imm cologne 2016: Radio Stars
Bluebird, Schneewittchensarg und Poe: Ein Rundgang durch die grandiose Geschichte des Radiodesigns.
Dass Design-Größen heute freiwillig Radio-Apps gestalten, ist eher unwahrscheinlich. Anders war es bei Radiogeräten. Ihnen haftete etwas Episches an. Wer die Namen Ray und Charles Eames hört, hat zunächst Mid-Century-Möbel vor Augen. Ihre Stühle aus verformtem Schichtholz etwa. Umso mehr erstaunt es, dass sie auch Holzradios mit derselben Technik konstruierten. Drei dieser seltenen Beispiele sind nun neben einer Reihe weiterer Spezialitäten in der Ausstellung Radio Zeit im Museum für angewandte Kunst Köln zu sehen.
Vor genau 120 Jahren wurden die ersten Worte an eine Empfangsstation gesendet. „1896 gab es innovative technische Komponenten, mit denen man erstmals über eine große Distanz Stimmen und Geräusche hören konnte. Die wollte natürlich jeder haben. Aber die Form dafür fehlte“, erklärt Kuratorin Romana Breuer. Es gab keine gestalterischen Referenzen. Ein Gehäuse, welches einzelne technische Radio-Komponenten angemessen, also stör- und staubfrei verpackte, musste erst gefunden werden. Breuer: „Das ist für mich eine Heldentat im Design.“
Anfang der 1920er Jahre gingen Europas erste Sendestationen an den Start. Schnell wuchs der Bedarf an Radios: Bereits 1927 gab es über eine Million Hörer. Das erste Massenmedium war geboren. Breuer: „Radiohören hatte etwas magisches“. Denn einst war der Gang ins Kino die einzige Möglichkeit, Nachrichten aus aller Welt zu erfahren. „Plötzlich konnte man Informationen und Musik im eigenen Zuhause abrufen. Die Welt wurde kleiner“, sagt Breuer.
Entflammbare Klangmöbel
Hochformatige Radiokisten aus Holz, sogenannte Röhrenempfänger, zählten zu den ersten Geräten. Manche zeigten Bezüge zur Art-déco-Architektur und wurden zu repräsentativen Kleinmöbeln geadelt. Da sie bei Überhitzung auch mal in Flammen aufgingen, musste ein anderes Material her. Die nächste Generation wurde aus vollsynthetischen Kunststoffen hergestellt. Dabei durchliefen Radios eine wechselhafte Geschichte. Ende der 1950er Jahre durften sie auch zu gigantischen Objekten mutieren, wie etwa die „Konzerttruhe“ Kuba Imperial Komet, eine Fernseh-Radio-Kombination aus dem Jahr 1957, zeigt. Das Design orientierte sich stets an den Trends der Stunde. Kein Wunder also, dass nun, im Zeitalter von Internetradio und Smartphone, der Apparat zu verschwinden droht.
Die Ausstellung vereint rund 200 Exponate – von reinen Komponenten über hölzerne Kisten, dunkle Klangkästen, leuchtende Designobjekte, opulente Musiktruhen, kultige Kombi-Geräte bis hin zu winzigen Spaßgeräten von namhaften Designern wie Norman Bel Geddes, Achille und Pier Giacomo Castiglioni, Hans Gugelot, Raymond Loewy, Dieter Rams, Richard Sapper oder Philippe Starck. Die chronologisch angelegte Präsentation gliedert sich in 20 Stationen, die auch anhand zeittypischer Rauminszenierungen vertiefende Einblicke in die Welt des Radios geben, Hörstationen mit historischen Aufnahmen aus den Archiven der Rundfunkanstalten inklusive.
Einen chronologischen Rundgang durch die Radiogeschichte finden Sie in der Bildergalerie über diesem Text.
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