Menschen

Doshi Levien

von Norman Kietzmann, 01.02.2012


Nipa Doshi und Jonathan Levien sind im beruflichen wie privaten Leben ein Paar. Geboren 1971 in Bombay, studierte Nipa Doshi in Ahmedabad Design und ging 1995 nach London, um 1997 am Royal Collage of Art ihren Master zu absolvieren. Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Indien zurück und arbeitete dort mit Kunsthandwerkern, bis sie 1998 für SCP Architects und David Chipperfield in London zu arbeiten begann. Jonathan Levien wurde 1972 im schottischen Elgin geboren und nahm am Bucks College in englischen High Wycombe sein Designstudium auf. 1995 zog er nach London und absolvierte am Royal College of Art seinen Master. Nach seinem Abschluss 1997 arbeitete er für drei Jahre im Büro von Ross Lovegrove, bis er 2000 zusammen mit Nipa Doshi das Büro Doshie Levien in London gründete. Ihre Arbeiten verbindet ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Kulturen, Stilrichtungen und Produktionsmethoden, die sie für Kunden wie Moroso, Cappellini, Richard Lampert, Authentics, Glass oder BD Barcelona realisieren. Von der Kölner Möbelmesse imm cologne wurden Nipa Doshi und Jonathan Levien eingeladen, im Januar 2012 ihre Vorstellung eines idealen Wohnraums umzusetzen. Wir trafen die beiden Gestalter in Köln und sprachen mit ihnen über exhibitionistische Schlafzimmer, Räume für Yoga und hybrides Wohnen.  


Nipa Doshi und Jonathan Levien, auf der Kölner Möbelmesse 2012 haben Sie mit Das Haus ein ganzheitliches Wohnkonzept auf 180 Quadratmetern präsentiert. Erklären Sie uns, worum es Ihnen dabei ging.

Jonathan Levien: Als wir das erste Konzept im vergangenen Juli entwickelt haben, haben wir uns bewusst für einen urbanen Kontext entscheiden. Das Haus sollte nicht als ein isoliertes Objekt erscheinen, das man sich von außen anschaut, sondern vielmehr ein Ort von unterschiedlichen sozialen Aktivitäten sein. Ein wenig wie das Leben in Städten wie Mumbai oder Shanghai, wo Geschäfte, Wohnungen, Fabriken und Werkstätten direkt nebeneinander liegen. Mit diesem Umfeld im Hinterkopf haben wir dann Das Haus von Innen nach Außen heraus entwickelt.

Nipa Doshi: Das Haus wirkt beinahe durchlässig und ist über große Fenster mit seiner Umgebung verbunden. Wir wollten uns von klar definierten Räumen wie Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche oder Badezimmer entfernen. Die Räume sind vielmehr einzelnen Tätigkeiten wie Baden, Schlafen, Arbeiten oder Spielen zugeordnet. Das Zentrum des Hauses bildet ein offener Hof, der die anderen Räume miteinander verbindet.

Gleich am Eingang zum Hof befindet sich ein lang gestreckter Tisch, den Sie zusammen anderen Möbeln eigens für die Installation in Köln entwickelt haben. Eine rechteckige Tischplatte geht dabei in die Form eines geweiteten Sechsecks über. Was hat es mit diesem Entwurf auf sich?

Nipa Doshi: Es ist ein Tisch, der zwei Tische miteinander kombiniert. Auf der einen Seite kann man arbeiten oder mit den Kindern die Hausaufgaben machen. Die andere Seite dient als Esstisch oder wozu man sonst einen Tisch noch braucht. Wir wollten, dass sich die Familie nicht in einzelne Räume zurückzieht, sondern gemeinsam im Zentrum des Hauses zusammenlebt.

Jonathan Levien: Für uns liegt darin auch der Bezug zur Idee einer Werkstatt, wo sehr unterschiedliche Arbeiten in einem Raum gemeinsam gemacht werden. Darum haben wir das Sofa bewusst nicht ins Wohnzimmer gestellt, sondern nach draußen in den Hof. Außer im Badezimmer gibt es dort eine zweite Dusche, während daneben gegessen, gearbeitet oder gespielt wird. Wir wollten diese sehr unterschiedlichen Rituale zusammenführen, wenngleich sie nicht automatisch in einem einzigen Raum stattfinden müssen. Wir sehen Das Haus vielmehr als eine Summe einzelner Inseln oder Zonen, die ineinander übergehen.

Das Wohnzimmer haben Sie unmittelbar mit dem Schlafzimmer verschmolzen. Anstatt wie üblich das Schlafzimmer als Bereich des Privaten den Gästen vorenthalten wird, haben Sie es nun nach außen gekehrt. Warum?

