Valencianischer Tanz
Zwei mediterrane Urlaubsapartments von Masquespacio
Den Namen verdanken die Danzas Studios zwar ihrer Adresse, ein Tanz ist das Interieur aber auch. Im pudrigen Farbkosmos aus der Feder von Masquespacio finden geometrische Formen einen Rhythmus und drehen organische Silhouetten Pirouetten, während silberne Vorhänge die Küche zur Bühne machen. Das Designduo hat den Spagat geschafft: zwischen mediterranen Traditionen und der von ihnen mitgeprägten Valencia-Avantgarde.
Seit über zehn Jahren mischen Ana Milena Hernández Palacios und Christophe Penasse die Designszene Valencias mit ihren farbenfrohen, avantgardistischen und verspielten Designs auf. Überall in der Stadt finden sich Restaurants, Shops oder Wohnprojekte aus ihrer Feder. Vor diesem Hintergrund ist es nicht vermessen zu behaupten, dass das Studio Masquespacio einen relevanten Beitrag dazu geleistet hat, dass Valencia 2022 als World Design Capital ausgezeichnet wurde – und immer mehr designaffine Gäste die drittgrößte Metropole Spaniens besuchen. Für genau dieses Publikum eignen sich die beiden Ferienapartments, die Penasse und Palacios zuletzt ausgestattet haben: Sie liegen zentral in der historischen Altstadt und beamen ihre Gäste mitten in das kunterbunte, extravagante und dabei traditionell spanische Universum Masquespacios.
Mittendrin und gut versteckt
Benannt wurden die beiden Apartments nach ihrer Lage auf der Calle Danzas, einer schmalen Einbahnstraße, die von pastellfarben gestrichenen Altbauten gesäumt ist. Im Erdgeschoss der Hausnummer 11 liegen die 110 Quadratmeter, die durch ihr ungewöhnliches Layout durchaus eine gestalterische Herausforderung waren. Der Grundriss ist hufeisenförmig und unterteilt sich in einen Wohnungsschlauch auf der einen Seite sowie ein Rechteck voller Ecken und spitz zulaufender Raumkanten auf der anderen Seite. Gleichzeitig fällt wenig Tageslicht ein: Die Fenster sind klein, vergittert und wegen der Positionierung auf Augenhöhe der Passant*innen mit blickdichtem Texturglas ausgestattet. Trotzdem gelang es Masquespacio, dort Gemütlichkeit einziehen zu lassen.
Verbeugung vor Calatrava
Das Interieur folgt einem mediterranen Stil, der die traditionelle Wohntypologie der Region spiegelt. Viele der eingesetzten Materialien stammen aus der unmittelbaren Umgebung und aus den Werkstätten ansässiger Handwerker*innen. Dazu zählen die ockerfarbenen Terrakottafliesen, die nicht nur auf dem Boden verlegt wurden, sondern auch Einbauelemente wie Sitzpodeste, Bänke und die Kopfteile der Betten bekleiden. Auch die einfachen Gittersteine aus Zement, mit denen Wände und Tischsockel gebaut wurden, zitieren das lokale Materialvokabular. Unverkennbar valencianischen Ursprungs sind die weißen Mosaike: Nach dem katalanischen Wort für „zerbrechen“ werden sie Trencadís genannt. Üblicherweise ist die Keramik-Collage farbenfroh angelegt. Der Architekt Santiago Calatrava allerdings setzte monochrom weiße Mosaike beim Opernhaus von Valencia ein, dem Palau de les Arts Reina Sofía – und Masquespacios mit Tonscherben belegten Küchenwerkbänke sind als Hommage zu verstehen.
Best-of Masquespacio
Schnell könnte ein an den lokalen Traditionen orientiertes Interieur ins allzu Rustikale abgleiten. Um das zu vermeiden, setzen Palacios und Penasse gezielt Kontraste, die mit den Konventionen brechen. Die silbern schillernden Vorhänge erinnern an ihr retrofuturistisches Design für ein Co-Working-Büro, die vielen organischen Keramiken an ihr nur ein paar Straßen entfernt liegendes orientalisches Höhlenrestaurant und unzählige skulpturale Möbel und Leuchten aus ihrem Portfolio machen aus dem Apartment einen Schauraum des bisherigen Schaffens. Dort stehen die konischen Cono-Blumentöpfe auf Kugelbeinen, mit Filz bezogene U-Chairs setzen mit ihren prägnanten Geometrien Akzente und der gestreifte Ring Stool aus Keramik fungiert mal als Hocker, mal als Coffee Table. Farblich folgt die Einrichtung einer pudrigen Palette zwischen Waldgrün und Altrosa, die mit viel Textil und Keramikkonvoluten Wärme in die Räume bringt. Aus den dunklen – und deshalb in den heißen Sommern auch schön kühlen – Räumen hat Masquespacio eine Wohnhöhle für Reisende gemacht. Gäste finden in den zwei Danzas Studios nicht nur ein Bett zum Übernachten, sondern vor allem Räume, die Geschichten erzählen: von mediterranen Traditionen, aber auch von einer modernen Designmetropole.
FOTOGRAFIE Luis Beltran Luis Beltran
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