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Was Nachhaltigkeit leisten muss

Sarah Depoortere über Energieeffizienz, Reparierbarkeit und Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft

Wie lassen sich die Umweltwirkungen von Leuchten reduzieren? Sarah Depoortere, Sustainability Manager bei Deltalight, spricht im Interview über Energieeffizienz, Lichtkomfort und austauschbare Komponenten – und darüber, warum Kreislauffähigkeit nicht auf dem Datenblatt enden darf.

von Stephan Redeker, 16.09.2026

Nachhaltigkeit ist längst Teil der Produktkommunikation. Doch was bedeutet der Begriff konkret für einen Leuchtenhersteller? Im Gespräch mit Sarah Depoortere, Sustainability Manager bei Deltalight, geht es um Energieverbrauch und Materialwahl, um reparierbare Komponenten und um die Frage, was Lebenszyklusanalysen über Produkte sichtbar machen.

Frau Depoortere, Nachhaltigkeit ist heute für nahezu jedes Unternehmen ein wichtiges Thema. Wird der Begriff inzwischen zu häufig oder zu unpräzise verwendet?
Nachhaltigkeit ist ein sehr umfassender Begriff, der viele unterschiedliche Themen beinhaltet. Gleichzeitig gibt es zahlreiche gesetzliche Vorgaben und Rahmenwerke. Dadurch kann leicht der Blick dafür verloren gehen, was tatsächlich umgesetzt wird. Natürlich ist es wichtig, über Nachhaltigkeit zu sprechen. Entscheidend ist für mich aber, ob sie über eine Strategie oder ein Kommunikationskonzept hinausgeht. Zeigt sie sich in den täglichen Entscheidungen oder nur im Marketing?

Für uns bei Deltalight bedeutet das, sehr konkret zu fragen: Was heißt Nachhaltigkeit für einen Leuchtenhersteller und für unsere Kundinnen und Kunden? Entscheidend ist, wie Nachhaltigkeit beeinflusst, was wir täglich entwerfen, einkaufen und produzieren. Wenn sie wirklich gelebt wird, sollte man sie im Produkt und im gesamten Entwicklungsprozess erkennen können.

Viele Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Was unterscheidet die Nachhaltigkeitsstrategie von Deltalight von anderen Ansätzen?
Net Zero bis 2050 ist heute eher eine grundlegende Erwartung als ein Alleinstellungsmerkmal. Unsere Strategie wird stärker von den konkreten Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden geprägt. Als wir genauer hingehört haben, sind immer wieder drei zentrale Fragen aufgekommen: Kann ein Produkt aufgerüstet oder repariert werden? Ist es energieeffizient? Und können wir unsere Aussagen mit belastbaren Daten belegen? Diese drei Themen, Upgradefähigkeit, Effizienz und Nachweisbarkeit, sind deshalb direkt in unsere Arbeitsweise integriert.

Wenn es um die Umweltwirkung von Beleuchtung geht, denken viele zunächst an energieeffiziente LEDs. Reicht das aus?
Effizienz ist definitiv ein sehr wichtiges Thema. Unsere Lebenszyklusanalysen zeigen, dass bei Deltalight-Leuchten mehr als 90 Prozent des ökologischen Fußabdrucks während der Nutzungsphase entstehen. Je effizienter eine Leuchte arbeitet, desto weniger Energie verbraucht sie über ihre Lebensdauer und desto geringer ist ihre tatsächliche Umweltwirkung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Energieeffizienz auf Kosten des Komforts gehen muss. Bei Deltalight waren Lichtkomfort und Wohlbefinden schon immer zentrale Faktoren bei der Entwicklung neuer Leuchten. Licht muss die Atmosphäre eines Abendessens unterstützen, konzentriertes Arbeiten im Büro ermöglichen oder einem Raum die richtige Stimmung geben. Daran hat sich nichts geändert, nur weil wir heute den Energieverbrauch weiter reduzieren wollen.

Darüber hinaus müssen wir über zukunftsfähiges Design sprechen: Welche Materialien werden eingesetzt? Und wie lässt sich die Lebensdauer einer Leuchte verlängern? Als Hersteller tragen wir die Verantwortung, in Lebenszyklen zu denken und Produkte so zu entwickeln, dass sie später möglichst direkt beim Kunden aufgerüstet werden können, anstatt vollständig ersetzt werden zu müssen.

Bei modernen Leuchten sind es häufig nicht die LEDs selbst, die zuerst ausfallen, sondern Treiber oder Steuerungselektronik. Wie sorgt Deltalight dafür, dass Produkte trotzdem langfristig reparierbar bleiben?
Ein gutes Beispiel dafür ist unser jüngster Launch, die SPY II 39. Dieses Produkt wurde von Anfang an mit Blick auf Modularität entwickelt. Die Möglichkeit, Komponenten künftig auszutauschen oder aufzurüsten, beginnt bereits beim Produktdesign. Bei der SPY II 39 bedeutet das, dass Optik, LED-Modul und Gehäuse jeweils separat ersetzt werden können, ohne die gesamte Leuchte erneuern zu müssen. Wenn ein Produkt auch in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren noch reparierbar oder upgradefähig sein soll, muss diese Entscheidung bereits am Zeichentisch getroffen werden.