Nipa Doshi: Das Wohnzimmer ist der Ort, um seine Gäste zu empfangen und nachmittags Tee zu trinken. Wir haben diesen Ort bewusst mit dem Schlafzimmer verbunden, weil sich ein Bett nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag nutzen lässt. Wenn die Familie oder enge Freunde zu Besuch sind, können sie sich auf das Bett setzen oder hinlegen. Darum haben wir das Bett wie eine Art Plattform gestaltet und auf ein erhöhtes Kopfteil verzichtet. In unserer Installation haben wir eigens ein Tablett mit Gläsern darauf gestellt, um zu zeigen, wie sich das Bett viel stärker in unsere alltäglichen Rituale miteinbeziehen lässt und nicht allein im Privaten verbleiben muss.

Das Schlafzimmer führt nicht direkt ins Bad, sondern in ein Ankleide- und Schminkzimmer, das Sie ebenfalls mit dem Innenhof verbunden haben.

Nipa Doshi: In den meisten Wohnungen geht dieser Bereich oft völlig unter, weil es nicht genügend Platz im Bad oder im Schlafzimmer gibt. Dabei ist dieser Raum des Übergangs sehr wichtig, um sich auf den Tag vorzubereiten. Der Schminktisch ist ein Prototyp, den wir für BD Barcelona entwickelt haben und auf der Mailänder Möbelmesse im April vorstellen werden. Er hat einen großen runden Spiegel, der wie eine Art Paravent funktioniert: Wenn man sich hinsetzt, ist man ungestört für sich allein. Steht man auf, blickt man direkt in den Innenhof und Teile des Wohnzimmers und ist sofort wieder im Geschehen.

Jonathan Levien: Gleich neben dem Schminkzimmer liegt ein Raum, in dem es gar keine Möbel gibt. Auf dem Boden befindet sich lediglich eine Matte. Das ist der Ort, um Yoga zu machen, zu meditieren oder nachzudenken. Dieser Bereich ist direkt mit dem Bad verbunden, das wir als eine Art Haman entwickelt haben. Er ist eine Art Spa für den täglichen Gebrauch, wo man sich wohlfühlen soll. Im Sommer lässt sich auch die Dusche draußen im Hof benutzen. Es ist schön, dabei unter der Sonne stehen zu können.

Im Anschluss an das Badezimmer folgt die Küche, die Sie sowohl zum Innenhof als auch über ein großes Fenster zur Straße geöffnet haben. Was hat es mit diesem auf sich?

Nipa Doshi: In Indien ist es üblich, über das Fenster von Händlern Waren einzukaufen und auch selbst Dinge zu verkaufen, seien es Speisen oder Dinge, die man selbst hergestellt hat. Auch lässt sich dort ein Gespräch mit den Nachbarn führen. Es ist eine Art Schnittstelle zum Leben draußen auf der Straße.

Jonathan Levien: Wir fanden es spannend, das Innere des Hauses ein Stück weit von außen sichtbar zu machen. Nicht alle Wände des Hauses sind daher massiv. Einige von ihnen sind leicht lichtdurchlässig, andere wiederum transparent. In der Küche gibt es eine gläserne Wand, die vom Londoner Grafikbüro Pony gestaltet wurde, auf der verschiedene Objekte und Möbel aus dem Haus zu sehen sind. Andere Wände haben wir als Jalis ausgeführt. Das sind gitterartige Fenster, wie sie sich in der traditionellen indischen Architektur wiederfinden. Wir haben ihnen eine Struktur aus diagonalen Streifen gegeben,  die sehr geometrische und dennoch sinnliche Schatten durch das gesamte Haus werfen.

Das Haus verschmilzt nicht nur Elemente europäischer, indischer und marokkanischer Wohnhäuser. Für die Möblierung haben Sie neben Ihren eigenen Entwürfen auch Klassiker wie George Nelsons Marshmallow Sofa für Vitra oder zeitgenössische Entwürfe wie den Tisch Habibi von Philipp Mainzer für e15 verwendet. Würden Sie sagen, dass dieser Mix aus unterschiedlichen Stilen, Epochen und Kulturen typisch für Ihre Arbeit ist?

Nipa Doshi: Absolut, Wir lieben die Kombination von alten und neuen Dingen, von Handarbeit und industrieller Produktion, von Kulturen aus Asien und Europa. Das Hybride formt eine sehr intensive und schöne Welt, in der wir selbst auch gern leben möchten.

Vielen Dank für das Gespräch.



Unser Special zur imm cologne finden Sie hier.
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www.imm-cologne.de

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