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Best-of Maison & Objet 2022

Die Neuheiten der Pariser Einrichtungsmesse

Bei der Pariser Einrichtungsmesse Maison & Objet standen die Zeichen auf Heiterkeit, was keineswegs nur am sonnigen, fast schon sommerlichen Wetter lag. Das Zuhause wird als eine Wohlfühlzone verstanden, die energetisch und beruhigend zugleich sein will. Die Liaison mit der Natur wird weiter intensiviert – wie die von uns entdeckten Produktneuheiten zeigen.

von Norman Kietzmann, 30.03.2022

Die Pariser Einrichtungsmesse Maison & Objet ist wie ein großer Schwamm. Sie saugt alles in sich auf. Möbel, Leuchten, Küchenutensilien, Stoffe, Accessoires und Dekorationsartikel in allen erdenklichen Formen und Farben. Und nicht nur das: In diesem Jahr adoptierte die Messe, die vom 24. bis zum 28. März veranstaltet wurde, auch noch die im Stadtgebiet verteilten Events unter dem Motto Maison & Objet in the City. Das galt nicht nur für die Aussteller, die früher auf dem Messegelände Parc des Expositions vertreten waren und sich dieses Mal (noch) für einen Auftritt im eigenen, festen Showroom in der Stadt entschieden haben. Auch andere Hersteller wurden mit einbezogen, für die eine Messeteilnahme bisher nicht infrage kam. Alle sind nun mit dabei, so der Tenor.

Das Möbel, Teil 1
Die 2020 gegründete Marke La Manufacture hat unter der kreativen Leitung von Luca Nichetto ihre Kollektion deutlich ausgebaut. Im Showroom unweit der Opéra Garnier wurde die Möbelserie Oaze von Ana Moussinet vorgestellt, die ein asymmetrisches Sofa umfasst, das an weich geschliffene Kieselsteine erinnert. Die passenden Beistelltische verfügen über Platten aus Lavastein mit emaillierten, grün-schwarzen Farbverläufen.

Nur einen Steinwurf von der Place de la République entfernt, zeigte Pulpo in den Studioräumen der Filmproduktionsfirma CØR seine Neuheiten, darunter der Beistelltisch Tavolino2 von Julia Chiaramonti mit wellenförmigem Sockel, der Assoziationen an eine „vermöbelte“ Raupe erweckt. Der von Studio BrichetZiegler gestaltete Sessel Pilota verfügt über einen Sockel aus gewalzten Metallblechen, die in einer grünen Glanzfarbe an das Außenskelett eines Käfers denken lassen. Die beidseitig auskragende Sitzfläche kann mit Leder, Cord, Kunstpelz und Wolle bezogen werden. Mit ihrer sanften Biegung wandelt die auf formalen Spuren eines Rochens.

Das Möbel, Teil 2
Fließenden Konturen folgt auch die Tischserie Leyden von Bruno Moinard Éditions. Der eigentliche Clou ist jedoch eine zeitgemäße Interpretation klassischer Intarsienarbeiten. „Mahagoni, Eiche und Nussbaum bilden abstrakte Muster, die gleichzeitig locker und rhythmisch wirken, wie ein großes Pop-Puzzle!“, erklärt der Pariser Gestalter Bruno Moinard.

Für Zuwachs bei der Terrassen- und Gartenmöblierung sorgen Paola Navone und ihr in Paris ansässiges Studio Otto. Für die französische Möbelmarke Chaises Nicolle haben sie den 1933 entworfenen Arbeitsstuhl Nicolle um eine Version aus perforiertem Metall ergänzt. Für die Innenraumvariante sind zwei Metallfedern unterhalb der Sitzfläche hinzugekommen, die der markanten Rückenlehne (Ihre Form erinnert an eine aus dem Wasser ragende Walflosse.) zusätzlichen Komfort verleiht.

Die Leuchte
Mit geheimnisvollen Qualitäten wartet die Leuchte Focus von DCWéditions auf. Der Entwurf des japanischen Designers Yuji Okitsu gleicht einem Mobile mit wahlweise drei oder fünf illuminierten Scheiben. Die Lichtquelle sitzt an der Innenseite dünner Metallringe, während durchsichtige Kunststofflinsen an den Seiten für eine perspektivische Verzerrung sorgen. „Was wäre, wenn die Planeten nichts anderes als Seifenblasen wären, die auf ihrer Reise durch die Zeit intakt geblieben sind?“, fragt der französische Hersteller.

