Sauberer Schnitt
Das kanadische Architekturbüro Naturehumaine verhilft einem Einfamilienhaus zur neuen Jugendlichkeit.
Das Architekturbüro Naturehumaine hat in Montreal ein Wohnhaus so umgebaut, dass mehr natürliches Licht hineinfällt und der Straßenlärm draußen bleibt. Einbauten aus Holz machen ihr Projekt Lajeunesse zu einem modernen und trotzdem warmen Lebensraum.
Aus zwei mach eins
Die Häuser in der dichtbebauten Innenstadt von Montreal ähneln einander: schlanke Reihenhäuser, die Wand an Wand mit den Nachbarn stehen. Die Innenräume sind schmal und haben lediglich nach vorne und hinten Fenster. Auch die Bauherren, die hier das Architekturbüro Naturehumaine beauftragten, leben in so einem Haus. Sie haben es geerbt, schon der Großvater wohnte hier. Doch mit der Aufteilung waren sie unzufrieden. Daher beauftragten sie die Architekten damit, zwei getrennte Appartements auf zwei Etagen zu einer familientauglichen, hellen und modernen Wohnung zusammenzulegen. Die Räume sollten mehr natürliches Licht bekommen. Und dann war da noch die laute Straße vor dem Haus. Was tun? „Einfach die Fenster zu vergrößern, wäre keine Option, denn in Montreal gibt es genaue Vorgaben, wie groß die Fenster zur Straße hin sein dürfen“, sagt Architekt Marc André Plasse. Zudem hätte das den Lärm ins Wohnzimmer geholt.
Lichtschacht als Lösung
Die Architekten, die bereits Erfahrungen mit dem Umbau ähnlicher Häuser hatten, entschieden sich also für eine unkonventionelle, aber wirksame Lösung. Sie legten einen Lichtschacht über zwei Etagen an, der in ein Oberlicht mündet. Im Erdgeschoss schützt eine transparente Wand den Wohnbereich vor Blicken von der Straße und grenzt darüber hinaus einen Vorraum ab, der im Winter als Windfang dient.
Für ein helles, freundliches Ambiente sorgen die Einbauten aus Holz nach den Plänen der Architekten. Einen fast skulpturalen Charakter hat der Handlauf der Treppe, der über eine Wand aus asymmetrischen Sperrholzflächen in einer langen Bank mündet. Sie harmoniert mit dem sechsbeinigen, wie tanzend wirkenden Esstisch. Seine Stahlrohre finden sich an der Kücheninsel wieder. Versetzte Holzplatten geben ihr ein dynamisches Aussehen. Die Holzregale im Wohnzimmer sind weiß gestrichen, der Boden aus hell getünchtem Birkenholz. Farbakzente setzen die gelben Wangen der Küchenschränke. Auch in der Schiebetür zum Vorraum finden sich der gleiche Farbton wieder.
Kreatives Kunstlicht
Für sowohl direkte als auch indirekte Beleuchtung des Essbereichs sorgt eine Konstruktion aus zwei von den Architekten gestalteten, gefalteten Stahlstäben mit schwarzen Leuchten von Pablo Studio. Während der untere Stab die Hängeleuchten hält, verfügt der obere über LEDs, die bei Dunkelheit die Decke anstrahlen und so den Raum höher wirken lassen. Für die übrige Beleuchtung sorgen in die Decke eingelassene Spots sowie versteckte LED-Streifen.
Dass die Planung schnell und reibungslos vonstatten ging, verdanken die Architekten ihren Kunden. „Wir haben sehr schnell den Plan entwickelt und eine Materialauswahl getroffen“, sagt Marc André Plasse. „Die Bauherren waren unglaublich enthusiastisch und kooperativ. Wir wollten, dass jedes Element, das wir ins Haus stellen, möglichst einfach wirkt. Viel Zeit investierten wir in die richtige Anordnung der Objekte. Es sollte sich verspielt und fließend und auf keinen Fall vollgestopft anfühlen“, sagt Marc André Plasse. Diesen Anspruch haben er und seine Kollegen von Naturehumaine mit dem Umbau eines schlichten Familienheims in eine lichtdurchflutete, moderne Wohnung erfüllt.
FOTOGRAFIE Adrien Williams
Adrien Williams
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