Miami in Schöneberg
Das farbige Büro des Berliner Designstudios Coordination
Sichtbeton und Farbe, Zimmerpflanzen und durchscheinende Vorhänge: Flip Sellin und Jochen Gringmuth vom Berliner Studio Coordination beziehen mit ihrem neuen Büro die Räume eines früheren Möbellagers – und laden es mit Sinnlichkeit und Energie auf.
Büros sind heute oft gespaltene Persönlichkeiten. Sie folgen keinem linearen Denken, sondern fahren mindestens zweigleisig. Will heißen: Sie besitzen eine logische und eine sinnliche Seite zugleich. Genau nach diesem doppelten Wirkungsprinzip gingen der Designer Flip Sellin und der Architekt Jochen Gringmuth, Gründer des Berliner Architektur- und Designstudios Coordination, beim Umbau ihrer neuen Arbeitsräume ans Werk.
Kreative Nachnutzung
In der Bülowstraße im Berliner Stadtteil Schöneberg haben sie dem ehemaligen Lager des Händlers Möbel Hübner neues Leben eingehaucht. Seit 2018 wird der brutalistische Bau aus dem Jahr 1973 von Pirol Studios genutzt, einer Gruppe freischaffender Kreativer. Auf 250 Quadratmetern haben Coordination ihren neuen Bürostandort eingerichtet: einen großzügigen Open Space mit 16 Arbeitsplätzen und viel Tageslicht, das durch eine große Fensterfront ins Innere fällt.
Gleichberechtigtes Sitzen
Für eine ruhige, klare Raumwirkung sorgen die schwarzen Schreibtische, die von Coordination selbst entworfen wurden. Sie verfügen über Arbeitsplatten aus Linoleum und ausgestellte Beine, die sich nach unten verjüngen. Die Möbel sind in zwei identischen Reihen Kopf an Kopf aneinander gestellt und bieten Platz für jeweils acht Mitarbeiter. Eine räumliche Definition von Hierarchien wird bewusst vermieden. Dies zeigt sich auch beim Sitzen: Alle Mitarbeiter nehmen ebenso wie die Bürogründer auf weiß gehaltenen Drehstühlen – Physix von Alberto Meda für Vitra – Platz.
Infusion durch Farbe
Der graue Betonboden zeigt eine lebendige, abgewetzte Struktur, die mal zufällig wirkt und dann wieder an verblichene Straßenmarkierungen denken lässt. Die Spuren der früheren Lagernutzung wurden nicht übertüncht, sondern bewusst sichtbar gelassen. Die Stützpfeiler mit quadratischem Grundriss sind ebenso in Sichtbeton belassen wie die Decken, an denen sich noch die parallelen Bretterreihen der einstigen Schalung abzeichnen. Auch die unterhalb der Decke entlangführenden Rohrleitungen für Heizung, Abwasser, Elektrokabel und Sprinkleranlage wurden nicht verkleidet, um die volle Raumhöhe zu erhalten.
Türkise Stahlregale
Arbeit ist nicht gleichbedeutend mit Langeweile. Schließlich wollen die Gedanken stimuliert werden. Und so spielt Farbe eine tragende Rolle in diesem Büro – als Ausgleich zum Grau des Sichtbetons und der düsteren Lichtstimmung in den langen, Berliner Wintern. Zwischen den Schreibtischreihen wurden hüfthohe Stahlregale von Aczent Lagertechnik platziert, die mit einer kräftigen, türkisen Färbung aufwarten. Sie sind mit hellgrauen Boxen gefüllt (Modellreihe Unista von Ringoplast), die verschiedenste Inhalte mit einer identischen Hülle umfassen und somit visuelle Klarheit erzielen.
Miami-Vice-Palette
Nicht nur der Boden unterhalb der Schreibtische und Regale ist grau gehalten. Die Nichtfarbe wird ebenso im Besprechungsraum verwendet, der für Meetings und Videokonferenzen genutzt wird und mit einem Linoleumtisch und fünf Drehstühlen ausgestattet ist. In den übrigen Bereichen des Büros verändert sich das Farbschema. Entlang der Fensterfront wurden zwei Nischen mit dreieckigem respektive trapezförmigem Zuschnitt eingefügt, die mithilfe von weißen, leicht transparenten Vorhängen geschlossen werden können. Böden, Wände und Decken sind ebenso wie die Fensterrahmen, Rohrleitungen und Heizkörper in einem leuchtenden Flamingo-Rosa gehalten. Im Zusammenspiel mit den türkisfarbenen Regalen entsteht eine Farbwelt, die geradewegs in die Achtzigerjahre-Kultserie Miami Vice entführt.
Grüner Social-Media-Star
Die dreieckige Nische vor der Fensterfront dient als Lounge mit einem weißen Ohrensessel – das Modell Take a Line for a Walk von Alfredo Häberli für Moroso – und üppigen Pflanzen, die in Terrakotta-Töpfen auf dem Boden und auf einer Holzbank stehen oder an Seilen von der Decke herabhängen. Die trapezförmige Nische direkt daneben nimmt einen Schreibtisch für die Büromanagerin und den Kommunikationsleiter auf. Das Schwarz des Linoleumtisches wird von einem Sideboard mit geschlossenen Fronten von USM Haller aufgegriffen. Auch hier ziehen schwebende Pflanzentöpfe die Blicke auf sich – gefüllt mit dem Instagram-Superstar der domestizierten Botanik: der Monstera-Pflanze mit ihren großen, geschlitzten Blättern, die wie miniaturisierte Palmenwedel an langen Stielen in den Raum hineinhängen. Miami, wir kommen!
FOTOGRAFIE hoederath.de
hoederath.de
| Auftraggeber/Kunde | Coordination sg design GmbH |
| Adresse | Bülowstr. 56, 10783 Berlin |
| Entwurf | Flip Sellin, Jochen Gringmuth, Katrin Weiß-Höppeler |
| Projektleitung | Katrin Weiß-Höppeler |
| Team | Lena Kramer, Chikako Sakamoto, Max Fabian Wosczyna |
| Bürodrehstühle | Physix von Vitra |
| Hocker | Thread von Coordination |
| Loungesessel | Take a Line for a Walk von Moroso |
| Arbeitslicht | Line R von Onok Lighting |
| Akzentlicht | Polygon Crash von Coordination |
| Sideboard | USM Haller von USM Haller |
| Beschläge | System 111 von HEWI |
| Schalterprogramm | S-Color von Gira |
| Vorhangschienen | Silent Gliss |
| Regalsystem | Aczent Lagertechnik |
| Graue Kisten | Unista von Ringoplast |
Projektarchitekten
www.coordination-design.comMehr Projekte
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