Menschen

Der talentierte Mr. Durst

Studiobesuch bei Sven Durst in Berlin

Sven Durst entwirft Möbel, Objekte und Bühnenbilder. Außerdem gibt er ein eigenes Magazin heraus, hat die Wohnung eines Kunstsammlers eingerichtet und arbeitet gelegentlich als Model. Wir haben den 29-jährigen Design-Quereinsteiger in Berlin-Weißensee besucht.

von Claudia Simone Hoff, 06.07.2026

Das Studio-Apartment von Sven Durst befindet sich in einer baumbestandenen Nebenstraße im Berliner Bezirk Weißensee, wo er seit einigen Jahren lebt. Es besteht aus zwei Zimmern: einem Wohnraum mit Gastro-Küchenzeile aus Edelstahl, Arbeitstisch und einigen Entwürfen des Designers, darunter Daybed, Hocker und Wandkerzenhalter. Gleich nebenan befindet sich das Schlafzimmer, das Durst mit Tatami-Matte, eigenen Gemälden und Keramikarbeiten eingerichtet hat.

Japan-Affinität
Seit der Gestalter nach dem Abitur einige Zeit in Japan verbracht hat, hat ihn seine Liebe zu dem Land nicht mehr losgelassen. Fast ein Jahr lebte er dort in einem Hostel und arbeitete als Model. Jemand hatte ihn auf der Straße entdeckt. Als Kind hatte Durst regelmäßig die Töpferwerkstatt des japanischen Keramikmeisters Kenji Fuchiwaki in seiner Heimatstadt Ludwigsburg besucht und dort erste Kurse belegt, erzählt er bei Kaffee und Croissants. Auch habe er später in Japan einige Zeit bei Fuchiwakis Eltern in Nara verbracht. Und so stehen in der Atelierwohnung neben seiner geliebten Eier-Sammlung selbst gefertigte Keramikgefäße in archaischen Formen, meist in erdigen Tönen gehalten. Außerdem gibt es einen Hocker aus Edelstahl mit einem Tatami-Kissen, das der Designer in Japan hat fertigen lassen. Er mag den Kontrast zwischen warmen Materialien und kühlen Werkstoffen, sagt er.

Herzensprojekt: 3 Objects
Dursts Einrichtungsstil ist lässig und reduziert. Es gibt nur wenige Möbel und auch Farben gibt es kaum. Stattdessen die für Berlin typischen Holzböden, Dinge aus Edelstahl und viel Weiß. Auf dem Tisch liegen zwei Ausgaben seines eigenen Magazins, das ein Herzensprojekt des Gestalters ist. Darin berichtet er über die Lieblingsobjekte von Menschen aus der Kreativbranche und fotografiert die Stories auch selbst. Und so hatte er schon Michael Stipe, Matylda Krzykowski und Sebastian Hoffmann von Tadan vor der Linse. Durst gibt zu, dass das Magazinmachen ein finanzielles Verlustgeschäft sei. Doch dafür lerne er jede Menge interessante Menschen kennen. Während die erste Ausgabe mit dem Titel What are your favourite three objects von einem koreanischen Verlag verlegt wurde, ist Durst nun für alles selbst verantwortlich. Er habe es schon immer geliebt, in Zeitschriften wie Apartamento oder Pin-up zu stöbern, erklärt er seinen Antrieb.

Auf Umwegen zum Design
Sven Durst hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin studiert, was ihm aber ziemlich schnell zu theoretisch und marketing-basiert erschien. Deshalb begann er noch während des Studiums, heimlich die Werkstätten der Hochschule zu nutzen. „Ich bin einfach in die Steinwerkstatt gegangen und habe denen gesagt, dass ich Bildhauerei studiere und mit Stein arbeiten wolle“, erzählt Durst lachend. So entstand als eine seiner ersten Arbeiten eine Skulptur aus Carrara-Marmor. Für den Bachelor-Abschluss entwarf er dann ein eigenes Magazin, das seine Erfahrungen und Gedanken zur Arbeit mit Naturstein dokumentierte – versehen mit eigenen Texten, Zeichnungen und Fotos.