Für kritische Komponenten wie LED-Module und Treiber verpflichten wir uns zudem zu einer Verfügbarkeit von bis zu 15 Jahren. Dabei muss es sich nicht immer um exakt dasselbe Bauteil handeln. Die LED- und Treibertechnologie entwickelt sich schnell weiter, sodass ein Ersatzteil nach fünf oder zehn Jahren wahrscheinlich einer neueren Generation angehören wird. Entscheidend ist für uns die funktionale Kontinuität: Das Ersatzteil muss die volle Funktion der Leuchte wiederherstellen, auch wenn sich die dahinterliegende Technologie inzwischen weiterentwickelt hat.

Bei High Profile, der gemeinsam mit MVRDV entwickelten Kollektion, wurden Produktionsreste zum Ausgangspunkt eines neuen Designs. Welche Auswirkungen hatte dieses Projekt innerhalb des Unternehmens? War es eher ein außergewöhnliches Experiment oder hat es die heutige Produktentwicklung nachhaltig beeinflusst?
Bereits vor High Profile hatten wir einen geschlossenen Materialkreislauf etabliert: Aluminiumabschnitte aus der Produktion werden an unseren Lieferanten zurückgeführt, eingeschmolzen und anschließend als recycelte Profile wieder in den Produktionsprozess integriert. Mit High Profile wurde jedoch eine andere Frage gestellt: Was passiert, wenn wir diese Abschnitte nicht wieder einschmelzen, sondern sie direkt als Ausgangspunkt für eine neue Leuchte nutzen? Gemeinsam mit MVRDV und unserem Designteam entstand daraus ein Perspektivwechsel: die Erkenntnis, dass Produktionsreste einen eigenständigen gestalterischen Wert besitzen können.

Deltalight führt für eine wachsende Zahl von Produkten Lebenszyklusanalysen durch und veröffentlicht Umweltproduktdeklarationen. Was lernt man dadurch über die eigenen Produkte?
Die Einführung von Life Cycle Assessments, kurz LCAs, hat unser Verständnis für unsere eigenen Produkte und Materialien deutlich verändert. Wo immer möglich, arbeiten wir mit EPD-Daten, die unsere Lieferanten direkt für einzelne Komponenten bereitstellen, anstatt auf allgemeine Branchendurchschnittswerte zurückzugreifen. Dieser höhere Detaillierungsgrad ermöglicht es uns, unsere Beschaffung gezielt in Richtung weniger CO₂-intensiver Alternativen zu entwickeln. Recyceltes Aluminium ist dafür ein gutes Beispiel. Die Erkenntnisse aus unseren LCAs fließen auch in die Entwicklung unserer High Efficiency Range ein. Im Vergleich zur Standardversion derselben Leuchte reduziert sich die Leistungsaufnahme bei den High Efficiency-Versionen um rund 30 Prozent. Die geringere CO₂-Intensität entsteht dadurch vor allem in der Nutzungsphase. Solche High Efficiency-Versionen haben wir in den vergangenen Jahren unter anderem für Produktfamilien wie Deep Ringo, Entero und Boxy entwickelt.

Wenn Sie auf die Beleuchtungsbranche insgesamt blicken: Wo gibt es echte Fortschritte und wo wird über Nachhaltigkeit mehr gesprochen als tatsächlich etwas verändert?
Echte Fortschritte sehe ich vor allem bei der Energieeffizienz. Der Übergang zur LED-Technologie war nicht nur eine schrittweise Entwicklung, sondern ein grundlegender Wandel. Beleuchtung ist heute deutlich effizienter als noch vor zehn Jahren, getrieben sowohl durch gesetzliche Vorgaben als auch durch technologische Innovation.

Differenzierter wird es, wenn wir über den Energieverbrauch hinaus auf den gesamten Lebenszyklus und auf Kreislauffähigkeit schauen. Es ist vergleichsweise einfach, auf einem Datenblatt die Recyclingfähigkeit eines Produkts zu erwähnen. Deutlich schwieriger ist es, die notwendigen Service- und Rücknahmestrukturen aufzubauen, damit Reparatur tatsächlich auch in der Praxis stattfindet. Genau in dieser Lücke zwischen dem, was technisch entwickelt wird, und dem, was anschließend operativ unterstützt wird, sollte sich die Branche meiner Meinung nach schneller weiterentwickeln.

Bei Deltalight versuchen wir, Reparaturen deshalb möglichst unmittelbar am Produkt zu ermöglichen. Bei der SPY II 39 können beispielsweise Optik, LED-Modul und Gehäuse separat vor Ort ausgetauscht werden, ohne dass die Leuchte an uns zurückgeschickt werden muss. Dadurch lassen sich Reparaturen schneller durchführen und Ausfallzeiten für die Nutzerinnen und Nutzer reduzieren.

Ein weiterer Bereich, in dem die Branche noch stärker werden kann, ist das Thema Wohlbefinden. Licht beeinflusst unseren Körper, unsere Psyche und unsere täglichen Gewohnheiten. Entsprechend sollten wir Beleuchtung stärker danach gestalten, wie Menschen tatsächlich leben und funktionieren.

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