Projekte

Zimmer mit Weinblick

Das Weingut und Feriendomizil N'orma auf Sizilien lässt sein agrikulturelle Erbe erneut aufleben.

von Katharina Horstmann, 19.09.2014

Beim Landeanflug betrachtet, heben sich die Konturen der Landschaft klar ab, denn Sizilien besteht zu fast vier Fünfteln aus Gebirgs- und Hügellandschaften. Kein Wunder also, dass dieser Teil Italiens zu den vier größten Weinanbaugebieten des Landes zählt. Neben etablierten Weingütern finden sich in neuerer Zeit auch kleinere Projekte, die das agrikulturelle Vermächtnis der Insel erneut aufleben lassen. N’orma ist eines davon.

Dass sie einmal Winzer werden würden, hätten sie sich vermutlich nie erträumt. Noch dazu auf Sizilien. Zwar stammt Maurizio Di Gregorio aus Catania, doch lebt er schon seit vielen Jahren zusammen mit seiner Frau Andreina Lebole in Mailand. Während eines Urlaubs auf der Insel wurden die beiden zufällig auf das von einem Olivenhain umgebene Gehöft in den Hügeln von Monti Iblei nördlich der Barockstadt Ragusa aufmerksam. Rundum erstreckt sich Land von etwas weniger als zwei Hektar, wovon ein Weinberg die Hälfe einnimmt. Von da an nahm die Sache ihren Lauf. Zunächst als eigenes Landhaus angedacht, hat das Paar die Idee gemeinsam weitergesponnen und ein Feriendomizil mit eigener Wein- und Olivenölproduktion geschaffen, das sie N-orma nennen.

Behutsame Renovierung

Bei der Renovierung gingen sie besonders behutsam und bedacht an die Arbeit, um die ursprüngliche Bestimmung des Anwesens mit Respekt gegenüber der Geschichte des Ortes wiederherzustellen. Die befreundete Architektin Patrizia Sbalchiero wurde hinzugezogen, um den erforderlichen Umbau umzusetzen. Dabei wurden dem Grundriss neue Funktionen zugeordnet und dennoch die puristische Ausstrahlung der Räume erhalten. Die ehemalige Kelterei wurde zur Küche, die Stallungen zu Gästezimmern mit großflächigen Fenstern, die den Blick zum Weinberg und zum neu angelegten Schwimmbad freigeben. Das rustikale Motiv zieht sich durch die insgesamt minimalistisch angelegte Raumgestaltung mit stellenweise sichtbarem Mauerwerk. Zudem werden alte Objekte und Möbel, die zum Bestand der Gehöfts gehörten, in Kontrast zu zeitgenössischen Elementen gesetzt. Die zum Gesamtkonzept gehörende Beleuchtung, die die alten Gemäuer dezent in Szene setzt, wurde von dem Designer Davide Groppi realisiert.

Wiederbelebung der Tradition

Auch bei der Wiederbelebung des landwirtschaftlichen Potenzials des Anwesens holten Andreina Lebole und Maurizio Di Gregorio Rat bei Freunden mit entsprechender Erfahrung ein. Mithilfe des Önologen Vincenzo Bambina wurde, im Sinne einer Revitalisierung der ursprünglichen Bestimmung des Landes, eine besondere rote Rebsorte gezogen. Das Resultat ist il rosso, ein Rotwein, der schon früher auf diesem Grund gelesen wurde und der dem Nero d’Avola entspricht. Bei der Olivenölherstellung half ihnen Sebastiano Giaquinta vom Unternehmen Cinque Colli.

„Ich wollte das Andenken bewahren und die Tradition respektieren, so auch die Essenz des Hauses als Ort der Begegnung, ohne das Heute zu negieren,“ erzählt Andreina Lebole, die zuvor im Designbereich gearbeitet hat. Ein Gegensatz der sich keinesfalls ausschließen muss, wie N’orma gelungen vor Augen führt.

Auf den Geschmack gekommen? Mehr aus dem großen Designlines-Themenspecial Architektur und Wein lesen Sie hier.

 

Links

Special: Wein und Architektur

Viel Körper mit langem Abgang: Designlines Special rund um Häuser, Grafik und Tableware für den Wein

www.designlines.de

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N-orma

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Patrizia Sbalchiero

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Davide Groppi

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