Von Samurai-Helmen inspiriert ist die Tischleuchte Visiere, die Sergio Asti 1968 für Martinelli Luce entworfen hat und die nun, ein Jahr nach dem Tod des Designers, wieder neu aufgelegt wird. Drei übereinander platzierte Halbkugelschirme leiten das Licht weich und blendfrei auf die Tischoberfläche. Die grafische Silhouette erschließt sich nur beim Blick von der Seite. Von oben betrachtet wirkt die Leuchte wie eine schwebende Hemisphäre.

Sport und Spiel
Zwei Arten von Ausstellern haben auf dieser Maison & Objet besonders an Präsenz gewonnen. Die einen – wie das Berliner Label Kenko oder der polnische Hersteller Pent Fitness – produzieren elegante Fitnessutensilien. Hanteln, Kettlebells und Ringe werden aus Walnuss, Ahorn und poliertem Edelstahl gefertigt: hochwertigen Materialien, die sich in die häusliche Umgebung einfügen und keine stilistischen Fremdkörper bilden. Statt sie zu verstecken, werden sie wie kleine Skulpturen auf dem Sideboard präsentiert und selbstbewusst an die Wand des Covid-Fitness-Raums – dem Zuhause – gehängt.

 
Eine weitere Kategorie bilden Spieltische für Billard, Tischfussball oder Tischtennis. Hersteller wie FAS Pendezza, RSBarcelona oder Impatia veredeln die raumfüllenden Utensilien mit massiven Holzgestellen, gläsernen Einlagen oder ledernen Einfassungen. Auch hier werden klassische Außer-Haus-Spiele in die häusliche Umgebung implementiert, was keineswegs allein in einem materiellen Upgrade mündet. Passende Abdeckungen verwandeln die Spielgeräte in großzügige Esstische, die zum Teil auch draußen im Garten oder auf der Terrasse dauerhaft platziert werden können.


Die Fliese
Die Raumgrenzen kommen in Bewegung. Für dynamisches Flirren sorgen die Fliesen der Collezione Studio Ko, die das gleichnamige Pariser Architekturbüro für Bisazza entworfen hat. Die Fliesen werden in drei Mustern aus hellgrauem, dunkelgrauem und gelbem Marmor zusammengefügt. Mit ihren spielerischen Kompositionen aus Rechtecken, Dreiecken und Halbkreisen erweisen Karl Fournier und Olivier Marty, die Gründer von Studio Ko, dem Werk von Gio Ponti Referenz.

Abwechslung bringt die Kollektion *In mov an Wand und Boden, die Cecilia Alemagna für den sizilianischen Hersteller Romano Pavimenti gestaltet hat. Die quadratischen oder hexagonalen Keramikfliesen warten mit unregelmäßigen Linien- und Punktmustern auf, die lebendige, nicht repetitive Kompositionen selbst auf großzügigen Flächen erlauben

 
Der Teppich
In eine atmosphärische Farbwolke taucht Jan Kath mit der Teppichserie Spectrum ein. Die vom Polarlicht inspirierten Böden werden in Nepal handgeknüpft und verbinden bis zu 40 Farben zu weichen Übergängen. Mit betont dreidimensionalen Oberflächen warten die Teppiche aus der Serie Rete, Punto croce e Camouflage von Ethimo auf. Die Entwürfe von Paola Navone sind aus recycelten PET-Flaschen gefertigt und unbedenklich im Außenbereich einsetzbar. Die plastischen Rautenmuster verwandeln die Böden in flauschige Reliefs – in drei verschiedenen, zementgrauen Farbtönen.


Die Vase
Auf den Charme der Imperfektion setzt die Keramikerin Marie Michielssen mit der Vasenserie Héléna für Serax. Die zylindrischen Gefäße verfügen über betont breite Hälse und sind in fünf verschiedenen Größen erhältlich. Ihre dunkelbraune, fast schwarze Glasur ist stark glänzend, wodurch die Unregelmäßigkeit der handgeformten Oberflächen betont wird.


Auf archaische Wirkung setzen die Betonpflanzengefäße aus der Kollektion Bulbi, die Studiopepe für Ethimo entworfen hat. „Der Name (Lateinisch, Plural für „Zwiebel“, Anm. d. Red.) ist eine formale Referenz und zugleich eine Anspielung auf Themen wie Ernährung, des Wachstums und Natur – im reinsten Sinne des Wortes. Die gewählten Farben betonen die fast primitive Textur des Materials“, erklärt Chiara Di Pinto, eine der beiden Gründerinnen des Büros. Der Lockruf der Natur scheint grenzenlos.

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Links

Maison & Objet

www.maison-objet.com

Maison & Objet 2020

www.baunetz-id.de

Maison & Objet 2019

www.baunetz-id.de

Maison & Objet

Best-of Tablewear

www.baunetz-id.de

Maison & Objet 2018

www.baunetz-id.de

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