Best-of Tableware 2026
Von Achtzigerjahre-Wolken, handwerklichen Fundstücken und braun-beigem Mainstream
Das Jahr ist noch jung, doch das Messekarussell bereits in vollem Gang: Maison & Objet, Ambiente, Matter and Shape. Bei all diesen Veranstaltungen werden auch Neuheiten für den gedeckten Tisch und Wohnaccessoires gezeigt. Wir haben einige Highlights herausgepickt – und einen kritischen Blick auf die Branche geworfen.
Vasen, Becher und Teller lassen sich nicht neu erfinden – das zumindest steht fest. Und doch drängen seit Jahren auch Hersteller in das Tableware-Business, die damit ursprünglich nichts zu tun hatten. Denn mit dem vermeintlichen Kleinkram lässt sich einfacher Umsatz generieren als mit Möbeln, Leuchten und Teppichen. Die kleinformatigen Stücke lassen sich kurzerhand austauschen und sind beliebte Mitbringsel. Dabei treffen handgefertigte Objekte aus dem hochpreisigen Segment auf massentaugliche Produkte von Labels, die Trends – ähnlich wie in der Fast Fashion – rasch aufgreifen und zumeist in Fernost produzieren.
Elena Cutolo, Tea Architecture, Bosa
Achtung, die Achtziger!
Die Achtziger sind zurück – man mag es kaum glauben. Jedenfalls, wenn man sie noch live und bei vollem Bewusstsein miterlebt hat. Mit leichtem Grauen erinnert man sich an die eine oder andere Geschmacklosigkeit wie Weiße-Wolken-Hellblauer-Himmel-Dekore oder gepresste Glaskelche mit roten oder blauen Stielen. Aber es scheint, dass solche Produkte gerade in schwierigen Zeiten zu einer Art Sehnsuchts- und Zufluchtsort geworden sind. Deshalb entdeckt man im Portfolio von Ichendorf Milano Sektgläser mit ebensolchen kunterbunten Stielen. Ähnliche Kelche – nur mit einem Goldrand und strukturiertem Glas „verfeinert“ – finden sich in der Kollektion Palermo von Lyngby.
Wouters & Hendrix, Les Objets Mouleversants, Serax
Auch das hellblaue Wolkenmuster ist wieder da. Wer als Jugendlicher Keramikbecher von Leonardo gesammelt hat, weiß, wovon die Rede ist. Dem einen mag es grauen, doch eine jüngere Generation wird vielleicht erfreut aufseufzen beim Anblick der Kollektion Les Objets Mouleversants, die Wouters & Hendrix für Serax gestaltet hat. Darunter haben wir ein beinahe klassisches Kaffeeservice entdeckt – eine ziemlich gewagte Mischung von besagtem Wolkenmuster mit einer Form, die an Entwürfe von Rosenthal erinnert, die heute aber eigentlich keiner mehr haben will.
Trace von Ichendorf Milano
All’italiana: Minimalismus mit Twist
Wo ein (extrovertierter) Trend ist, gibt es immer einen Gegentrend. Zwar dominiert in unserem Alltag nach wie vor ein funktionaler Minimalismus in der Tradition von Bauhaus, Dieter Rams und Jasper Morrison, doch als Gegenentwurf rückt zunehmend ein spielerisches Element in den Fokus. Das zeigt sich nicht nur im Rückgriff auf die Formsprache der Achtzigerjahre, sondern auch in mutigen Farbkombinationen und haptisch eigenwilligen Oberflächen.
Como von Dibbern
Ohne Emotionen geht auch im Tableware- und Accessoire-Design längst nichts mehr. Das zeigen die Wand- und Tischuhrenkollektion Danza von Jaime Hayon sowie die weiße Keramikkaraffe Pellicano, die der spanische Designer ebenfalls für Bosa entworfen hat. Letztere ist mit einem zugespitzten Ausguss versehen, der im Zusammenspiel mit einem andersfarbigen, runden Deckel an den abstrahierten Kopf eines Pelikans erinnert. Dass gerade Bosa einen Schuss Humor ins zeitgenössische Tableware-Gestaltung bringt, ist im Rückblick auf die italienischen Designtraditionen aber kein Zufall.
Alltagstauglich: Geschirr der Frankfurter Keramikerin Viola Beuscher
Ohne Ecken und Kanten
Wo der Minimalismus mit Twist und Achtzigerjahre-Revival noch einen ziemlich hohen Anspruch an die Gestaltung zeigen, ist das Gros der Tableware-Produkte inzwischen im alltagstauglichen Allerlei angekommen und löst bei Fachkundigen nur noch ein müdes Gähnen aus. Denn es gilt anscheinend noch immer: Je mehr Mainstream, desto besser die Verkäufe. Das haben die großen skandinavischen Labels schon vor Jahren – und vor allen anderen – erkannt. Und dann die Marketingmaschinerie in Gang geworfen.
Rhombe im Farbton Earth von Lyngby
Niemand setzt so effektiv und professionell wie diese Labels Produkte in massenkompatible Bildwelten um, die außerdem höchst Instagram-tauglich sind. Zwar spricht man heute nicht mehr von „Hygge“, macht aber in alten Stiefeln einfach weiter. Will heißen: Alles ist sehr moody in Braun- und Beigetöne getaucht, im wahrsten Sinne des Wortes ohne Ecken und Kanten. Erdfarben finden sich bei Lyngby mit Rhombe Earth, bei Hay mit Barro und auch in der neuen Kollektion von Ferm Living.
Happy 90! Alvar Aalto, Aalto Bubble Vase, Iittala
Handwerk mit Seele
Handwerklich gefertigte Dinge sind Nischenprodukte und werden es wohl immer bleiben – auch im Tableware- und Wohnaccessoire-Bereich. Der Herstellungsaufwand lässt meist nur eine Kleinproduktion und dementsprechend hohe Preise zu, die nicht für jeden erschwinglich sind. Doch sie haben etwas, das industriell hergestellten Dingen meist fehlt: eine Seele. Nicht auf kurzfristigen Profit ausgelegt und keinem kurzweiligen Trend folgend, sind sie so nachhaltig wie ein Produkt wohl nur sein kann. Handgefertigte Objekte sind voller Emotionen – auch weil man weiß, wie viel Talent und Zeit in ihrer Herstellung steckt. Deshalb ein Wunsch zum Schluss: Kauft bewusster, schaut den Handwerker*innen über die Schulter und helft dabei, das Verständnis für den Wert der Dinge wieder zu verbreiten.
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