Gelassenheit und Neugierde
Unterhält man sich mit Sven Durst, spürt man seine Neugier. Und gleichzeitig auch eine Gelassenheit, obwohl er zugibt, dass es nicht so einfach sei, in Berlin mit Design Geld zu verdienen. Er will sich nicht in Schubladen pressen lassen und möchte viele Dinge gleichzeitig ausprobieren. Dabei hilft ihm zuweilen auch seine Mutter. Obwohl sie aus einer ganz anderen Branche käme, hätte sie ziemlich gute Ideen, sagt der Designer, der bei unserem Gespräch ein von ihr genähtes Shirt trägt. Und so nimmt Sven Durst alles mit, was ihm begegnet auf seinem Weg. Gerade hat er sein erstes Interiorprojekt fertiggestellt.

Es lebe die Kunst: Miettinen Collection
Seit einigen Monaten arbeitet Sven Durst für die Miettinen Collection in Berlin – wegen der finanziellen Stabilität und kreativen Möglichkeiten, wie er sagt. Er hilft bei Ausstellungen, macht Führungen durch die Sammlung, betreut Stipendiaten. Und er hat die Wohnung des finnischen Kunstsammlers Timo Miettinen neu gestaltet, als dieser vom ersten Stock in eine der oberen Etagen gezogen ist. Das Apartment befindet sich in einem Altbau der Jahrhundertwende unweit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. War die Beletage zuvor eklektisch und eher kühl eingerichtet, zeichnet sich die neue Wohnung, die zugleich auch als Ausstellungsraum dient, durch eine einheitliche Gestaltung aus. Dabei trifft ein zurückhaltendes Farbkonzept auf wenige hochwertige Materialien.

Durst konnte sich für das Projekt aus dem Möbelfundus des Sammlers bedienen, in dem sich viele Vintage-Stücke von Alvar Aalto befinden. Ein paar Möbel, wie die Barhocker aus verchromtem Aluminium von Pepe Cortés aus den Achtzigerjahren, bestellte er bei Ebay-Kleinanzeigen. Leuchten von Ingo Maurer, Michael Anastassiades und Bocci wurden neu gekauft. Und natürlich darf auch ein eigener Entwurf von Durst nicht fehlen, der Ovum Chair aus Edelstahl. Für seinen Auftraggeber hat er ihn mit einer Platte aus Naturstein versehen, sodass er nun auch als Beistelltisch dient und mit der maßgefertigten Bar korrespondiert. Sie stammt ebenso von Durst wie die grifflose Edelstahltür neben der Küchenzeile, hinter der sich ein praktischer Stauraum versteckt.

Seine statt Spree?
Auch wenn ihm das Projekt für die Miettinen Collection Spaß gemacht und er viel gelernt habe: Als Interiordesigner sehe er sich eher nicht, sagt Durst. Er möchte verschiedene kreative Felder erkunden und am liebsten Objekte entwerfen – so wie die 3D-gedruckten Leuchten in Marmoroptik und die Sitzbank aus Edelstahl, die für ein Bühnenbild an der Wiener Staatsoper entstanden. „Ich bin sehr neugierig und möchte am liebsten alles ausprobieren“, sagt Durst. „Man kann nur wissen, was man wirklich machen will, wenn man verschiedene Dinge ausprobiert.“

Und so kann es sein, dass der Designer der Berliner Kreativszene bald verlorengeht. Denn auch wenn es an der Spree zunehmend mehr Player*innen und Veranstaltungen gibt – das große Geld mit Design wird woanders verdient. Sven Durst träumt schon länger davon, nach Paris zu ziehen. Natürlich weiß er, dass die Stadt an der Seine ein hartes Pflaster ist, doch Freund*innen von ihm haben den Schritt gewagt und berichten von besseren beruflichen Chancen im Kreativgeschäft. Warum also nicht? Sven Durst war schon immer spontan. Talent und Biss hat er sowieso.

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Links

Sven Durst

www.instagram.com

Miettinen Collection

Interiorprojekt von Sven Durst

miettinen-collection.de

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