Erdige Moderne
Villa im Olivenhain vom spanischen Büro Balzar Arquitectos
In der spanischen Provinz Valencia haben Balzar Arquitectos eine Villa errichtet. La Casa en los Olivos fügt sich harmonisch in eine Plantage alter Olivenbäume ein. Mit einer warmen, erdigen Architektur, die die Natur ins Innere holt. Das Sonnenlicht bringt die Raumgrenzen zum Tanzen.
Bereits in jungen Jahren haben die Bauherr*innen die Gegend rund um das Dorf Quesa immer wieder besucht. Sie liegt in der spanischen Gemeinde Valencia, nicht direkt am Meer, sondern eingebettet in eine hügelige Landschaft. Als der letzte bebaubare Olivenhain zum Verkauf stand, zögerte das Paar aus Barcelona nicht lange und griff zu. Neben Rückkoppelungen zur eigenen Kindheit ging es vor allem um eines: den Kontakt mit der Natur. Die neu zu bauende Villa sollte mit der Landschaft verschmelzen und den Charme der alten Bäume ins Innere hineintragen.
Eingebettet in die Natur
Mit Balzar Arquitectos fand das Paar die passenden Kompliz*innen für dieses Unterfangen. „Wir schaffen Räume durch elementare Formen. Indem wir die Oberflächen von Details befreien, kommen Licht und Materialien in diesen Räumen optimal zur Geltung. Dieser Ausdruck bedarf keiner Verschönerung“, erklärt José María García Zarco, der das Büro 2018 mit seinem Sohn Txema García Ballester und Laura Moreno Albuixech in Valencia gegründet hat. Für La Casa en los Olivos – so der Name des Projekts – haben sie sich für einen flachen, eingeschossigen Baukörper entschieden, der die Kronen der alten Olivenbäume kaum überragt. Um eine Wohnfläche von 215 Quadratmetern zu realisieren, wurde das Volumen in die Länge getreckt.
Mediterrane Kultur
Auffällig ist vor allem die dunkle, rötliche Färbung der verputzten Fassaden, die Assoziationen an Terrakotta erweckt. Sie verbindet das Gebäude mit der Tonalität des Erdbodens. „Drei Innenhöfe öffnen sich zum Himmel und zu den Olivenbäumen und bieten gleichzeitig Privatsphäre. Zudem schützt eine breite Veranda, die typisch für eine mediterrane Kultur in einem warmen Klima ist, vor der Hitze des Westens und fungiert als Verbindungsglied zwischen Innen und Außen“, sagt Txema García Ballester. Die Architekt*innen haben eine Passage durch das Haus hindurch geplant. Von der gläsernen Eingangstür geht es in einen Empfangsbereich und dann in den großzügigen Wohnraum. Dieser öffnet sich mit bodentiefen Schiebefenstern zur Veranda, die sich fast über die gesamte Länge des Hauses hinweg spannt.
Licht im Wasser
Auf die Veranda folgt ein Swimmingpool, der im 90-Grad-Winkel weit in den Olivenhain hineinragt. Zugang zum Becken erlaubt eine halbkreisförmige Treppe, die mit Platten aus rotem, iranischem Travertin verkleidet ist – genau wie der Boden der Veranda. Oberhalb der Treppe ist eine kuppelartige Aussparung in die Überdachung des Außenbereichs eingelassen. Sie vergrößert das dortige Raumgefühl und transferiert zugleich ein typisches Innenraum-Element hinaus ins Freie.
Orthogonale Ordnung
Der Pool definiert ein weiteres Bindeglied zwischen Architektur und Natur – und wirkt wie eine optische Verlängerung der Passage vom Eingang zur Veranda. Eine zweite Achse kreuzt die Passage im rechten Winkel. Sie führt rechter Hand des Eingangsbereichs zum Schlafzimmer, das sich über großformatige, bodentiefe Glasfronten mit dem begrünten Innenhof verbindet. Der Blick auf den Olivenhain sowie die spektakulären Sonnenuntergänge werden auf diese Weise zum Erlebnis in allen Räumen.
Ballett der Wellen
Auch der Außenpool findet ein Echo im Inneren des Hauses. Linker Hand vom Eingangsbereich haben die Architekt*innen ein quadratisches Wasserbecken angelegt. Seine Position entspricht im gespiegelten Grundriss dem Schlafzimmer in der anderen Gebäudehälfte. Die Wände sind jedoch allesamt verschlossen und mit Platten aus rotem Travertin verkleidet. Ein kleines, quadratisches Oberlicht ist in eine Raumecke eingelassen. Die Sonnenstrahlen können so direkt auf die Wasseroberfläche treffen, deren Wellenbewegungen ein mystisches Flackern auf den Wänden entfachen. Es ist ein dunkler, atmosphärischer Raum, der durch eine gedämpfte Lichtinfusion zum Leben gebracht wird. Die rötliche Farbe der Natursteins wird durch Sonnenkontakt in gesteigerter Intensität in den Raum geworfen.
Teil der Architektur
Im Badezimmer sind Wände und Boden der Dusche ebenso wie das Waschbecken mit dem gleichen roten Travertin verkleidet wie Innen- und Außenpool. Als Sitzgelegenheit dient ein Butterfly Stool von Sori Yanagi (1954), dessen rötliches Palisander-Furnier mit der Farbe des Natursteins harmoniert. Die hölzernen Türen sind in einem dunklen Grünton gehalten. Sie kommen ohne Griffe aus und schließen auf einer Ebene mit den weiß verputzten Wänden ab. Die Türen wirken somit wie ein Teil der Wand – und werden auf diese Weise in ihrer Funktion unkenntlich gemacht. Nichts soll die Präzision der Raumwirkung stören.
Stunde der Klassiker
Im Wohnzimmer treffen ein Lounge Chair und ein Elliptical Table (beide von Charles und Ray Eames aus den Jahren 1956 und 1951) auf mehrere LC1-Sessel (1929) von Charlotte Perriand, Pierre Jeanneret und Le Corbusier mit Kuhfellbezug. Letzterer wird im Schlafzimmer aufgegriffen. Auf der Veranda stehen mehrere Exemplare des Dining Chair Metal (DCM) aus der Plywood Group (1946) von Charles und Ray Eames. Ihre sanft geschwungenen Sitzflächen und Rückenlehnen aus Formholz wirken wie ein Korrektiv zur kubischen Architektur. Dasselbe gilt für die maßgefertigten Einbauschränke und die Küche, die mit abgerundeten Ecken aufwarten. Balzar Arquitectos setzen auf die richtige Balance der Gegensätze. La Casa en los Olivos ist ein Ort, der wie geschaffen ist, um nicht nur Kindheitserinnerungen ins Hier und Jetzt zu transferieren. Der Kontakt zur Natur gelingt mühelos.
FOTOGRAFIE David Zarzoso David Zarzoso
| Projektname | La Casa en los Olivos |
| Architektur | Balzar Arquitectos |
| Ort | Quesa, Valencia, Spanien |
| Projektjahr | 2021 |
| Baujahr | 2022 |
| Wohnfläche | 215 Quadratmeter |
| Terrassenfläche | 50 Quadratmeter |
| Schreinerarbeiten | Valoffice |
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