Projekte

Gitterwerk am Genfer See

Die Zentrale des Weltbasketball-Verbandes FIBA von Jean-Frédéric Luscher

von Norman Kietzmann, 01.12.2015

Hier spielt der Ball: Der Schweizer Architekt Jean-Frédéric Luscher konzipierte die neue Zentrale des Weltbasketball-Verbandes FIBA als stilisierte Hand. Anstelle von Wänden oder massiven Pfeilern werden die Baukörper von filigranen Gittern angehoben – als stählerne Reminiszenz an das Basketballnetz.

In der Schweiz fühlen sich viele Institutionen zuhause. Nicht nur das Olympische Komitee oder der Weltfußballverband haben dort ihren Sitz. Auch der internationale Basketball-Verband FIBA steuert die globalen Geschicke dieser Sportart von eidgenössischem Territorium aus. Während der Weltfußballverband derzeit um Transparenz bemüht ist, sind die Basketballer in diesem Punkt schon weiter. In Mies, einer 1700-Seelen-Gemeinde nördlich von Genf, hat der Verband einen gläsernen Neubau bezogen – entworfen von Luscher Architectes aus Lausanne. 

Stilisierte Hand
„Der neue Hauptsitz des FIBA überträgt die Identitäten des Basketballs in verschiedene Maßstäbe: Die Strukturen der Landschaft, die Hand des Spielers und die netzförmige Tragstruktur des Basketballkorb haben wir als Motive aufgegriffen“, erklärt Büro-Gründer Jean-Frédéric Luscher. Klingt erst einmal weit hergeholt, funktioniert dann aber doch ganz einfach: Das Gebäude überwindet ein leichtes Gefälle zwischen einem Waldstück und dem Ufer des Genfer Sees mit fünf auskragenden Baukörpern, die rückseitig von einem Querriegel verbunden werden. 

Vukanischer Gruss
Indem vier Gebäuderiegel identisch lang sind und der fünfte verkürzt wurde, entsteht im Grundriss eine stilisierte Hand. Einen popkulturellen Einwurf konnten sich die Architekten an dieser Stelle nicht verkneifen. Sie verbanden je zwei Finger mit überdachten Innenhöfen, sodass die Hand nur zwischen Ring- und Mittelfinger sowie zwischen Daumen und Zeigefinger gespreizt ist. Das Ergebnis ist eine V-förmige Geste, die Mr.-Spock-Darsteller Leonard Nimoy einst als „Vulkanischen Gruß“ zu Berühmtheit brachte. 

Korb trifft Kubus
Die Besonderheit der neuen FIBA-Zentrale liegt in ihrer tragenden Struktur. Anstelle von Wänden oder massiven Pfeilern werden die ein- bis zweigeschossigen Baukörper allein von einem filigranen Metallgitter über den Boden gehoben – als stählerne Reminiszenz an das Basketballnetz. Für Dynamik sorgt die stetige Variation der Winkel, in denen sich die Gitterstäbe diagonal überkreuzen. Schließlich soll nicht der Eindruck eines Käfigs entstehen. Die Offenheit der Konstruktion setzt nicht nur Innen und Außen in Beziehung. Auch die Büros, Gemeinschaftsräume und Höfe werden durch sich kreuzende Sichtachsen miteinander in Verbindung gesetzt.
Flexible Nutzung
Der Verzicht auf tragende Wände erlaubt eine freie wie flexible Nutzung – passend zum dynamischen Arbeitsalltag der FIBA-Mitarbeiter. Das Erdgeschoss unterhalb der „Finger" ist als großes Spielfeld mit Holzboden angelegt. Eine ansteigende Tribune verwandelt diesen Ort je nach Bedarf in ein Auditorium, einen Vorführsaal oder eine Wettkampfarena. Flexibel zeigt sich auch die Ausstattung der Büroräume mit dem Möbelbausystem Haller von USM. Die freistehenden Regale und Schrankkuben gliedern den Open Space als miniaturisierte Architektur in der Architektur – und erlauben jederzeit eine leichte Neukonfiguration. 

