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Kinder, Kinder!

von Claudia Simone Hoff, 06.04.2009


Spinatverschmierte Münder, patschig-verklebte Händchen und Erdbeeren, die auf den Boden kullern. Wenn Kinder essen lernen, sieht das nicht immer schön aus und schlecht entworfenes Design – kann heißen ergonomisch Unpraktisches und ästhetisch Unschönes – tut sein Übriges, um Eltern um den Verstand zu bringen. Einige Hersteller von Küchenmöbeln und -accessoires haben dieses Problem erkannt und Produkte auf den Markt gebracht, die beides können: schön und praktisch zugleich zu sein.



Universal Design für die Kleinen

Design für Kinder, gerade wenn es mit dem Thema Essen und Nahrungsaufnahme zu tun hat, unterliegt gewissen praktischen Voraussetzungen und damit sinnvollerweise einem am Kind orientierten Gestaltungsansatz im Sinne des Universal Design. Im Idealfall sollte Kinderbesteck und -geschirr stabil, das heißt unzerbrechlich, ergonomisch für die kleinen Hände geformt und spielerisch sein, im besten Fall sogar Spaß machen. Dabei sind die einfache und intuitive Handhabung, die Minimierung von Risiken und negativen Konsequenzen zufälliger oder unbeabsichtigter Handlungen, sensorisch wahrnehmbare Informationen sowie ein niedriger körperlicher Aufwand wohl die wichtigsten Kriterien der Gestaltung und zudem einige Prinzipien des Universal Design.

Dass Geschirr und Besteck für Kinder dazu aber auch noch gut aussehen kann bzw. sollte, beweisen die Produkte einiger Hersteller, die den mit Elefanten, Barbies und Bärchen verzierten Schrecklichkeiten den Garaus machen. Und diese sehen dann glücklicherweise auch nicht aus wie speziell für Kinder gemacht, sondern fügen sich stimmig in das Wohnambiente der Eltern ein – und schaffen es trotzdem kindgerecht zu sein.

Blümchen und Bienchen sind am Ende


Eines ist klar: Design für Kinder – im Möbel- wie im Accessoire-Bereich – ist en vogue und mit den Kleinen und ihren besorgten und sorgenden Eltern lässt sich eine Menge Geld verdienen: So gibt es beispielsweise die Klassiker „Panton Chair“ von Vitra und das Sofa „Togo“ von Ligne Roset auch im Kleinformat. Es ist daher nur eine logische Konsequenz, dass es Küchenartikel wie einige Besteck-Klassiker in der Kinderversion gibt. Das 1959 von Peter Raacke entworfene Besteck „mono“ oder das 1957 von Arne Jacobsen gestaltete und vom dänischen Hersteller Georg Jensen produzierte Besteck sind solche Beispiele. Sie erscheinen im Kleinformat genauso schön und gestalterisch ausgewogen wie die Erwachsenenversion. Und alle sind zufrieden: Die Eltern, weil sie ihren distinguierten Designanspruch erfüllt sehen, die Kinder, weil sie sich stolz in die Welt der Erwachsenen einreihen können – zumindest beim Besteck.

Schön und praktisch zugleich

Beim Kinderbesteck „Yummy“ von Auerhahn handelt es sich um ein Set bestehend aus Messer, Gabel und zwei Löffeln. Kindgerechte Proportionen und großzügig dimensionierte Griffe – in mattem oder poliertem Edelstahl erhältlich – zeichnen das von Daniel Eltner gestaltete Esswerkzeug aus. Geschwungen und asymmetrisch ist es ein die Hände und Sinne anregendes Spiel- und Esswerkzeug. Ebenso durch seine runde Formgebung besticht das „Dinner“-Kindergeschirr des japanischen Designers Naoto Fukosawa für den italienischen Hersteller Driade. Aus Melamin gefertigt, also unzerbrechlich, besteht es aus einem Tablett, flachem und tiefem Teller, Becher und Besteck. Alle Essinstrumente sind also in einem Set vorhanden und auch ästhetisch zusammengefasst.

Im Unterschied dazu sind Becher und Teller des Kindergeschirrs „Rebel“ vom dänischen Hersteller Stelton aus Porzellan gefertigt. Damit der Teller nicht gleich vom Tisch gefegt wird und am Boden in 1000 Stücke zerbricht, wurde er mit einer Gummiunterlage versehen, die Stabilität verleiht. Der gestalterische Clou ist jedoch der Tellerrand: Konkav entworfen, kann er verschüttetes Essen auffangen. Diese Formensprache wiederholt sich bei Löffel und Becher, so dass ein zusammenhängender ergonomischer Ausdruck entsteht. Dass Kinder durch kantige Griffe schnell ermüden, erkannte auch der dänische Hersteller Rosendahl. Kay Bojesen entwarf einen Essenschieber und Babylöffel für die Allerkleinsten: „Der flache Griff liegt ganz anders, auf richtige Art und Weise zwischen den Fingern und den Händen“, so der Designer.

Ein anderes wichtiges Kriterium des Universal Design erfüllt der mit dem amüsanten Namen versehene Kinder-Hochstuhl „Sibis Alfons der Afrikaner“ von Sirch, der aus Birkensperrholz und Stahl gefertigt wird und sich gut in Esszimmer und Küche macht: Er ist flexibel im Gebrauch. Ist der Hochstuhl doch so angelegt, dass im Lauf der Zeit – mit dem Heranwachsen des Kindes – seine Nutzung verändert werden kann. Aus dem Kinder-Hochstuhl wird dann, ermöglicht durch eine herausnehmbare Rückenlehne und vordere Sicherung, ein Barhocker.

Wie man von einem Puzzle essen kann


Auch wenn viele es verfluchen, es soll ja Kinder geben, die es lieben: das Puzzle. Der dänische Hersteller Royal VKB hat wohl deshalb das „Puzzle Dinner Tray“ auf den Markt gebracht. Messer, Gabel, Löffel und Trinkbecher – in den Gute-Laune-Farben Grün, Türkis und Weiß gehalten – sind mit herausstehenden roten Knöpfen versehen und müssen passgenau wie ein richtiges Puzzle in die Vertiefungen des Tabletts gelegt werden. Für Kinder sicherlich ein kniffliger Riesenspaß, für Eltern mitunter eine Geduldsprobe. Und dabei beruhigt auch gutes Design nicht.



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Links

Schwerpunkt Universal Design

www.designlines.de

The Center for Universal Design

North Carolina State University

www.design.ncsu.edu

Mamamoto

www.mamamoto.de

Kinderprodukt

"Kid's Stuff" von Alfredo Häberli

www.designlines.de

Buchtipp

Play all Day - Design for Children

www.gestalten.com

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