Postmoderne Ostereier
Italienische Ironie: der taiwanesische Beitrag der 14. Architekturbiennale.
Der taiwanesische Beitrag der 14. Architekturbiennale mit dem Titel Township of Domestic Parts: Made in Taiwan begegnet Rem Koolhaas' Rahmenthema mit der Ironie eines Alessandro Mendini: Bis an die Decke und unter den schweren Kronleuchtern des Palazzo della Prigioni in unmittelbarer Nachbarschaft zum Markusplatz strecken sich die in schrille Farben getauchten, fantasievollen Formen des taiwanesisch-amerikanischen Architekten Jiminez Lai.
Neun Häuschen mit jeweils lediglich einem einzigen Programm verstreute der Kurator in den hohen Gewölberäumen. Aus dem House of Sleep, dem House of Social Dining, dem House of Pleasure entsteht eine Nachbarschaft aus Sonderlingen in Hellgelb, Hellblau oder kräftigem Pink und Rot.
Super Möbel
Zu klein, um richtige Architektur zu sein, und zu groß für ein Möbel, betitelt Jiminez Lai seine monofunktionalen Strukturen als Super-furniture. Die übergroßen Möbel erinnern in Farben und Formen an Mendinis Banal Design oder die Designobjekte der Memphis Group. So wie die postmoderne Designgruppe rund um Ettore Sottsass in den 80ern die Funktionalität von Designobjekten in Frage stellte, behandelt Lai hier die Architektur des häuslichen Alltags in Taiwan.
Fundamentale Räume
„Wir glauben, dass das häusliche Familienleben der fundamentale Ursprung von Architektur überhaupt ist und die Gliederung der Innenräume nach verschiedenen Funktionen ein sehr modernes Konzept“, erklärt Lai den Bezug seiner Ausstellung auf Koolhaas‘ Rahmenthema Absorbing Modernity der diesjährigen Biennale. Sein Beitrag ist „ein privates Diagramm häuslichen Lebens“, in dem er die einzelnen Raumprogramme aufschlüsselt, nach außen kehrt, und so für die Öffentlichkeit sichtbar macht.
Hejduk, Venturi Scott Brown, Rossi
„Meine Häuser sind Ostereier!“, so Lai, der in Chicago das Bureau Spectacular betreibt. Bunt sind sie, aber was oberflächlich betrachtet verspielt und etwas naiv aussieht, ist tatsächlich gespickt mit Referenzen an postmoderne Ikonen wie John Hejduk, Venturi Scott Brown, Aldo Rossi und viele andere. Und wer sich auf die Suche macht, der findet sich sich dieses Jahr mitten in Venedig in der farbenfrohen Anfangszeit der Postmoderne wieder.
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