Projekte

Haute Cuisine im Industriegebiet

von Claudia Simone Hoff, 25.03.2010


Dort, wo Frankfurts Banken und Nobelgeschäfte in weiter Ferne sind, hat Juan Amador das „Atelier 3.0“ eröffnet. In der Ferdinand-Porsche-Straße 13 mitten im Industriegebiet kann der interessierte Laienkoch sich beim Meister Anregungen holen und auch selbst schneiden, werkeln, ausprobieren und in die hohe Kunst der Sterne-Gastronomie hineinschnuppern. Hier wird gekocht im Design alla Italiana, denn der italienische Küchenhersteller Boffi übernahm die Innenraumgestaltung und lieferte das luxuriöse Kücheninventar für die Neuinterpretation des Kochstudios.


Der Ort: Nicht in der Mitte, sondern am Rande
 
Auf insgesamt 650 Quadratmetern breiten sich die Räume im zweiten Stock eines Backstein-Neubaus in industrieller Anmutung in Frankfurt-Fechenheim aus – dort befindet sich auch das Ein-Raum-Hotel Amador-Suite. Dominiert wird das „Atelier 3.0“ von einem loftähnlichen Raum, in dem sich die Küche samt Sitzgelegenheiten – Sofas, Holztische und -Bänke von lupus73 – befindet. Hier schlägt das Herz des Projekts, mit dem Amador vor vier Jahren an den Start ging. Nun war es Zeit für eine Überarbeitung des Interieurs: „Im Atelier 3.0 finden unsere Gäste viel mehr als eine Kochschule. Hier haben sie die Möglichkeit zum Ausprobieren, Entwickeln und Entdecken. Wir geben ihnen Raum für kulinarische Entdeckungen, sei es nun bei einem Kochkurs, einer privaten Feier oder bei einem Firmen-Event“, so Amador.

Das Konzept: Kochen als Erlebnis
 
Er betreibt die Kochschule zusammen mit Stefan Bönninghausen, seinem Marketing-Manager, und Joachim Bätz, dem ehemaligen Leiter der größten Kochschule Deutschlands, der ebenfalls in Frankfurt ansässigen „Genussakademie". Bätz ist im „Atelier 3.0“ auch für den Einkauf und die Zusammenstellung der Nahrungsmittel zuständig. Diese kommen vorrangig aus der Region, wobei der Spitzengastronom neben der Qualität besonderen Wert auf die ökologische Herkunft von Fleisch, Fisch und Gemüse legt.

Im „Atelier 3.0“ kann der Gast entweder selbst den Kochlöffel schwingen oder bekocht werden vom professionellen Küchenteam. „Hinter den Kulissen einer Profiküche“ – so lautet das Motto des „Atelier 3.0“. Und was gibt es dort nicht alles an Kursangeboten zu entdecken: „Kochen mit Juan Amador“, „After Work Küche“, „Grillparty“, „Neptuns Schätze“, „Moderne Klassiker“ oder schlicht „Hummer“ heißen die Themen. Bis zu 150 Gäste können sich im „Atelier 3.0“ aufhalten, ein aktiver Kochkurs ist möglich für bis zu 50 Personen. Tableware hat Amador für bis zu 30 Personen vorrätig – darunter Porzellan von Reichenbach und Kahla, Gläser von Schott Zwiesel sowie Silberbesteck von WMF und Robbe & Berking – alles andere kann bei Bedarf gemietet werden.
 
Die Küche: Mobiliar von Boffi, Elektrogeräte von Gaggenau
 
Amador entschied sich beim Küchenmobiliar für den italienischen Luxushersteller Boffi. Mit einem Showroom in der Frankfurter Innenstadt vertreten, stand ihm mit dem Shopmanager Dario Galante ein erfahrener Küchenplaner zur Seite. In monatelangen Gesprächen, Analysen und Diskussionen entstand so die maßgeschneiderte Küche. Boffi und Amador sind bei diesem Projekt eine Kooperation eingegangen, was unter anderem bedeutet, dass der italienische Küchenhersteller im „Atelier 3.0“ gelegentlich Veranstaltungen ausrichten wird, wie Galante im Gespräch erzählt. Visuelles Kernstück der Innenraumgestaltung ist das links vom Eingang positionierte Table System von Boffi, das Piero Lissoni entworfen hat. Im „Atelier 3.0“ kommt eine roh belassene Holzarbeitsplatte zum Einsatz, die dazu einlädt, die vorher gemeinsam zubereiteten Speisen angemessen zu präsentieren. Die eigentlichen Kochstellen, die sich vor dem Umbau an dieser Stelle befanden, sind dem gestalterischen Eyecatcher „Table System“ gewichen.

Hinter der Arbeitsplatte sind an einer Wand Kühlschrank, Weinkühler und Gefrierschrank untergebracht; rechts vom Eingang die eigentliche, grifflose Küche mit vier separaten Monoblöcken, auf denen die Koch- und Arbeitsplatten angeordnet sind. Hier kann sich der (Hobby-)Koch über frei positionierbare Vario-Kochfelder oder ein Teppan Yaki für japanische Gaumengenüsse oder Kurzgebratenes freuen. Zusätzlich befindet sich in dieser Raumeinheit ein Schrankmodul, in dem Kühlschrank, Dampfgarer, Backofen und Geschirrspüler untergebracht sind. Eine Abzugshaube von Gaggenau, die speziell auf die Anforderungen des „Atelier 3.0“ angepasst ist, befindet sich in der Entwicklungsphase. Das Küchenmobiliar besticht durch weißen Mattlack, der mit Edelstahlflächen kombiniert wurde. Für einige Oberflächen wählten Amador und Galante den acrylgebundenen Mineralwerkstoff Corian, der besonders widerstandsfähig und robust ist.
 
Der Clou: Kochen auch für Frauen
 
Und, als wenn wir es immer schon geahnt hätten: Die Frau wird verdrängt aus der Küche. Nicht nur, dass sich immer mehr Männer eine anspruchsvolle und kostspielige Küche à la Porsche und Poggenpohl in die Wohnung stellen (auch wenn sie vielleicht gar nicht darin kochen) und die meisten Spitzenköche sowieso männlich sind, es gibt im „Atelier 3.0“ auch einen Kochkurs namens „The Meat Academy“. Dabei sind – wie der Untertitel verrät – durchaus auch Frauen willkommen: „Not only für Men“ heißt es dort. Um was es geht? Um eine der letzten Männerdomänen, das Grillen von Fleisch. Aber welche Frau würde sich nicht auch für ein „rückwärts gebratenes Bisonroastbeef mit Vadouwan, Maisbrotcrostino, geröstetem Mais, gedörrter Tomate mit Majoranhonig und Tomatenessigjus“ erwärmen?
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Links

Projekt

Atelier 3.0, Frankfurt a. M.

www.atelier-3.de

Küchenplanung

Boffi, Frankfurt a. M.

www.boffi-frankfurt.de

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