Projekte

Gezeichnete Lichtarchitektur

Dialog zwischen Realität und Vergangenheit: Alberto Caiolas Dachterrassenbar Nyx in Shanghai.

von Kathrin Spohr, 27.05.2019

Der italienische Designer Alberto Caiola hat auf einem Dach im Zentrum Shanghais einen Ort geschaffen, der Kontraste setzt: Benannt nach der griechischen Göttin der Nacht ist die Dachterrassenbar Nyx inspiriert von klassischen Architekturruinen und eingehüllt in ein Netz aus UV-reaktiven blauen Lichtbändern. So wirkt das Setting wie eine dreidimensionale, filigrane Computerzeichnung. Inmitten einer der bedeutendsten und illuminiertesten Städte Chinas, die geprägt ist von grellen Neonbeleuchtungen der Stadtautobahnen und Hochhäuser, bietet Nyx dem Nachtleben eine alternative, fast surreale Erfahrung.

Die Outdoor-Struktur, die aus Bar, Sitzelementen, Tischen und Säulen besteht, ist insgesamt mit mehr als 21.000 Metern UV-reaktiven Lichtbändern ummantelt. Schwarzlichter bringen einen virtuellen Glow, der dem von Shanghais Autobahnen bei Einbruch der Dunkelheit gleicht. Gleichzeitig erinnern die Leuchtbänder, in der Art wie sie um den Rahmen der Struktur gewickelt sind, an die typischen Kabel- und Drahtverflechtungen in Shanghai, die sowohl an Gebäuden als auch in Hängekonstruktionen in der Luft sichtbar sind. Das blaue Leuchten wird periodisch durch rote Lichtakzente ergänzt. Illuminierte Zapfhähne am Thekenelement machen außerdem auf das wichtigste Angebotssortiment der Bar aufmerksam: mehr als 20 crafted Biere.

Mit dem Design von Nyx bringt Alberto Caiola Beobachtungen aus seiner Heimatstadt Mailand ins Spiel: eine Art zeitgenössische Dualität, die historische Ruinen dort abbilden – täglich erlebbar etwa an den Säulen von San Lorenzo. Tagsüber Touristenattraktion, verwandelt sich der Ort bei Nacht zum informellen Treffpunkt junger Mailänder. Dieses Spiel zwischen Offenheit und Intimität war genau die Qualität, die die Interpretation eines antiken Ortes als atmosphärische Basis für eine moderne Bar in der dichten, 26 Millionen Einwohner Metropole relevant machte.

Links

Projektarchitekt

Alberto Caiola

www.albertocaiola.com

Fotograf

Dirk Weiblen

www.dirkweiblen.com

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