzt passend zur ökologischen Bauweise auf natürliche und helle Materialien wie Bambus und Stein, ergänzt durch Akzente in frischem Grün. Durch die ästhetische Inszenierung und die funktionale Ausstattung ist ein Bau gelungen, in dem Kommunikation und Konzentration ungestört nebeneinander stattfinden können.

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