Weiß, weiß, weiß
Dieses Wohnhaus in Zentralportugal spielt mit Leere und Masse.
Keine Fenster, keine Türen – weiß und wie aus einem Guss steht das Wohnhaus auf einer Anhöhe der portugiesischen Stadt Leiria und scheint, ähnlich einem Schneckenhaus, vollständig nach innen gewendet und ohne Außenbezug zu sein. Doch dieser Schein trügt. Allerdings löst sich das Rätsel um diese außergewöhnliche Bauskulptur erst beim Betreten des Gebäudes auf.
Gerade erst hat sich das Architekturbüro Aires Mateus in seiner Ausstellung Voids auf der Architekturbiennale in Venedig mit der „Lücke“ und ihrem vielfältigem Erscheinungsbild auseinandergesetzt. Das Haus in Leiria übertrug diese Gedanken schon früher in die Realität.
Radikal und komplex
Das Grundstück liegt etwas außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe und überblickt das historische Zentrum Leirias. Man könnte also meinen, ein Haus an dieser Stelle sollte sich ganz und gar dem Panorama widmen. Doch Aires Mateus hatten anderes im Sinn und schufen eine komplexe Raumstruktur, die sich mal nach innen und mal nach außen stülpt und seinen Bewohnern ein spannendes Wohnerlebnis bietet. Als Hülle wählten sie einen Archetypus: das Giebeldachhaus. Kein Fenster und keine Tür durchbricht die minimalistische, in weiß gehaltene Kubatur. Ein- und Austritte erfolgen über große Ausschnitte in der Fassade. Das Haus verschließt und öffnet sich radikal zu seinem Kontext – das gilt auch für die Belichtung der Wohnräume.
Die Planer teilten das Gebäude in drei horizontale Schichten: Schlafen, Wohnen und Gästebereich. Als Zentrum und überdimensionaler Lichtschacht dient ein dreigeschossiger Innenhof, der sich durch das komplette Haus schiebt und als großer Ausschnitt in der Dachschräge endet. Die fünf Schlafzimmer liegen allesamt im Untergeschoss und werden über einen Flur erschlossen, der sich um den Hof legt und dadurch mit natürlichem Tageslicht versorgt wird. Jedem der privaten Rückzugsbereiche wurde von den Architekten ein eigener Patio zugewiesen, der ebenfalls in das Erdreich eingearbeitet wurde und vom Gartenniveau aus betrachtet als quadratischer Leerraum erscheint. Diese Außenräume dienen als Beleuchtungskörper und Terrasse gleichermaßen.
Masse und Leere
Im Erd- und Obergeschoss des 423 Quadratmeter großen Hauses befinden sich die Wohnbereiche und ein Gästeschlafzimmer. Auch hier setzten die Architekten ihr Wechselspiel aus offenen und geschlossenen Zuständen fort. Während das Ess- und Wohnzimmer über vollverglaste Wände direkt an den Innenhof angebunden sind, wirken die Treppe zum Obergeschoss und die Küche wie in einen Felsen hineingehauene Lücken und Ausschnitte. Durch die monochrome, weiße Farbgebung des Gebäudes wird dieser Eindruck noch verschärft: Das Haus konfrontiert auf eindrucksvolle Art und Weise Masse mit Leere, ohne den Bewohner und sein Wohlbefinden aus dem Blick zu verlieren. Im Gegenteil: Der Bau birgt Intimität, Ruhe und auch ohne Fenster jede Menge natürliches Licht.
FOTOGRAFIE FG + SG
FG + SG
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