Bescheidenes Traumhaus
Für 75.000 Euro ein schönes Dach über dem Kopf: Haus am Rand von Bratislava.
Ungewöhnlich bescheiden war der Auftrag eines jungen Paares an den Bratislaver Architekten Peter Jurkovič: Sie wünschten sich bewusst ein kleines Haus. Eines, das sie an die Sommerferien auf dem Land und die einfache, dörfliche Architektur ihrer slowakischen Heimat erinnern sollte. Ihr Budget: 75.000 Euro.
„Gewisse Grundlagen der volkstümlichen Architektur haben sich über die Jahrhunderte bewährt und sind auch heute noch aktuell – vor allem, wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern möchten“, so Architekt Peter Jurkovič. „Ländliche Gebäude wurden aus lokal vorhandenen Materialien errichtet, die keine langen Transportwege verursachten – beispielsweise aus Holz, Lehm und Stroh. Da Fenster damals noch nicht so gut isoliert waren wie heute, wurden sie eher klein gehalten. Ein überdachter Vorbau, gánok genannt, bot auch im Winter oder bei schlechtem Wetter einen geschützten Raum an der frischen Luft.“
Vorausschauend zurückblicken
Jurkovič und sein Projektteam beschlossen, einige dieser Charakteristika in ihren Entwurf einfließen zu lassen. Ein spitz zulaufendes Satteldach, kleine, hellblau gerahmte Fenster sowie eine hölzerne Veranda verleihen dem kompakten Gebäude am Stadtrand von Bratislava nun seine traditionell wirkende Form. Einzig sichtbares Zugeständnis an moderne Zeiten: die durchgehend verglaste Nordfassade, die Einblick in ein überraschend strukturiertes Innenleben gewährt.
Weite trotz Enge
Das Innere organisierten die Architekten rund um einen zentralen, aus Sperrholzplatten gefertigten Service-Kern, der Badezimmer, Toilette, Treppe, einen Abstellraum und eine Küchenzeile in sich vereint. Südseitig davon liegt ein Schlafzimmer und nordseitig der Wohn-Essbereich. Über die integrierte Wendeltreppe erreicht man die Galerie unter dem spitzen Dachgiebel. Hier befindet sich ein weiteres Schlafzimmer, ein offenes Badezimmer sowie ein Arbeitsplatz mit Aussicht auf den Garten hinter der gläsernen Vorhangfassade. Große Dachfenster lassen viel Tageslicht einfallen und ermöglichen einen kontemplativen Blick in den Himmel. Insgesamt entsteht ein Gefühl von Weite und Luftigkeit, das die eigentlich geringe Grundfläche von 85 Quadratmetern in Vergessenheit geraten lässt. Der polierte Betonboden unterstreicht den loftartigen Charakter.
Weniger ist mehr
„Größer ist nicht immer besser“, meint Peter Jurkovič, und sein Entwurf gibt ihm zweifellos recht. Das kompakte Gebäude in Holzrahmenbauweise spiegelt nicht nur alle Wünsche seiner Bewohner wieder. Es zeigt auch, wie sich mit geringem Budget und ohne große Eingriffe in die Landschaft der Traum vom individuellen Eigenheim verwirklichen lassen kann.
FOTOGRAFIE Peter Jurkovič
Peter Jurkovič
Projektarchitekt
Peter Jurkovič
Mehr Projekte
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London
Beton und Behaglichkeit
BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment
Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Fifty Shades of Marble
Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier
Haus der Gegensätze
Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada