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Light+Building 2010

von Katja Neumann, 16.04.2010


Alle zwei Jahre trifft sich
in Frankfurt auf der Light+Building alles was in der Licht- und Beleuchtungsbranche Rang und Namen hat. Und in diesem Jahr waren die Erwartungen besonders groß, denn die Messe ist die erste große Veranstaltung für die Lichtbranche nach dem Inkrafttreten des sogenannten „Glühlampenverbots“. Schon vor Beginn der Messe war klar, dass sich in diesem Jahr alles um das Thema LED drehen würde. Mit Spannung wurde erwartet, welche Alternativen sich Hersteller und Designer haben einfallen lassen und wie sie die neue LED-Gestaltungsfreiheit nutzen würden. Heraus kristallisierten sich drei Bereiche, in denen die LED die Beleuchtung, deren Einsatz und das Design tatsächlich revolutionieren: Die Lichtinszenierung, die individuelle Lichtsteuerung und LED als Ersatz für die Glühlampe.

Es war voll und es herrschte eine optimistische Aufbruchstimmung. Die Light+Building bestätigte die Licht- und Beleuchtungsbranche in dem, was bereits alle irgendwie spürten. Die LED, auf der Messe 2008 noch als Leuchtmittel der Zukunft propagiert, ist in der Gegenwart angekommen. Technisch hat sich die Leuchtdiode in diesen zwei Jahren rasant entwickelt, sodass LEDs heute nahezu überall eingesetzt werden können: in der Außenbeleuchtung, bei großflächigen Fassadeninszenierungen, in Shops und Büros und nicht zuletzt im privaten Wohnbereich.

Die LED bringt neue Herausforderungen mit sich

LEDs sind klein, kostengünstig, energieeffizient und langlebig. Mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 50 000 Stunden eröffnen sich auch völlig neue Möglichkeiten im Design. Leuchten, die bis vor einigen Jahren noch unabdingbar ein vergleichsweise großes Leuchtmittel integrieren mussten, kommen nun mit winzig kleinen Lichtpunkten aus, die für das Auge als technisches Element gar nicht mehr zu erkennen sind, wie bei der Leuchte „Cielo“ von Philips, die mit herkömmlichen Leuchtmitteln nicht zu realisieren gewesen wäre. Durch ihre lange Lebensdauer können LEDs zudem vollständig in die Leuchte verbaut werden, da der Wechsel des Leuchtmittels entfällt.  50 000 Stunden entsprechen schließlich mehr als fünf Jahren Dauerbetrieb. Doch genau an diesem Punkt tritt ein Problem zu Tage, das zunächst nicht bedacht wurde: Dem Verbraucher fehlt das Vertrauen in die neue Technik. Eine Leuchte, bei der man das Leuchtmittel nicht auswechseln kann, erscheint vielen suspekt. Daher sind Hersteller wie Zumtobel, Siteco oder iGuzzini dazu übergangen, auf ihre LED-Leuchten eine Garantie von fünf Jahren zu gewährleisten und damit ihr eigenes Vertrauen in die LED und deren Zukunft zu signalisieren.

Lichtinszenierung und -steuerung


Ein eindeutiges Statement für die LED bot auch Philips. Der Hersteller präsentierte in diesem Jahr ausschließlich LED-basierte Lichtlösungen und zeigte durch hohe, mit Stoff bespannte und in sanften Farbwechseln erstrahlende Stellwände auf dem Stand, wie sich durch Licht die Umgebung eindrucksvoll inszenieren lässt. Ebenso Zumtobel und deren auf LED spezialisierte Tochter Space Cannon, die große LED-Flächen mit Bilder, Inhalten und atmosphärischen Farben bespielten. Durch die LED-Technologie entstehen eine Reihe neuer Möglichkeiten, Licht zu inszenieren. Doch um diese auch steuern können, erfordert es leicht bedienbare Lichtsteuerungswerkzeuge. Daher präsentierten einige Hersteller intuitiv zu bedienende Elemente, über die sich die Beleuchtung ganz nach Belieben einstellen lässt. Philips präsentierte mit „To Be Touched“ ein Steuerungselement, das durch Berührung mit dem Finger auf einem farbigen Ring die entsprechende Lichtfarbe einstellt. Matteo Thun gestaltete für Zumtobel „Ciria“, eine Bedienstelle, dessen Oberfläche aus einer durchgängigen Glasfront besteht, über die sich mehr als 20 unterschiedliche Lichtstimmungen programmieren und abspeichern lassen. Und wer das Licht schon einschalten möchte, bevor das Haus betreten wird, könnte sich das "Smart Remote"-System für das iPhone von Jung aufs Handy holen: Damit lässt sich nicht nur das Licht, sondern die gesamte KNX-basierte Haustechnik über das iPhone steuern. Als Telefon und Videosprechstelle in einem dient auch „Scope“ von Siedle. Das schnurlose Gerät zeigt jederzeit, wer vor der Tür steht und bietet zudem Freisprechfunktion und Türöffnertaste.

LED-Module zum Auswechseln

Eine weitere Herausforderung beim Einsatz von LEDs stellt sich vor allem bei kleinen Leuchten wie Spots und Strahlern, da diese ein effizientes Kühlsystem benötigen. Exzellent gelöst haben dies die Designer von EOOS, die für Zumtobel den bereits preisgekrönten Strahler „Discus“ entwarfen. Auch Axel Meise erweitert die Occhio Linie und bietet mit „Occio Più“ erstmals einen Strahler an, der mit einem LED-Chip ausgestattet ist. Der Chip lässt sich zudem einfach und vergleichsweise kostengünstig austauschen.
Eine ähnlich flexible Lösung für den Bereich der Außenleuchten präsentierte Siteco mit dem LED-Modul 520. Dieses kann in bestehende Siteco-Leuchten eingesetzt werden, sodass die bisherigen, oft ineffizienten Leuchtmittel durch energiesparende LED-Leuchten ausgetauscht werden können. Mit dem Einsatz von LED-Leuchtmitteln könnten Kommunen noch zusätzlich Energie einsparen, durch ein optimiertes Lichtmanagement, bei dem das Licht nachts zum Beispiel automatisch herunter gedimmt wird. Doch nicht nur hinsichtlich der Technik, auch beim Design von Außenleuchten weht ein frischer Wind durch die Branche. In einem Außenleuchten-Park präsentierte die Messe eine Reihe ungewöhnlicher Entwürfe für die Straßen der Zukunft, wie zum Beispiel „Bagursa“ von Ros Illuminacion, bei der Leuchte und Ampeln wie Grashalme aus dem Boden wachsen, oder „Sentiero di Vals“ von Peter Zumthor für Viabizzuno, die mit dem Preis „Design Plus powered by light+building“ ausgezeichnet wurde. Und für diejenigen, für die „draußen“ im eigenen Garten beginnt, präsentierte der spanische Hersteller Vibia die LED-Leuchte „Halley“, bestehend aus LED-Lichtstreifen, die bei Bedarf ineinander gesteckt und zu einem dekorativen Lichtbogen geformt werden können.

LED für Klassiker und Designleuchten

Dass die LED uns alle in naher Zukunft begleiten wird, ist auch daran ersichtlich, dass viele Hersteller ihre Designklassiker auf das neue Leuchtmittel adaptierten. So zum Beispiel Artemide, die nun die gesamte Tolomeo-Reihe ebenfalls mit LED anbieten. Artemide war auf der diesjährigen Light+Building einer der wenigen Hersteller, der auch Neuheiten mit herkömmlicher Beleuchtung präsentierte, wie zum Beispiel „Fagus“ von Ernesto Gismondi: Die 1,88 Meter hohe Leuchte besteht aus einem schlanken, organisch geformten massiven Stück Buchenholz und kommt dem Trend zu Natur und Natürlichkeit entgegen. Weitere Design-Highlights der Messe sind die Tischleuchte "Kelvin LED" , die Antonio Citterio gemeinsam mit Toan Nguyen für Flos entwarf, und die Kollektion der slowenischen Leuchtendesigner von Vertigo Bird, die mit der Tischleuchte „Funnel“ ein wahres Glanzstück zeigten.

LED als Glühbirnenersatz


Neben der Inszenierung von Licht und der Möglichkeit, es individuell zu steuern, zeigte sich in Frankfurt wieder einmal, dass der Wille, einen adäquaten Ersatz für die aussterbende Glühbirne zu finden durchaus groß ist – und dass die Energiesparlampe wegen ihres als kalt empfundenen Lichts weder von Designern noch von Verbrauchern als wirkliche Alternative zur Glühlampe angenommen wird. Auch hier erweist sich die LED als Retter in der Not, denn im Gegensatz zur Energiesparlampe kann sie warmweißes Licht spenden und ist dimmbar. So bieten bereits Hersteller wie Ledon oder Philips LED-basierte Leuchtmittel an – in altbekannter Glühbirnenform und mit klassischer E27-Fassung. Nicht nur das Leuchtmittel sondern gleich die ganze Leuchte bietet Luceplan mit „Archetype“, ein Komplettpaket, das sich in jede Standard E27-Fassung eindrehen lässt.

Licht der Zukunft: OLED


Dem Besucher der Light+Building blieb außerdem eines nicht verborgen: dass sich Geschichte wiederholt. Wo vor zwei Jahren nur die fortschrittlichsten Hersteller einige LED-basierte Lösungen zeigten, betraten auch in diesem Jahr wieder einige Designer Neuland, indem sie gewagte Entwürfe mit OLED, organischen Leuchtdioden, präsentierten. Die OLED wird durch ihr energieeffizientes und angenehm flächiges Licht vielfach als Leuchtmittel der Zukunft gesehen – ähnlich wie vor zwei Jahren die LED, die nun zum Leuchtmittel der Gegenwart avanciert ist. Zumtobel zeigte zum Beispiel eine Reihe von OLED-Konzeptstudien, unter anderen von dem japanischen Architekturbüro Sanaa. Ingo Maurer entwarf gleich mehrere OLED-Leuchten wie zum Beispiel „Double C-Future“ und der belgische Hersteller Modular Lighting präsentierte die bestechend schöne Leuchte „O’Leaf“ , gestaltet von dem jungen Designerduo Couvreur & Devos.

An der LED kam in diesem Jahr auf der Light+Building niemand vorbei. Und das ist auch gut so, denn inzwischen scheinen die Leuchtdioden so weit ausgereift zu sein, dass sie sich tatsächlich als adäquate Alternative zur Glühlampe eignen und eine Reihe neuer Gestaltungsmöglichkeiten bieten – sowohl für Architekten und Leuchtendesigner als auch für den Gestalter von Lichtkreationen in den eigenen vier Wänden. Die derzeitige Lichtrevolution durch die LED ist für alle, die sich mit Beleuchtung befassen, eine extrem aufregende Zeit. Und die nächste Revolution steht schon in den Startlöchern: Die OLED – mit hoher Wahrscheinlichkeit das große Thema der Light+Building 2012.


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Light+Building

www.light-building.com

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