Subtiles Chaos
Eine Wechselwirkung zwischen Gebäude und Inneneinrichtung erfolgt auch auf struktureller Ebene: Die dunkelgrauen Seitenwände und Böden des Möbelbausystems Haller werden von einem außenliegenden Gerüst aus verchromten Metallstangen eingefasst. Dessen orthogonale Ordnung erzeugt einen spannungsvollen Gegenpol zum subtilen Chaos des weißen Gittergeflechts, das die FIBA-Zentrale von Außen umspielt. Damit der Sport bei alledem nicht zu kurz kommt, hängen zahllose Basketbälle an Seilen von der Decke herab – als wären sie Lampions. Wer bei diesem Anblick ein paar Körbe werfen will, sollte vor den Haupteingang treten. Dort erhebt sich ein freistehender Basketballkorb, der explizit nicht nur den Mitarbeitern und Gästen der FIBA offen steht, sondern ebenso Anwohnern und Besuchern – die beim Spielen zugleich das Geschehen im Inneren des Gebäudes direkt mitverfolgen können.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

USM

Das USM Möbelbausystem Haller wurde zwischen 1962 und 1965 entwickelt. Der bekannte Klassiker wird in der Bürowelt, in öffentlichen Bauten wie auch im privaten Bereich eingesetzt. Die Ende 2001 erfolgte Aufnahme in die Design-Sammlung des Museums of Modern Art MoMA in New York (USA) ist eine hohe Auszeichnung und bestätigt den Kunst-Charakter des Produkts.

Zum Showroom

Projektarchitekten

Luscher Architects

www.luscher-architectes.ch

International Basketball Federation FIBA

www.fiba.com

Mehr Projekte

Weinbar mit Whiteboard

Ein Stockholmer Büro mit Tresen von Note Design Studio

Ein Stockholmer Büro mit Tresen von Note Design Studio

Arbeiten im Minka-Haus

DDAA macht ein japanisches Wohngebäude zum Büro

DDAA macht ein japanisches Wohngebäude zum Büro

Mehr Platz für Kreativität

Büroerweiterung in Berlin von Kemmler Kemmler

Büroerweiterung in Berlin von Kemmler Kemmler

Die Büro-WG

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Office mit Retailfläche in Madrid von Plutarco

Monochrom und multifunktional

Isern Serra renoviert ein Kreativstudio in Barcelona

Isern Serra renoviert ein Kreativstudio in Barcelona

Hygge auf Tasmanisch

Ein hölzernes Büronest von Cumulus Studio

Ein hölzernes Büronest von Cumulus Studio

Zuhause im Architekturbüro

Wohnliches Office in Sydney von Alexander &CO.

Wohnliches Office in Sydney von Alexander &CO.

Naturnah arbeiten

Nachhaltiger Büroneubau von haascookzemmrich STUDIO2050

Nachhaltiger Büroneubau von haascookzemmrich STUDIO2050

Alter Bestand, neue Arbeitswelt

De Winder Architekten bauen Hamburger Verlagshaus aus

De Winder Architekten bauen Hamburger Verlagshaus aus

Ein Ort für die Magie des Zufalls

Co-Working im Londoner Design District

Co-Working im Londoner Design District

Herz aus Beton

Philipp von Matt gestaltet ein Künstlerhaus in Berlin

Philipp von Matt gestaltet ein Künstlerhaus in Berlin

Über den Dächern Berlins

Büroausbau für eine agile Arbeitsumgebung von buerohauser

Büroausbau für eine agile Arbeitsumgebung von buerohauser

Eidgenossen in Chicago

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Schillerndes Vorzeigebüro

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Makeover à la Marcelis

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Luft nach oben

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby

Kompakt und kontemplativ

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Wohnen mit System

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Red Room in Valencia

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Das Acht-Minuten-Büro

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Mut zur Maserung

Die schönsten Interiors mit Holz

Die schönsten Interiors mit Holz

Best-of Zahnarztpraxen

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Echo der Bergwelt

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Stilvoll konferieren

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Sinn für Farbe

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Die Welt als Modell

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Das Zahnarzt-Loft

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Arbeiten im Gartencafé

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Haus der Steine

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Soul in Seoul

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu